Pantisano führt Antisemitismus-Streit auf Vergesellschaftung zurück
Der Linken-Chef führt den Antisemitismus-Streit um seine Partei auf die Vergesellschaftungsdebatte zurück und will Energie, Wasser und Wohnungen in Gemeineigentum überführen. In Berlin soll das rund 160.000 Konzernwohnungen treffen.
Luigi Pantisano dreht den Angriff um. Der Diskurs über Antisemitismus in seiner Partei, sagt der Co-Vorsitzende der Linken, werde „nicht wegen der Sorge vor Antisemitismus in der Linken“ geführt, sondern aus Sorge, „dass wir es ernst meinen mit der Vergesellschaftung“.
Die Forderung dahinter ist weitreichend: Die Linke wolle, dass „alle Dinge des Gemeinwohls – Energie, Mobilität, Wohnen, Wasser, alle Grundbedürfnisse, die die Menschen in diesem Land haben – vergesellschaftet sind“, sagte er im Gespräch über die Vergesellschaftung der Grundbedürfnisse.
Zu hören ist das im „Interview der Woche“ des Deutschlandfunks, ausgestrahlt am 25. Oktober um 11.05 Uhr, Gesprächspartner ist Vladimir Balzer. Die Kernaussagen waren schon am 23. Oktober öffentlich – und sie treffen zwei Konflikte, die die Linke gleichzeitig austrägt.
Antisemitismus in den eigenen Reihen
Auf Antisemitismus in den eigenen Reihen angesprochen, räumt Pantisano das Problem ein: „Natürlich haben wir auch Antisemitismus in der Linken. Den gibt es aber in jeder anderen Partei, und in jeder gesellschaftlichen Gruppe ist Antisemitismus ein Übel, mit dem man umgehen muss.“
„Bei uns hat niemand Platz, der die Auslöschung jüdischen Lebens im Sinn hat“, sagte er in dem Deutschlandfunk-Interview zum Schutz jüdischen Lebens. Wer antisemitisch auffalle, müsse verfolgt werden – notfalls mit einem Verfahren nach der Satzung seiner Partei.
„Wenn nötig, muss unsere Satzung angewendet werden.“
Luigi Pantisano, Co-Vorsitzender der Linken
160.000 Wohnungen in Berlin
In Berlin macht die Linke die Vergesellschaftung an einer Schwelle fest. Wohnungen von Konzernen mit mehr als 10.000 Einheiten sollen in Gemeineigentum übergehen – rund 160.000 Wohnungen in der Hauptstadt. Privat erarbeitete, selbst genutzte Häuser und Wohnungen will Pantisano unangetastet lassen.
Zum wohnungspolitischen Paket gehören drei weitere Punkte: ein Mietendeckel für landeseigene Wohnungen, der Bau von 100.000 Sozialwohnungen und eine „Mietenpolizei“, die gegen Mietwucher vorgeht.
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Begründet wird der Eingriff mit den Konzernen selbst: Vonovia schütte Milliarden aus, während Mieter in verschimmelten Wohnungen lebten. Gewinnerzielung mit Mieten will Pantisano ausschließen.
Israelkritik und der Genozid-Vorwurf
Der Vorwurf, israelkritische Äußerungen aus seiner Partei seien antisemitisch, wird von Pantisano bestritten. Die israelische Regierung habe auf den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 „mit einem weiteren Kriegsverbrechen reagiert“, sagt er – und erhebt seinerseits einen schweren Vorwurf gegen den Bund.
„Die Bundesregierung liefert Waffen für einen Genozid, wie wir das nennen, was in Gaza passiert.“
Luigi Pantisano, Co-Vorsitzender der Linken
Beigelegt ist der Streit damit nicht, nur verschoben: Pantisano bestreitet den Antisemitismus-Vorwurf gegen die Linke nicht vollständig, sondern verweist auf andere Parteien und gesellschaftliche Gruppen – und nennt als eigentlichen Motor der Debatte sein Programm.
Sondierung nach 25,7 Prozent
Der Zeitpunkt ist politisch heikel. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft; die regierende CDU/SPD-Koalition verlor ihre Mehrheit.
Von der Wahl zum Interview
20. September 2026
Linke wird stärkste Kraft
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus kommt die Linke auf 25,7 Prozent; die CDU/SPD-Koalition verliert ihre Mehrheit.
Oktober 2026
Sondierung einigt sich auf Vergesellschaftung
Linke, Grüne und SPD verständigen sich im Sondierungspapier auf die Vergesellschaftung privater Wohnungskonzerne ab 10.000 Wohnungen gegen Entschädigung.
23. Oktober 2026
Kernaussagen werden öffentlich
Pantisano nennt den Antisemitismus-Diskurs eine Folge der Vergesellschaftungsdebatte und fordert vergesellschaftete Grundbedürfnisse.
25. Oktober 2026
Ausstrahlung im Deutschlandfunk
Das „Interview der Woche“ mit Luigi Pantisano läuft um 11.05 Uhr, Gesprächspartner ist Vladimir Balzer.
Linke, Grüne und SPD sondieren über eine rot-grün-rote Koalition. Im Sondierungspapier haben sie sich bereits auf die Vergesellschaftung privater Wohnungskonzerne ab 10.000 Wohnungen gegen Entschädigung verständigt.
Offen ist, wie die Entschädigung für die rund 160.000 Wohnungen finanziert wird – und wie Grüne und SPD auf seinen Satz reagieren, der Antisemitismus-Streit werde aus Sorge um die Vergesellschaftung geführt. Am 25. Oktober, 11.05 Uhr, läuft das Gespräch in voller Länge.