Russland verlor laut Pavel im September rund 50.000 Soldaten
Bild: KI-generiert
Ronzheimer-Interview

Russland verlor laut Pavel im September rund 50.000 Soldaten

Tschechiens Präsident Petr Pavel beziffert die russischen Verluste allein im September auf rund 50.000 Soldaten und beschreibt Putin als isoliert, schlecht informiert und von Todesangst getrieben. Europa müsse endlich eigene Verhandlungsführer mit Mandat benennen.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Rund 50.000 getötete und verwundete Soldaten hat Russland nach Schätzung des tschechischen Präsidenten Petr Pavel allein im September 2026 verloren – mehr, als Moskau durch neue Rekruten ausgleichen kann. Pavel sagt das in einem Gespräch, das den Krieg aus Sicht der Gegenseite beschreibt: eines Kremlchefs, der sein eigenes Umfeld fürchtet.

Aufgezeichnet wurde das Interview in Prag, geführt von dem 41-jährigen BILD-Vizechefredakteur Paul Ronzheimer; veröffentlicht ist das Transkript der Podcast-Episode am 22. Oktober. Pavel war vor seiner politischen Karriere Generalstabschef der tschechischen Armee und von 2015 bis 2018 Vorsitzender des Nato-Militärausschusses.

Ein Mann, der um sein Leben fürchtet

Pavel beschreibt Putin als „ziemlich isoliert“. Der Kremlchef vertraue nur wenigen Menschen; sein enges Umfeld filtere, welche Informationen überhaupt bei ihm ankommen. Nach Pavels Worten hat Putin „geradezu obsessive Angst davor, getötet zu werden“, wie der Tagesspiegel über Pavels Einschätzung berichtet.

„Er vertraut nicht vielen Menschen. Außerdem hat er geradezu obsessive Angst davor, getötet zu werden. Und wenn er nur von einer begrenzten Zahl von Menschen umgeben ist, können diese ziemlich erfolgreich die Informationen filtern, die sie ihn hören lassen.“
Petr Pavel, Staatspräsident Tschechiens

Für den früheren Nato-Spitzenmilitär folgt daraus ein politisches Problem: Wer falsch informiert ist, verhandelt auf falscher Grundlage. Pavel hält den russischen Präsidenten für „in mehrfacher Hinsicht falsch informiert“ und glaubt, er sei weiterhin überzeugt, dass die Operation erfolgreich verlaufe – „wahrscheinlich sogar aufgrund der Berichte seiner Militärführung“.

50.000 Verluste in einem Monat

Die Zahl, die Pavel für September 2026 nennt, liegt bei rund 50.000 getöteten und verwundeten russischen Soldaten. Dieses Tempo übersteige bei Weitem die Geschwindigkeit, mit der Russland die Verluste durch Rekrutierung ausgleiche. Der Verschleiß wächst damit schneller als der Nachschub an neuen Soldaten.

Zugleich weist Pavel die russische Darstellung zurück, die Nato bereite einen Angriff auf russisches Territorium vor. Als ranghöchster Militär des Bündnisses habe er nie einen solchen Plan gesehen: „Alle Nato-Pläne sind defensiv“, sagte er mit Verweis auf seine frühere höchste Sicherheitsfreigabe.

Europa soll mit Mandat verhandeln

Aus Pavels Sicht fehlt Europa eine Vollmacht für Gespräche mit Moskau. Die Europäer müssten eigene Verhandlungsführer benennen, ausgestattet mit einem klaren Mandat, statt die Frage anderen zu überlassen. Sein Adressat ist damit nicht der Kreml, sondern Brüssel und die Hauptstädte.

Als Köder für einen Waffenstillstand schlägt Pavel vor, Russland die Rückkehr zu Handel und Zusammenarbeit in Aussicht zu stellen. Er nennt das ausdrücklich ein „Bonbon“: die „Wiederaufnahme von Wirtschaftsbeziehungen, Zusammenarbeit und Handel, was für Russland ziemlich verlockend ist“.

Umfrage
Lädt

Warum Moskau Europa nicht ernst nimmt

Pavels Begründung für seinen Vorstoß ist wenig schmeichelhaft für die EU. Moskau nehme Europa nicht ernst, sagte er: „Weil sie sehen, wie gespalten wir sind, wie schwach wir sind.“ Die Forderung nach einem Verhandlungsmandat richtet sich deshalb zuerst an die Europäer selbst – nicht an Wladimir Putin.

Offen ist, wann die EU ein solches Mandat beschließt – und ob Moskau ein Angebot annähme, solange Putin nach Pavels Darstellung glaubt, die Operation laufe erfolgreich. Die im Interview genannten Verluste setzen den Kreml unter Druck, auch wenn Pavel zufolge Informationen dort gefiltert werden.