Geleakte Mails stellen Alice Weidels Aussage zur Spende infrage
Geleakte Mails aus einem Hackerangriff legen nahe, dass Alice Weidel schon im Juli 2017 von den Schweizer Wahlkampfspenden wusste. Ihre Partei zahlte 2023 deshalb 396.000 Euro Strafe – doch Weidel hält an ihrer Darstellung fest.
Alice Weidel soll schon im Juli 2017 von den Schweizer Wahlkampfspenden gewusst haben – rund zwei Monate früher, als sie 2018 öffentlich einräumte. Geleakte Mails aus einem Hackerangriff auf die AfD stellen ihre Darstellung jetzt infrage; ihr Sprecher hält dennoch an ihr fest.
Auslöser ist die Veröffentlichung vom 23. Oktober 2026. Zuvor hatten Unbekannte rund 421.000 AfD-Mails und 49.000 Dokumente bei einem Hosting-Dienstleister der Partei kopiert; die Auswertung der geleakten AfD-Mails von NDR und WDR sowie von Spiegel, ZDF frontal und Der Standard zeigt nun Weidels Rolle.
Weidel hatte 2018 erklärt, sie sei „in das Tagesgeschäft der Wahlkampffinanzierung nicht eingebunden“ gewesen. Ihr Sprecher nannte damals den 17. September 2017 – den Tag, an dem sie am Rande einer Wahlkampfveranstaltung erstmals von der „ungebetenen Spende“ erfahren haben soll.
Ein Unterkonto nur für ihre persönlichen Spenden
Doch die Mails zeichnen einen anderen Ablauf, wie der Spiegel die Mails aus dem AfD-Leak auswertet. Am 10. Juli 2017 schrieb Weidel der Schatzmeisterin ihres Kreisverbands Bodensee, das Konto solle zweimal wöchentlich auf Eingänge geprüft werden.
„Es wurden mir Spenden avisiert, mit denen ich meinen Social Media Wahlkampf bestreiten muss.“
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende
Am 11. Juli 2017 ließ sie ein „KV-Unterkonto nur für meine persönlichen Spenden“ einrichten, das laut den Mails noch am selben Tag eröffnet wurde. Ende Juli erhielt sie per Umlaufbeschluss die „freie Auftragsverfügung“ über die zweckgebundenen Bundestagswahlkampfspenden – zu diesem Zeitpunkt waren rund 32.000 Euro eingegangen.
132.000 Euro in 18 Tranchen
Die erste Tranche kam am 14. Juli 2017 über eine Zürcher Pharmafirma: 8.021,59 Euro, Verwendungszweck „Wahlkampfspende Alice Weidel Social Media“. Bis September 2017 flossen insgesamt 132.000 Euro in 18 Tranchen aus der Schweiz; am 23. August 2017 wurde das Geld schrittweise auf Weidels Wahlkampf-Unterkonto umgebucht.
Im August 2017 meldete die Kreisschatzmeisterin an den Landesschatzmeister der AfD Baden-Württemberg: „Ein Gönner aus der Schweiz unterstützt Alice wöchentlich mit mehreren tausend CHF.“ Im November 2018 verabredete der Landesvorstand laut den Mails, keine Pressemitteilung herauszugeben und auf Nachfragen „im Angriffsmodus“ zu antworten.
396.000 Euro Strafe für die Partei
2018 sagte Weidel öffentlich: „In das Tagesgeschäft der Wahlkampffinanzierung war ich nicht eingebunden.“ In einer Sonderkonferenz des Landesverbands erklärte der Landesschatzmeister dagegen, er wisse, dass Weidel von der Spende gewusst habe. Die AfD überwies das Geld rund neun Monate nach dem ersten Eingang zurück.
2021 stellte die Staatsanwaltschaft Konstanz das Verfahren gegen Weidel und weitere Beschuldigte aus ihrem Kreisverband mangels Beweisen ein. 2023 bestätigte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Illegalität der Spendenannahme; die AfD zahlte 396.000 Euro an die Bundestagsverwaltung.
Was aus dem Leak folgt
Weidels Sprecher erklärte am Veröffentlichungstag, sie revidiere keine ihrer Aussagen. Offen ist, ob die AfD-Vorsitzende nach acht Jahren ihren Satz von 2018 korrigiert – und ob die Bundestagsverwaltung die neu aufgetauchten Mails zum Anlass nimmt, die Spendenaffäre erneut zu prüfen.
Von der Mail an die Kreisschatzmeisterin bis zum Datenleck
10. Juli 2017
Spenden avisiert
Weidel schreibt der Schatzmeisterin ihres Kreisverbands Bodensee, das Konto solle zweimal wöchentlich auf Eingänge geprüft werden.
11. Juli 2017
Unterkonto für persönliche Spenden
Weidel bittet um ein „KV-Unterkonto nur für meine persönlichen Spenden“; laut den Mails wird es noch am selben Tag eröffnet.
14. Juli 2017
Erste Tranche
8.021,59 Euro gehen über eine Zürcher Pharmafirma ein, Verwendungszweck „Wahlkampfspende Alice Weidel Social Media“.
September 2017
132.000 Euro aus der Schweiz
Insgesamt 18 Tranchen bis September; Ende Juli hatte Weidel bereits die freie Auftragsverfügung über rund 32.000 Euro erhalten.
November 2018
Aufdeckung
NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung decken die Affäre auf; Weidel erklärt, nicht eingebunden gewesen zu sein.
2023
396.000 Euro Strafe
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bestätigt die Illegalität der Spendenannahme.
23. Oktober 2026
Auswertung veröffentlicht
Spiegel, ZDF frontal, Der Standard sowie NDR und WDR veröffentlichen die Auswertung der geleakten Mails.