Die Straße war gesperrt, die Unterführung stand unter Wasser – eine Autofahrerin fuhr mit ihrem VW trotzdem hinein. Am frühen Montagmorgen musste die Feuerwehr die Frau vom Dach ihres Wagens holen.
Ein Passant hörte gegen 5 Uhr ihre Hilferufe an der Zweibrückenstraße in der HafenCity und alarmierte die Einsatzkräfte; die Frau hatte sich auf das Autodach gerettet. Eine halbe Stunde später holten Feuerwehrleute sie herunter. Sie wurde vorsorglich in einen Rettungswagen gebracht und nach dem Bericht des NDR zur Rettung vom Autodach anschließend in ein Krankenhaus gefahren.
An mehreren Absperrungen vorbei
Nach Angaben des Lagezentrums der Polizei Hamburg war die Straße an der Eisenbahnunterführung am U- und S-Bahnhof Elbbrücken eigentlich abgesperrt. Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Fahrerin müsse zuvor an mehreren Absperrungen vorbeigefahren sein – wie die Frau trotz Absperrungen im Wasser strandete. Warum sie hineinfuhr, blieb unklar, möglicherweise war die Absperrung nicht mehr vorhanden.
Die Frau war gegen 4 bis 5 Uhr in die Unterführung gefahren und wollte nach den bisherigen Erkenntnissen wenden, als der Wagen im Wasser stecken blieb. Sie flüchtete auf das Dach und rief um Hilfe.
4,31 Meter über Normalhöhennull
Auslöser war das Sturmtief „Manja“, das in der Nacht zum Montag die erste Sturmflut des Herbstes in die Elbe drückte. Der Pegel Hamburg St. Pauli erreichte nach vorläufigen BSH-Messdaten zwischen 3.20 und 3.30 Uhr einen Höchststand von 4,31 Metern über Normalhöhennull – rund 2,17 Meter über dem mittleren Hochwasser.
Am Fischmarkt, auf dem Parkplatz Neumühlen und in Teilen der HafenCity stand das Wasser auf der Straße. Die Feuerwehr zählte in 24 Stunden rund 40 wetterbedingte Einsätze.
Der VW bleibt liegen, die Warnung bleibt
Am Vormittag lief das Wasser zurück. Der VW blieb in der Unterführung liegen und sollte erst abgeschleppt beziehungsweise geborgen werden, wenn der Pegel gesunken ist.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie warnte bis 16.22 Uhr erneut vor einer Sturmflut. Im Elbegebiet wurden 1 bis 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasser erwartet, an der nordfriesischen Küste 1,5 bis 2 Meter.
Schon am Sonntagabend hatte „Manja“ den Bahnverkehr getroffen: Bei Stade stürzte ein Baum auf die S-Bahn-Gleise, 155 Fahrgäste saßen rund zwei Stunden fest.
Offen: Warum die Absperrungen nicht hielten
Nicht geklärt ist, ob die Absperrungen an der Zweibrückenstraße noch standen, als die Frau hineinfuhr. Die Polizei hatte die Straße nach eigenen Angaben gesperrt, die Feuerwehr geht davon aus, dass die Fahrerin mehrere Sperren passierte Die genaue Abfolge ist bislang nicht abschließend geklärt.
