Nach Anschlag bei Hebron riegelt Netanjahu das Westjordanland ab
Zwei Angreifer beschießen Soldaten an der Yehuda-Kreuzung bei Hebron, fünf Menschen werden verletzt. Premier Netanjahu ordnet die Abriegelung Hebrons und eine totale Sperre des Westjordanlands an – vier Tage vor der Wahl.
Zwei bewaffnete Palästinenser haben am frühen Freitagmorgen israelische Soldaten am Kontrollpunkt Farsh al-Hawa am Nordrand von Hebron beschossen. Der Schusswechsel an der Route 35, auch Yehuda-Kreuzung genannt, dauerte mehr als 20 Minuten.
Der Rettungsdienst Magen David Adom meldete fünf Verletzte, zwei davon in kritischem Zustand; ein Mann in den 20ern war bewusstlos. Andere Berichte nennen sechs verletzte Soldaten. Soldaten töteten die beiden Angreifer – nach Militärangaben Hamouda und Firas al-Ja'ba, beide 27, aus Hebron, jeweils verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Premier Benjamin Netanjahu wies Armee und Sicherheitskräfte an, Hebron sofort abzuriegeln und ab Freitag eine vollständige Abriegelung des gesamten Westjordanlands vorzubereiten. Der Bericht über die angeordnete totale Sperre nennt zudem „umfangreiche Verhaftungswellen“, die bereits angelaufen seien.
„Ich habe die IDF und die Sicherheitskräfte angewiesen, sofort eine Abriegelung der Stadt Hebron zu verhängen und sich ab heute auf eine vollständige Abriegelung von ganz Judäa und Samaria vorzubereiten.“
Benjamin Netanjahu, israelischer Ministerpräsident
Munition im Fahrzeug deutet auf größeren Plan
Generalstabschef Eyal Zamir reiste an den Kontrollpunkt, hielt eine Lagebewertung ab und genehmigte die Vorbereitung einer vollständigen Abriegelung Hebrons und der umliegenden Dörfer sowie verstärkte Verhaftungen. Im Fahrzeug der Angreifer lag nach seinen Angaben eine große Menge Munition.
„Dies war ein schwerer Angriff. Das schnelle Handeln der Soldaten hat einen noch schwereren Angriff und weiteren Schaden für Zivilisten und Sicherheitskräfte verhindert.“
Eyal Zamir, Generalstabschef der israelischen Armee
Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir forderte am Tatort, die Palästinensische Autonomiebehörde zu zerschlagen und zu entmilitarisieren – Hinweise auf eine Beteiligung der PA gibt es nicht. Zudem verlangte er Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für Palästinenser.
Vier Tage vor der Parlamentswahl
Der Anschlag fiel auf den vierten Tag vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober, bei der Netanjahu für eine weitere Amtszeit antritt. Der Likud sagte alle Wahlkampftermine an diesem Freitag ab, Netanjahu berief das Sicherheitskabinett ein. Bereits am Donnerstag waren bei Razzien im Westjordanland 36 Palästinenser festgenommen worden.
Oppositionsführer Yair Lapid attackierte die Regierung – allerdings nicht wegen des Anschlags, sondern wegen einer Warnung von Verteidigungsminister Israel Katz vom Vortag. Katz hatte erklärt, feindliche Akteure planten Anschläge am Wahlabend oder während der Wahl; Oppositionspolitiker wiesen das scharf zurück.
„Die unverantwortliche und hysterische Erklärung des Verteidigungsministers ist ein Geschenk für Israels Feinde. Erneut sucht die Regierung des Versagens nach Ausreden und Schuldigen für das Versagen Netanjahus.“
Yair Lapid, israelischer Oppositionsführer
Hamas lobt die Tat als „heldenhaft“
Die Hamas lobte den Angriff als „außergewöhnliche heldenhafte Operation“ und als „natürliche und legitime Antwort“, ohne sich zur Urheberschaft zu bekennen. Auch der Islamische Dschihad und die Volksfront zur Befreiung Palästinas begrüßten die Tat.
Umfrage
Lädt
Offen ist, wie lange die Abriegelung gilt und ob sie den Wahltag am 27. Oktober überdauert. Netanjahu kündigte an, die Armee werde die Verantwortlichen verfolgen, „wo immer sie sind und zu jeder Zeit“. In Hebron und den umliegenden Dörfern bleibt es vorerst bei Sperren und Kontrollen.