Eine Million Euro Umsatz in anderthalb Jahren – und unter dem Strich ein Schuldenberg von 1,5 Millionen Euro. Beide Zahlen nennt Micaela Schäfer (42) im selben Gespräch, kurz bevor die Erotikmesse Venus Berlin ihre Tore öffnet. Die Million ist Umsatz, nicht Gewinn.
An diesem Samstag erscheint das Interview der Berliner Zeitung zu ihren Einnahmen, mitten in der Messe. Darin legt Schäfer offen, was über OnlyFans zusammenkommt – und warnt im selben Atemzug vor einer Konkurrenz, die keine Gage verlangt: KI-generierten Erotikmodels.
Eine Million Umsatz, Gewinn weit darunter
Schäfer nennt die Million ausdrücklich als Umsatz – als alles, was über die Plattform hereinkommt, bevor Agentur, Plattformbetreiber und Finanzamt ihren Anteil nehmen.
„Durch OnlyFans habe ich innerhalb von anderthalb Jahren einen Umsatz von einer Million Euro gemacht.“
Auf den Einwand, dass eine Million nach sehr viel klingt, rechnet sie selbst herunter: „Der Gewinn ist zwar weit darunter: Man hat eine Agentur, OnlyFans verdient mit, wir leben in Deutschland und zahlen Steuern.“ Einen konkreten Gewinnbetrag nennt sie in dem Gespräch nicht.
Drei Plattformen laufen in einer GmbH zusammen
Ihre Einkünfte aus dem Erotikgeschäft laufen nicht privat, sondern in einer eigenen GmbH, in der Schäfer Geschäftsführerin ist. Dort bündeln sich die Erlöse aus drei Erotik-Bezahlplattformen – OnlyFans ist nur eine davon.
Den einnahmestärksten Bereich nennt sie das Livestreaming mit direktem Fan-Kontakt. Videos produziert sie selbst, schneidet selbst und legt die Preise selbst fest. Der Markt ist voller geworden: „Gerade heutzutage ist es noch härtere Arbeit geworden, weil alle auf den Zug aufspringen. OnlyFans ist keine Tabuplattform mehr.“
KI-Models bereiten ihr große Sorgen
Was Schäfer umtreibt, ist eine Konkurrenz, die keine Gage, kein Studio und keinen Messestand braucht: KI-generierte Erotikmodels. Erste Avatar-Experimente hat sie nach eigener Aussage wieder eingestellt. Die Entwicklung nennt sie „gefährlich“.
„Was passiert mit dem Geschäftsmodell, wenn KI immer mehr virtuelle Erotikmodels hervorbringt? Das bereitet mir auf jeden Fall große Sorgen.“
Sie distanziert sich von der Entwicklung: Sie halte es „für eine gefährliche Entwicklung, wenn wir komplett verlernen, für unser Geld zu arbeiten“, sagt sie. Der Satz richtet sich weniger gegen die Technik als gegen die Erwartung, dass Geld ohne eigene Arbeit kommt.
1,5 Millionen Euro Kreditschulden
Zu der Million Umsatz gesellt sich eine Zahl, die in keine Erfolgsgeschichte passt – sie selbst sagt sie trotzdem.
„Ich habe noch 1,5 Millionen Euro Kreditschulden, keine einzige dieser Immobilien ist abbezahlt.“
Das Geld steckt in Immobilien, keine davon ist abbezahlt. Daneben investiert sie nach eigener Aussage in ETFs und verdient mit DJ-Auftritten – unter anderem ein halbes Jahr fast täglich im Oberbayern auf Mallorca – sowie mit Werbedeals. Mit 60 will sie schuldenfrei sein.
Vor dem Versprechen der Branche warnt sie jüngere Kolleginnen: „Für junge Frauen kann das gefährlich werden. Denn zu 99 Prozent wird sich die Hoffnung aufs schnelle Geld nicht erfüllen.“ Ihre eigene Million sei die Ausnahme, nicht die Regel.
Venus Berlin erwartet 32.000 Besucher
Ihr Auftritt auf der Messe ist Teil dieses Geschäfts: Schäfer ist erneut Markenbotschafterin der Venus Berlin, die vom 22. bis 25. Oktober 2026 unter dem Funkturm läuft. Laut der Ankündigung der Venus Berlin 2026 kommen mehr als 270 Aussteller aus über 40 Ländern, erwartet werden über 32.000 Besucher.
Ob ihre Rechnung aufgeht, entscheidet sich nicht auf dem Messegelände, sondern auf den Plattformen. Dort konkurriert Schäfer künftig nicht nur mit Kolleginnen, die ebenfalls täglich streamen, sondern auch mit Avataren, die nie eine Gage fordern. Am Sonntag endet die Venus – offen bleibt, ob eine Million Umsatz in diesem Markt noch eine Ausnahme ist oder bald der Normalfall für Maschinen.
