Putin bietet neue Dreiergespräche mit den USA und der Ukraine an
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Ukraine-Krieg

Putin bietet neue Dreiergespräche mit den USA und der Ukraine an

Einen Tag nach dem Treffen mit Steve Witkoff bietet Putin neue Dreiergespräche an – schließt eine Waffenruhe aber aus und nennt den Donbass „Gebiet des historischen Russlands“. In derselben Nacht schlugen 21 Raketen in Kiew ein.

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Russland ist bereit, die dreiseitigen Gespräche mit den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen – eine Waffenruhe schließt Wladimir Putin aber weiter aus. Der Kremlchef verlangt Sicherheitsgarantien erst in einem endgültigen Friedensabkommen, nicht nach einem kurzen Stopp der Kämpfe.

Gesagt hat er das in einem Interview mit dem kremlnahen Korrespondenten Pawel Sarubin, das der Kreml am 22. Oktober um 21:25 Uhr Moskauer Zeit veröffentlichte. Anlass war zunächst eine Gala zum 150-jährigen Bestehen des Russischen Theaterverbands im Bolschoi-Theater. Es war Putins erste ausführliche Einordnung des Treffens mit US-Sondergesandter Steve Witkoff vom Vortag.

Zwei Botschaften an einem Abend

Putin sagte, man habe vereinbart, „unsere dreiseitigen Kontakte wieder aufzunehmen“. Gemeint ist das Format USA – Russland – Ukraine, das im Februar 2026 in Genf und zuvor zweimal in Abu Dhabi getagt hatte. Wie aus dem Protokoll des Kreml zum Interview hervorgeht, soll das neue Treffen klären, wie die Sicherheit beider Länder nach einem Friedensabkommen gewährleistet wird – ein endgültiges Abkommen, keine kurze Unterbrechung der Kampfhandlungen.

„Das Ziel dieser Gespräche wird sein, die Frage der Gewährleistung der Sicherheit sowohl der Ukraine als auch Russlands zu behandeln.“
Wladimir Putin, Präsident Russlands

Für Kiew ist genau das der Knackpunkt. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte einen Tag zuvor im US-Sender Fox News gesagt, die Frontlinien müssten jetzt eingefroren werden – das sei „das absolute Minimum“, was die Ukraine heute von Russland fordern könne. Moskau lehnt ein Einfrieren seit Monaten ab, weil Kiew damit nur Zeit zum Aufrüsten gewinne.

„Gebiet des historischen Russlands“

Der heikelste Satz des Abends betraf die Ostukraine. Sarubin fragte Putin, wie er Selenskyjs Aussage bewerte, er sei „bereit“, Gebietsverluste anzuerkennen. Putin entgegnete, es sei „nicht ihr Territorium, sondern das historische Territorium Russlands“ – die Menschen dort hätten erst für die Unabhängigkeit und dann für die Wiedervereinigung mit der Russischen Föderation gestimmt.

„Meine Haltung zu dieser Angelegenheit ist erst mal, dass das nicht ihr Gebiet ist, sondern Gebiet des historischen Russlands.“
Wladimir Putin, Präsident Russlands

Konkret geht es um den Donbass. Russland kontrolliert große Teile der Regionen Donezk und Luhansk, verlangt aber die vollständige Abtretung Donezks – einschließlich der Städte Kramatorsk und Slowjansk, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen. Am 22. Oktober ordneten die ukrainischen Behörden die verpflichtende Evakuierung von Familien mit Kindern aus beiden Städten an.

In den ukrainisch kontrollierten Teilen des Donbass leben nach Kiewer Angaben noch mehr als 70.000 Menschen, darunter rund 3.000 Kinder. Von „Gebietsverlusten“ zu sprechen, hält Putin für unangemessen; die Sichtweise, dass es ukrainisches Staatsgebiet ist, weist der Kremlchef zurück.

Drei Stunden im Konstantinpalast

Vorausgegangen war eine diplomatische Kette. Am 20. Oktober beriet Witkoff in Oslo mit Selenskyj sowie Vertretern Nordeuropas, der EU und der Nato, Gastgeber waren Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre und der finnische Präsident Alexander Stubb. Am 21. Oktober saß er rund drei Stunden mit Putin im Konstantinpalast in St. Petersburg zusammen – die neunte persönliche Begegnung der beiden.

