Constantin Schreiber moderiert künftig Islam-Talkshow in Ägypten
Bild: KI-generiert
Arabisches Fernsehen

Constantin Schreiber moderiert künftig Islam-Talkshow in Ägypten

Ein deutscher Ex-„Tagesschau“-Sprecher geht zu einem religiösen Sender nach Kairo: Constantin Schreiber will mit Al-Azhar-Gelehrten darüber streiten, was islamisch ist – und greift damit Organisationen an, die in westlichen Gemeinden an Einfluss gewinnen.

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Constantin Schreiber (47) moderiert künftig auf Arabisch – bei einem religiösen Satellitensender aus Kairo. Ab Mitte Januar 2027 läuft bei Azhari TV alle 14 Tage seine Sendung „Islam Talk“, jeweils 25 Minuten lang. Für den früheren „Tagesschau“-Sprecher ist es die zweite arabischsprachige Sendung seiner Laufbahn.

Die ersten Ausgaben sind bereits im Kasten: Mehrere Berichte nennen acht fertige Folgen. Die Auftaktfolge widmet sich dem Thema „Islam und Frauen“ – mit der Al-Azhar-Koranwissenschaftlerin Dr. Heba Auf als Gast.

Öffentlich wurde das Engagement zuerst durch die erste Meldung zur Talkshow in Ägypten am 22. Oktober 2026. Einen Tag später bestätigte Schreiber die Sendung selbst, anschließend berichteten FAZ, Focus und mehrere Fernsehmagazine.

Streit um die Deutungshoheit

Schreiber begründet den Schritt mit dem wachsenden Einfluss „autoritärer“ muslimischer Organisationen auf muslimische Gemeinschaften im Westen. Er will nach eigener Darstellung mit den höchsten religiösen Autoritäten der Al-Azhar darüber diskutieren, was tatsächlich islamisch ist – und zwar vor allem mit Blick auf westliche Muslime.

„Die Azhar ist die bedeutendste und einflussreichste religiöse Institution der muslimischen Welt. Ich möchte gemeinsam mit den höchsten muslimischen Autoritäten diskutieren, was wirklich islamisch ist und dies vor allem auch für westliche muslimische communities bei uns. Denn hier gewinnen zunehmend autoritäre Organisationen an Einfluss und Deutungshoheit.“
Constantin Schreiber, Journalist und Moderator

Der Satz ist eine Kampfansage: Schreiber nennt die Al-Azhar die bedeutendste religiöse Institution der muslimischen Welt – und will von dort aus gegen Organisationen argumentieren, die er als autoritär einstuft. Welche Zuschauer er damit tatsächlich erreicht, ist offen.

Ein Angebot ein Jahr nach dem Buch

Der Kontakt kam nicht in diesem Herbst zustande. Die Verantwortlichen des Senders hätten ihn bereits vor einiger Zeit angesprochen, sagt Schreiber – etwa ein Jahr nach Erscheinen seines Buches „Inside Islam“ und noch während seiner Zeit bei der ARD.

„Die Verantwortlichen bei Azhari TV haben mich bereits vor einiger Zeit kontaktiert – etwa ein Jahr nach Erscheinen meines Buches „Inside Islam“ und noch während meiner Tätigkeit für die ARD – und Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet.“
Constantin Schreiber, Journalist und Moderator

Damit fällt das Engagement in eine Phase, in der Schreiber öffentlich einen anderen Kurs angekündigt hatte. 2023 sagte er der „Zeit“, er werde keine weiteren Bücher über den Islam schreiben und keine entsprechenden Talkshow-Einladungen mehr annehmen. Im September 2025, mit dem Wechsel als „Global Reporter“ zu Axel Springer, nahm er das öffentlich zurück.

Vom Wissenschaftsformat zur Tagesschau

Ganz neu ist das arabische Fernsehen für ihn nicht: Von 2011 bis 2016 moderierte Schreiber beim ägyptischen Privatsender ONTV die Wissenschaftssendung „SciTech“, auf Arabisch. 2021 kam er ins Sprecherteam der „Tagesschau“ um 20 Uhr, 2025 verließ er die Sendung wieder.

Im September 2025 begann er als „Global Reporter“ bei Axel Springer. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass die Zusammenarbeit mit Ablauf des Jahres 2026 endet – Schreiber verlässt den Verlag zum Jahresende.

Öffentliche Aufmerksamkeit begleitet ihn seit Jahren: Bei einer Lesung an der Universität Jena wurde er 2023 von einem Mann mit einer Torte beworfen, die Universität erstattete Anzeige.

Von „SciTech“ zu „Islam Talk“

  1. 2011
    Erste Moderation auf Arabisch

    Beim ägyptischen Privatsender ONTV führt Schreiber bis 2016 durch die Wissenschaftssendung „SciTech“.

  2. 2021
    Sprecher der „Tagesschau“

    Schreiber wird Teil des Sprecherteams der „Tagesschau“-Ausgabe um 20 Uhr.

  3. September 2023
    Abschied vom Islam als Buchthema

    Im Interview mit der „Zeit“ kündigt er an, keine weiteren Bücher über den Islam zu schreiben und keine entsprechenden Talkshow-Einladungen mehr anzunehmen.

  4. September 2025
    Wechsel zu Axel Springer

    Als „Global Reporter“ beginnt er beim Verlag – und nimmt seine Ankündigung zum Islam-Thema öffentlich zurück.

  5. Juli 2026
    Ende der Zusammenarbeit mit Springer

    Bekannt wird, dass Schreiber und der Verlag ihre Zusammenarbeit mit Ablauf des Jahres 2026 beenden.

  6. 23. Oktober 2026
    Schreiber bestätigt „Islam Talk“

    Nach dem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt Schreiber die Sendung selbst, zahlreiche Medien berichten.

  7. Mitte Januar 2027
    Geplanter Sendestart

    „Islam Talk“ soll zweimal im Monat laufen, je 25 Minuten, auf Arabisch.

Empfang in Deutschland unklar

Azhari TV ist ein arabischsprachiger religiöser Satellitensender mit Bezug zur Kairoer Al-Azhar. Er ist über Nilesat auf 7 Grad West gelistet, wie der Sender technisch zu empfangen ist, zeigt ein Überblick zur Empfangslage.

Ein Empfang in Deutschland ist damit nicht gesichert, ein Livestream nicht bestätigt. Ob Schreiber das Publikum erreicht, über das er streiten will, ist damit offen – der Sender hat sich dazu bislang nicht geäußert.

Was 2027 folgen soll

Schreiber selbst fasst sein Programm in einem Satz zusammen: Viele hätten ihn gefragt, was er neben Shows, Büchern und eigenen Plattformen im nächsten Jahr mache, schrieb er – und lieferte die Antwort gleich mit: „Ich kehre zurück ins arabische Fernsehen.“ Zusätzlich seien eigene Medienformate, Bücher und eine Bühnentournee unter dem Titel „Sagen, was ist“ geplant.

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Mitte Januar 2027 soll die erste Ausgabe laufen, danach im Zweiwochentakt. Bis dahin ist nicht geklärt, ob der Sender in Deutschland empfangbar sein wird – und ob Schreiber mit seiner Sendung tatsächlich die Gemeinden erreicht, über die er streiten will.