Tesla und SpaceX prüfen Fusion – Musk muss draußen bleiben
Elon Musk bestätigt die Sonderausschüsse beider Konzerne – an den Gesprächen über eine Fusion von SpaceX und Tesla darf er selbst nicht teilnehmen. Zusammen kämen beide auf 3,4 bis 3,5 Billionen Dollar.
Elon Musk muss bei der größten Fusion der Wirtschaftsgeschichte draußen bleiben. Auf Wunsch der Aktionäre haben SpaceX und Tesla je einen Sonderausschuss aus unabhängigen Direktoren gebildet, der einen Zusammenschluss prüfen soll. Musk bestätigte das am 20. Oktober 2026 in der Telefonkonferenz zu den SpaceX-Quartalszahlen – und erklärte sich selbst für befangen.
„Beide Unternehmen haben Sonderausschüsse gebildet, um diese Idee auf Wunsch der Aktionäre zu besprechen. Weil ich eine befangene Partei bin, kann ich an den Beratungen dieser Ausschüsse nicht teilnehmen“, sagte Musk. Er sprach von einem „seltsamen Kabuki-Tanz, bei dem zwei Gruppen reden und ich nicht mitreden kann“. Wer eine Fusion für sicher halte, übertreibe, warnte er.
Größer als Amazon, fast wie Microsoft
Zusammen kommen SpaceX mit rund 1,9 bis 2,0 Billionen Dollar Börsenwert und Tesla mit 1,48 Billionen Dollar auf 3,4 bis 3,5 Billionen Dollar. Es wäre die größte Fusion der Wirtschaftsgeschichte – ein Konzern deutlich größer als Amazon und etwas kleiner als Microsoft.
So groß wäre der fusionierte Konzern
Börsenwert in Billionen US-Dollar
Quelle: Börsenwerte, Oktober 2026
Musk selbst hält den Schritt für sinnvoll: „Ich denke, es hat eine Menge für sich, die Unternehmen zu kombinieren, wo wir uns doch praktisch in der Singularität der Superintelligenz befinden.“ Was ein solcher Konzern für Aktionäre, Beschäftigte und Wettbewerber bedeutet, haben die möglichen Folgen einer Fusion von Tesla und SpaceX zusammengetragen.
Aktientausch oder neue Holding
Offen ist die Struktur. Reuters beschrieb am 22. Oktober zwei Wege: Entweder übernimmt SpaceX Tesla in einem reinen Aktientausch, oder beide Konzerne gehen unter einer neu gegründeten Holding zusammen. Die Gespräche stehen demnach am Anfang, Berater sind engagiert, eine Ankündigung wird laut Bloomberg für die erste Jahreshälfte 2027 angestrebt. SpaceX erklärte, ein Deal erfordere die Zustimmung von Sonderausschuss, Board und Musk.
Der Präzedenzfall ist zehn Jahre alt: 2016 übernahm Tesla den Solardachhersteller SolarCity komplett in Aktien – ein Deal zwischen zwei Musk-Firmen, der jahrelange Rechtsstreitigkeiten nach sich zog. Schon jetzt sind die von Reuters gemeldeten Bedenken von Insidern dokumentiert: Musks offene Fürsprache für den Zusammenschluss stößt nicht überall auf Zustimmung.
Von SolarCity bis zum Fusionsvorstoß
2016
Tesla kauft SolarCity
Der Solardachhersteller geht komplett in Aktien an Tesla – der Präzedenzfall für einen Deal zwischen zwei Musk-Firmen, mit jahrelangen Rechtsstreitigkeiten.
Anfang 2024
Musk droht mit Abschied
Er will seinen Tesla-Anteil auf die Sperrminorität von 25 Prozent erhöht sehen – sonst wolle er sich anders engagieren.
Das Statement für die Hauptversammlung am 3. Dezember enthält kein Votum über einen Zusammenschluss.
20. Oktober 2026
Musk bestätigt die Sonderausschüsse
Im SpaceX-Quartalscall nennt er sich selbst befangen. Die Aktie steigt nachbörslich um rund acht Prozent.
22. Oktober 2026
Reuters nennt mögliche Strukturen
SpaceX-Übernahme Teslas im Aktientausch oder Fusion unter neuer Holding – Berater sind engagiert.
1. Halbjahr 2027
Angestrebte Ankündigung
Bloomberg zufolge soll der Deal in diesem Zeitraum offiziell gemacht werden.
Die Hälfte aller Tesla-Aktien muss zustimmen
Musk hält knapp ein Fünftel der Tesla-Aktien. Bei SpaceX kontrolliert er über Class-B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht rund 82 Prozent der Stimmen, nach anderer Lesart 85 Prozent. Die Bank Barclays hat durchgerechnet, was ein reiner Aktientausch ihm brächte: rund 37 Prozent des Kapitals und etwa 56 Prozent der Stimmrechte des fusionierten Konzerns.
Entscheidend ist die Zustimmung der Tesla-Aktionäre. Nötig sind 50 Prozent aller ausstehenden Aktien – nicht nur der abgegebenen Stimmen. Im Proxy Statement, das Tesla am 19. Oktober für die Hauptversammlung am 3. Dezember 2026 einreichte, findet sich kein Fusionsantrag.
Umfrage
Lädt
Börse jubelt, Gewinn bricht ein
An der Börse kam der Schritt zunächst gut an: Die SpaceX-Aktie legte zeitweise elf Prozent auf rund 164 Dollar zu, am 21. Oktober schloss sie bei 159,31 Dollar – ein Plus von 7,79 Prozent. Tesla stieg um 3,41 Prozent auf 388,36 Dollar. JPMorgan-Analyst Doug Anmuth hob sein Kursziel für SpaceX von 240 auf 500 Dollar. Der Tech-Investor Gene Munster brachte die Erwartung so auf den Punkt:
„Es wäre in jeder Hinsicht das einzigartigste Unternehmen der Welt.“
Gene Munster, Tech-Investor und Analyst
Doch der Optimismus hat einen Riss. Tesla meldete für das dritte Quartal einen Gewinneinbruch um 43 Prozent, und Musk äußerte sich am Abend zurückhaltend – die Fusion stehe derzeit nicht zur Diskussion. Die Tesla-Hauptversammlung am 3. Dezember tagt ohne Fusionsvotum; der nächste belastbare Termin ist eine Ankündigung, die Bloomberg zufolge in der ersten Jahreshälfte 2027 fallen soll.