Lula gewinnt Brasiliens Stichwahl – Flávio Bolsonaro will annullieren
Lula da Silva gewinnt die Stichwahl in Brasilien mit 51,79 Prozent. Flávio Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an und will die Wahl annullieren lassen – er stützt sich auf die Verlängerung der Wahllokale, die das Wahlgericht angeordnet hatte.
64.256.232 Stimmen für Lula da Silva, 59.826.041 für Flávio Bolsonaro – und ein Herausforderer, der das Ergebnis annullieren lassen will. Die Stichwahl in Brasilien ist entschieden, der Streit darüber nicht.
Nach Auszählung aller Stimmen kommt Lula auf 51,79 Prozent, Bolsonaro auf 48,21 Prozent, wie die Ergebniszahlen der Tagesschau zur Stichwahl zeigen. Der Vorsprung beträgt rund 4,4 Millionen Stimmen. Lula tritt sein Amt am 5. Januar 2027 an – seine vierte, nicht zusammenhängende Amtszeit.
Zwei Stunden mehr – Bolsonaro nennt es Regelbruch
Kurz vor 17 Uhr Ortszeit ordnete Richter Cristiano Zanin am Wahltag an, die Wahllokale um zwei Stunden bis 19 Uhr offen zu halten. Er folgte damit einem Antrag von Lulas Kampagne und begründete die Verlängerung mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr.
Der Präsident des Wahlgerichts, Kassio Nunes Marques, erklärte, die Verlängerung habe keinen Einfluss auf das Ergebnis gehabt. Flávio Bolsonaro spricht dagegen von einer Änderung der Spielregeln während des Spiels und nennt die Verlängerung inakzeptabel – wie der Deutschlandfunk über Bolsonaros Annullierungsforderung berichtet.
„Es ist unmöglich, das Ergebnis anzuerkennen. Ich werde die Annullierung dieser Wahlen beantragen.“
Flávio Bolsonaro, Senator und Präsidentschaftskandidat (PL)
Lulas Aufholjagd in Zahlen
Im ersten Wahlgang lag Lula mit 45,16 zu 47,03 Prozent hinten. In der Stichwahl legte er rund 10,4 Millionen Stimmen zu, Bolsonaro nur rund 3,7 Millionen. Meinungsforscher erklären den Umschwung mit einer unerwartet hohen Wahlbeteiligung.
Erster Wahlgang und Stichwahl im Vergleich
Stimmenanteile in Prozent
Quelle: Wahlgericht Brasilien, Angaben laut Tagesschau
Im ersten Wahlgang lag Lula mit 45,16 zu 47,03 Prozent hinter Bolsonaro. In der Stichwahl gewann er mit 51,79 Prozent. Damit verwandelte Lula den Rückstand aus dem ersten Wahlgang in einen Sieg.
Annullierungsklage ohne Aussicht
Rechtsexperten bezweifeln die Erfolgsaussichten einer Anfechtung. Jair Bolsonaro, Vater des Herausforderers, verbüßt eine Haftstrafe von mehr als 27 Jahren wegen eines versuchten Staatsstreichs und steht aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest. Sein Sohn hatte im Wahlkampf eine Amnestie für ihn versprochen.
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Lula selbst gab sich kämpferisch: Er werde „die beste Amtszeit absolvieren, die jemals ein Präsident absolviert hat“, sagte er nach dem Sieg. Brasilien, so Lula, werde „nicht akzeptieren, der Hinterhof von irgendjemandem zu sein“.
Glückwünsche, Kurssturz und eine offene Klage
Am Tag nach der Wahl gingen Glückwünsche aus dem Ausland ein, die Finanzmärkte brachen ein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: „Demokratie und Multilateralismus haben in Brasilien gewonnen.“ Lula kündigte eine strengere Regulierung der Tech-Plattformen an.
Vom ersten Wahlgang zum Amtsantritt
4. Oktober 2026
Erster Wahlgang: Bolsonaro vorn
Flávio Bolsonaro gewinnt überraschend mit 47,03 Prozent vor Lula mit 45,16 Prozent. Die Stichwahl wird nötig.
18. Oktober 2026
Erstes TV-Duell in São Paulo
Bolsonaro sagt zu Lula, Brasilien werde ihn in Rente schicken.
23. Oktober 2026
Zweites Duell im milderen Ton
Beide Kandidaten treten im Ton etwas gemäßigter auf als fünf Tage zuvor.
24. Oktober 2026
Kundgebungen am Vorabend
Lula mobilisiert auf der Avenida Paulista mit Musikern wie Caetano Veloso, Bolsonaro tritt in Fortaleza auf.
25. Oktober 2026
Verlängerung und Auszählung
Richter Cristiano Zanin ordnet kurz vor 17 Uhr zwei Stunden mehr Wahlzeit an, die Auszählung wird unterbrochen. Kurz nach 20 Uhr geht Lula in Minas Gerais in Führung.
25. Oktober 2026
Bolsonaro kündigt Klage an
In Brasília erklärt Flávio Bolsonaro, es sei unmöglich, das Ergebnis anzuerkennen, und kündigt die Annullierungsklage an.
5. Januar 2027
Geplanter Amtsantritt
Lula soll seine vierte, nicht zusammenhängende Amtszeit beginnen.
Am 5. Januar 2027 will Lula sein Amt antreten – vorausgesetzt, das Wahlgericht weist die Klage des Herausforderers ab. In Lulas laufender Amtszeit ist die Amazonas-Abholzung um 42 Prozent auf 3.335 Quadratkilometer gesunken. Ob Bolsonaro das Ergebnis am Ende anerkennt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.