Sturm Luise wirft Baugerüst auf Markt und verletzt zwei Menschen
Eine Böe wirft in Nastätten ein Baugerüst auf einen Oktobermarkt, zwei Menschen ringen mit schweren Verletzungen. Schon am Sonntag trifft mit Orkan Manja das nächste Tief die Küste – mit Böen bis 150 km/h auf dem Brocken.
Zwei Menschen liegen schwer verletzt im Krankenhaus, einer von ihnen schwebt in Lebensgefahr. Eine Böe hatte am Freitag in Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis ein Baugerüst auf das Gelände des Oktobermarkts geworfen, ein Rettungshubschrauber flog den Schwerstverletzten aus. Der Unfall zählt zu den schweren Folgen des Herbststurms „Luise“.
Das Tief, international als „Austen“ geführt, traf am 23. Oktober 2026 vor allem den Westen und Südwesten. Der DWD erwartete den Höhepunkt am Samstagabend und in der ersten Nachthälfte, mit schweren Sturmböen bis 100 km/h zwischen Rheinland und Emsland, örtlich orkanartig bis 110 km/h. Im Saarland zählte die Polizei bis zum Abend 59 Einsätze, die Duisburger Feuerwehr rund 40; die Schäden und Verletzten nach dem Herbststurm wuchsen mit jeder Stunde.
Bahnchaos von Karlsruhe bis Aachen
Der Sturm legte den Bahnverkehr in mehreren Regionen lahm. Funkenschlag und ein Oberleitungsschaden stoppten die Züge im Karlsruher Hauptbahnhof, bei Pforzheim prallte eine Regionalbahn gegen einen Ast. Ein ICE mit 280 Fahrgästen blieb bei Aachen liegen, bei Neuss und Stuttgart blockierten Bäume die Gleise.
Auf der Straße traf es vor allem hohe Fahrzeuge. Bei Thedinghausen wehte der Sturm zwei Getränkelaster von der Landstraße, in der Nähe des Flughafens Weeze stürzte ein Windrad um. Der Europa-Park Rust schloss seine großen Außenachterbahnen, in Weinheim drückte ein Baum einen Kleinwagen zusammen.
Warum volle Baumkronen zur Gefahr werden
Der zweite Sturm trifft auf eine Landschaft, in der die Aufräumarbeiten nach Luise noch laufen. Meteorologe Jung verweist auf die noch belaubten Baumkronen als mögliche Gefahr bei neuen Böen.
„Viele Bäume tragen noch reichlich Laub und wirken wie riesige Segel.“
Dominik Jung, Meteorologe bei wetter.net
Jung liefert damit die Erklärung für die Schadensbilanz des Freitags – und die Sorge für den Sonntag. Während Luise am Samstag Richtung Ostsee und Dänemark abzog und der DWD nur noch vor Sturmböen bis 85 km/h an der Küste und im Bergland warnte, rückte von Westen das nächste Tief heran. „Von Westen zieht bis Sonntag ein weiteres Sturmtief zum Nordteil der Nordsee“, sagte DWD-Meteorologe Thore Hansen.
Orkanböen bis 150 km/h auf dem Brocken
Am Samstag konkretisierte der DWD seine Warnung vor dem Orkan am Sonntag: An der Kaltfront sind Böen bis 120 km/h zu erwarten, an der Nordsee und in Schleswig-Holstein örtlich Orkanböen bis 130 km/h, auf dem Brocken im Harz bis 150 km/h. Regional fallen bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter, kurze Tornados an der Kaltfront schloss der Dienst nicht aus. Die heikelste Phase liegt am Vormittag.
Erwartete Spitzenböen bei Luise und Manja
Höchste vom DWD genannte Böen je Region
Quelle: DWD, 23./24. Oktober 2026
An der Küste laufen die Vorbereitungen. Wyk auf Föhr schloss den Deichdurchlass am Hafen, Schnellfähren nach Helgoland und Verbindungen zu den Halligen wurden für das Wochenende abgesagt. Für die Nordsee und Hamburg besteht Sturmflutrisiko.
Köln rät vom Waldspaziergang ab
Köln und Aachen raten der Bevölkerung, Wälder und Parks am Sonntag nicht zu betreten; in Erfurt bleiben die Friedhöfe geschlossen. Die Städte reagieren damit auf die Erfahrung des Freitags, als umstürzende Bäume Fahrzeuge und Gleise trafen.
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In der Nacht zum Sonntag wird zudem die Uhr auf Normalzeit zurückgestellt – die Umstellung fällt mitten in die heikelste Phase. Laut Prognose beruhigt sich die Lage am Montag, stürmisch bleibt es nur an den Küsten und auf exponierten Gipfeln. Ob Manja die Werte von Luise übertrifft, entscheidet sich an der Kaltfront am Vormittag.