Ukrainische Drohnen verlieren die Satellitenverbindung, sobald sie schneller als rund 160 Kilometer pro Stunde fliegen. Seit der Nacht zum 14. Oktober brechen Angriffsflüge mitten im Flug ab, Missionen gegen russische Stellungen und Logistik im besetzten Gebiet stocken, Abfangjäger gegen Shahed-Drohnen werden ausgebremst.
Betroffen ist Starshield, die höher verschlüsselte Militärversion des zivilen Satelliteninternets Starlink. SpaceX betreibt mehr als 10.000 aktive Satelliten; die Militärversion liefert das Pentagon an die Ukraine. Ein Vertreter des ukrainischen Verteidigungsministeriums sagt, die Empfänger funktionierten nur noch bis zu dieser Geschwindigkeit im Bewegungsbetrieb.
Musks Anordnung, Trumps Dementi
Am 20. Oktober legte das „Wall Street Journal“ einen Bericht über Musks Drosselungs-Anordnung vor: Unter Berufung auf US-Beamte und Eingeweihte hieß es, Musk selbst habe die Drosselung angeordnet und die Entscheidung zuvor mit ranghohen Regierungsvertretern einschließlich Trump erörtert. Nach der Drosselung hätten beide direkt telefoniert. CBS News berichtete parallel von mehreren Gesprächen Musks mit Regierungsvertretern, um zu klären, wo Trump in der Frage steht.
Trump wies jede Beteiligung zurück. Am 16. Oktober sagte er, er glaube nicht, dass es irgendjemand gewesen sei: „it wasn't me, and I don't think it was Elon.“ Fünf Tage später, vor dem Abflug zu einer Wahlkampfveranstaltung in South Carolina, antwortete er auf die Frage, ob Musk hinter der Drosselung stecke:
„Ich weiß nicht, wer es war, aber ich war nicht beteiligt.“
Erst das Weiße Haus, dann niemand
Zuvor hatten Reuters und Defense News unter Berufung auf US-Regierungsvertreter und einen westlichen Insider berichtet, die Anweisung sei aus dem Weißen Haus gekommen; das Weiße Haus wies das zurück. Der „Telegraph“ schrieb, Musk habe Trump die Idee unterbreitet, Trump habe zugestimmt. Musk selbst erklärte am 14. Oktober auf X, Starshield-Systeme seien Eigentum der US-Regierung; über Limits entscheide das US-Militär und letztlich der Präsident.
Wie sich die Versionen innerhalb von zwei Wochen widersprachen
- 9. Oktober 2026Unmut in Miami
Trumps Gesandte Jared Kushner und Steve Witkoff übermitteln ukrainischen Vertretern den Unmut Washingtons über Angriffe auf russische Raffinerien.
- 13./14. Oktober 2026Verbindung bricht ab
Ukrainische Einheiten melden, dass Starshield-Geräte ab rund 160 km/h den Kontakt verlieren.
- 16. Oktober 2026Herkunft aus dem Weißen Haus
Reuters und Defense News berichten von einer Anweisung aus dem Weißen Haus; das Weiße Haus bestreitet. Trump sagt: „it wasn't me“.
- 20. Oktober 2026Der WSJ-Bericht
Das „Wall Street Journal“ meldet, Musk habe die Drosselung selbst angeordnet. Hegseth sagt, man habe „nichts zurückgenommen“.
- 21. Oktober 2026Rubios Kehrtwende
Trump bestreitet jede Beteiligung. Rubio erklärt in Mumbai, es gelte ein privater kommerzieller Vertrag.
- 22. Oktober 2026Wiederherstellung – angeblich
Trump sagt, Musk habe den Dienst wieder freigegeben. Ein europäischer Spitzenbeamter sagt, die 160-km/h-Grenze bestehe fort.
Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte am 20. Oktober, man habe „nichts zurückgenommen“, verwies aber auf Nutzungsbedingungen, deren Einhaltung Starlink selbst durchsetzen könne – welche Bedingungen gemeint sind, sagte er nicht. Außenminister Marco Rubio nannte Selenskyjs Vorwürfe am 17. Oktober „categorically false“ und erklärte am 21. Oktober in Mumbai, es gelte ein „privater kommerzieller Vertrag“: Der Präsident führe SpaceX nicht und könne es zu nichts anweisen.
Kiew wartet auf eine Erklärung
In Kiew blieb die Antwort aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am 19. Oktober, die Ukraine stehe weiterhin unter Geschwindigkeitsbeschränkungen bei Starlink- und Starshield-Diensten in verschiedenen Teilen der Front; die amerikanische Seite habe dafür nur „verschiedene seltsame Geschichten“. Am 21. Oktober sagte er im US-Fernsehen, Rubio habe ihm zugesagt, die Drosselung freizuschalten.
„Ist die Geschwindigkeit vollständig wiederhergestellt wie zuvor? Nein. Wird die Geschwindigkeit jetzt wiederhergestellt? Ja.“
Ein hochrangiger europäischer Beamter sagte am selben Tag, an der Grenze von rund 160 km/h habe sich nichts geändert. Quellen im ukrainischen Verteidigungsministerium berichten von weiter abbrechenden Verbindungen bei Drohnen über 160 km/h und „derzeit keiner Bestätigung, dass die Beschränkungen aufgehoben sind“. Trump erklärte am 22. Oktober, Musk habe den Dienst wieder freigegeben; ob er selbst bei Musk angerufen habe, sagte er nicht.
Senatoren und Brüssel schalten sich ein
Im Kongress wächst der Druck: Eine überparteiliche Gruppe um die Demokratin Jeanne Shaheen und den Republikaner Thom Tillis verlangte in einem Brief vom Generalinspekteur des Verteidigungsministeriums eine dringende Untersuchung der Vorfälle zwischen dem 12. und 14. Oktober, und Senator Richard Blumenthal kündigte eine eigene Untersuchung an. Die EU-Kommission nannte die Berichte „äußerst besorgniserregend“ und forderte die vollständige Wiederherstellung der Dienste für die Ukraine; Europa baut mit IRIS2 ein eigenes Netz mit mehr als 300 Satelliten auf.
Der Verdacht fällt auf die Raffinerien
Der Streit fällt in eine Phase massiver Spannungen zwischen Washington und Kiew. Trump drängt die Ukraine, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, weil er sie für gestiegene Treibstoffpreise vor den Midterm-Wahlen verantwortlich macht. Der frühere Admiral Mark Montgomery sagte im US-Rundfunk, die Drosselung sei „ein Signal“, mit den Raffinerieangriffen aufzuhören. Ob der Generalinspekteur klärt, wer die Anweisung gab, ist offen.
