600 Menschen protestieren in Bielefeld gegen AfD-Stand an Apotheke
Bild: KI-generiert
Streit vor Ladentür

600 Menschen protestieren in Bielefeld gegen AfD-Stand an Apotheke

Rund 600 Menschen demonstrieren gegen einen AfD-Infostand vor der Panda-Apotheke. Die Inhaberin hatte AfD-Anhänger gebeten, ihr Geschäft zu meiden – seitdem ermittelt der Staatsschutz wegen Morddrohungen.

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Rund 600 Menschen sind am Donnerstag unter dem Motto „Der 5. Kanton ist bunt und vielfältig!“ vor der Panda-Apotheke in Bielefeld gegen einen AfD-Infostand auf die Straße gegangen. Auslöser war ein Video der Inhaberin Elisabeth Kutter, in dem sie AfD-Anhänger bittet, ihr Geschäft, ihr Team und ihr Umfeld zu meiden.

Die AfD Bielefeld baute ihren Stand auf dem Bürgersteig gegenüber der Apotheke an der Radrennbahn auf, Auf dem Langen Kampe 93a. Mit dabei waren der 60-jährige Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner, Fraktionsgeschäftsführer seiner Partei, und der Bielefelder Abgeordnete Maximilian Kneller. Um den AfD-Stand herum standen etwa 50 Menschen.

Kutter hatte am 11. Oktober auf den Social-Media-Kanälen ihrer Apotheke gesagt: „Bitte meide meine Apotheke, meide mein Team, meide mein Umfeld.“ Danach kippte die Stimmung: In wenigen Tagen gingen tausende Hasskommentare ein, das Geschäft hieß im Netz nur noch „Hitler-Apotheke“, Kutter schaltete die Polizei ein.

Von einem Video zur Gegendemo

  1. 11. Oktober 2026
    Apothekerin bittet AfD-Anhänger zu gehen

    Elisabeth Kutter veröffentlicht auf den Kanälen der Panda-Apotheke ein Video, in dem sie AfD-Anhänger bittet, Laden, Team und Umfeld zu meiden.

  2. 17. bis 20. Oktober 2026
    Shitstorm und Morddrohungen

    Tausende Hasskommentare und Beleidigungen gehen ein, das Geschäft wird im Netz in „Hitler-Apotheke“ umbenannt. Der Staatsschutz ermittelt.

  3. 19./20. Oktober 2026
    AfD kündigt Infostand an

    Brandner und Kneller kündigen über soziale Netzwerke einen Stand für Donnerstag vor der Apotheke an. Das Bündnis gegen Rechts meldet eine Gegenkundgebung an.

  4. 22. Oktober 2026
    Infostand und Gegendemo

    Rund 600 Menschen demonstrieren gegen die AfD. Es sprechen Britta Haßelmann, Christina Kampmann und Elisabeth Kutter. Kneller und Brandner werden minutenlang ausgepfiffen.

Ein Satz wird zur Schlagzeile

Der Satz, der von der Kundgebung übrig blieb, kam von Britta Haßelmann. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag sagte in ihrer Rede, es sei „ganz alltäglich“, sich dem Gedankengut dieser AfD zu widersetzen – der Rest ihres Satzes wurde zur Schlagzeile, wie dem Bericht über den Protest vor der Panda-Apotheke zu entnehmen ist.

„Es ist ganz alltäglich, sich dem zu widersetzen, was an Gedankengut von dieser AfD kommt. Und wenn ihr sie seht, denkt immer daran, wie erbärmlich sie sind.“
Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag

Christina Kampmann, frühere Familienministerin Nordrhein-Westfalens und SPD-Politikerin, sagte, die Panda-Apotheke sei „zum Symbol des Widerstands gegen die Nazis von der AfD“ geworden. Kutter selbst betonte in ihrer Rede, jeder bekomme bei ihr seine Medikamente und den gleichen Service – „Aber mögen tue ich euch trotzdem nicht. Ihr seid halt einfach nicht willkommen.“

Die AfD kontert

Maximilian Kneller wies den Vorwurf zurück, der Infostand solle die Apothekerin einschüchtern. Er bot Kutter ein Gespräch bei einem Kaffee an und verteidigte den Anspruch seiner Partei auf das Viertel.

„Es ist wohlfeil, sich in einem Viertel, wo wir 40 Prozent haben, hinzustellen und zu sagen: Die Leute will ich eigentlich nicht bedienen. Das ist eine Frechheit und das geht so einfach nicht.“
Maximilian Kneller, AfD-Bundestagsabgeordneter Bielefeld

Stephan Brandner sprach von „einer sehr randständigen Gruppe, die hier heute herangekarrt wurde“; SPD, Linke und Grüne hätten „alles aufgeboten“. Minutenlang wurden die beiden Abgeordneten ausgepfiffen. Auf die Frage, was in den vergangenen zehn, zwölf Jahren in Deutschland besser geworden sei, antwortete Brandner mit den Wahlergebnissen der AfD.

Polizei zieht positives Fazit

Die Polizei bilanzierte den Einsatz positiv. Die Kundgebung blieb bis auf Beleidigungen friedlich, die geplante räumliche Trennung der beiden Lager war auf der Kreuzung nach Angaben der Beamten nicht umsetzbar.

Wie viele Menschen tatsächlich kamen, dazu gehen die Angaben auseinander. Die Zählung des WDR von rund 600 Teilnehmern steht neben rund 500 im Westfalen-Blatt und 2.000, von denen die Neue Westfälische berichtete.

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An ihrem Kurs will Kutter festhalten. „Es muss in diesem Land möglich sein, dass ich mich hinstelle und sage, ich mag die homophoben Ansichten der AfD-Wähler nicht“, sagte sie. Zugleich berichtet sie von fast verdoppeltem Umsatz. Offen ist, ob die AfD ihren Stand wiederholt und zu welchem Ergebnis die Ermittlungen des Staatsschutzes zu den Morddrohungen führen.