Mit am Tisch saßen Kremlberater Juri Uschakow und Kirill Dmitrijew, Putins Beauftragter für internationale Wirtschaftszusammenarbeit; Trumps Schwiegersohn Jared Kushner war per Videoschalte zugeschaltet. Zum Auftakt ließ Putin den seit 2022 in Russland inhaftierten US-Bürger Stephen Hubbard frei – nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump ohne Gegenleistung.

Uschakow sagte anschließend, Moskau sei „im Prinzip“ bereit, die Dreiergespräche „um den 10. November“ wieder aufzunehmen, ein möglicher Ort sei Abu Dhabi. Die Vorschläge aus Kiew und Europa enthielten „nicht viel Substanz“ und stellten Moskau „nicht völlig zufrieden“ – so steht es in dem Bericht des Handelsblatts über die Ankündigung.

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am 22. Oktober, Putin habe Witkoff überhaupt kein Friedensangebot vorgelegt. Auf die Frage, wie weit man einem Kriegsende näherkomme, hatte Uschakow am Vortag geantwortet: „Ich weiß nicht, wie weit wir dem näherkommen, aber es läuft darauf zu.“

21 Raketen und ein Lob für den „Humanisten“

In der Nacht zum 22. Oktober, wenige Stunden nach dem Treffen, griff Russland Kiew mit 21 ballistischen Raketen an, nach ukrainischen Angaben auch mit Streumunition. Mindestens zwei Menschen starben, 34 wurden verletzt. Getroffen wurden Wohn-, Energie- und Bahninfrastruktur.

„Seit dem Abend haben die russischen „Humanisten“ drei Wellen ballistischer Angriffe auf Kiew abgefeuert.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Der Sarkasmus trifft einen Auftritt, der in Kiew Irritationen auslöste: Witkoff hatte Putin in St. Petersburg einen „Humanisten“ genannt und laut einem Video, das die Süddeutsche Zeitung zitiert, gesagt: „Ich erkenne das an, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen, und ich danke Ihnen aufs Neue.“ In Kiew wurde das als Zeichen gewertet, wie weit Washington Moskau inzwischen entgegenkommt.

Selenskyj signalisierte zugleich Gesprächsbereitschaft: Die Ukraine unterstütze ein Dreiertreffen auf Ebene der Unterhändler und wünsche es „so bald wie möglich“, idealerweise bis Anfang November.

Wie ernst ist das Angebot?

Der Sicherheitsexperte Nico Lange warnt davor, aus Putins Worten Kompromissbereitschaft abzuleiten: „Der Kreml sagt seit dem ersten Tag, wir sind zu Verhandlungen bereit, und die Verhandlungen müssen darin bestehen, dass die Ukraine alle unsere Forderungen erfüllt.“

Der Osteuropa-Experte Andreas Umland spricht von einem „Verhandlungstheater“, das es „schon viele Jahre“ gebe. Das Institute for the Study of War sieht Moskau vor allem an wirtschaftlichen Zugeständnissen Washingtons interessiert, um den Krieg weiterzufinanzieren – und verzeichnet für Russland seit dem 1. September 2026 einen Netto-Territorialverlust von rund 241 Quadratkilometern.

In der deutschen Öffentlichkeit findet Putins Angebot wenig Glauben. Laut dem am 23. Oktober veröffentlichten ZDF-Politbarometer sehen nur 16 Prozent der Befragten bei Putin ein ernsthaftes Interesse an einer Waffenruhe, 79 Prozent bezweifeln es. Unter AfD-Anhängern sind es 49 Prozent, die ihm diesen Willen zusprechen.

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Der nächste mögliche Termin ist der 10. November: Dann sollen die Dreiergespräche nach Moskauer Darstellung wieder beginnen, als Ort ist Abu Dhabi im Gespräch. Eine russische Delegation ist bislang nicht benannt – Peskow sagte, Putin habe sich damit noch nicht befasst. Ob in dem Format auch über eine Waffenruhe gesprochen wird, ließ der Kreml offen.