Özil wirft der FIFA wegen Russland und Israel Doppelmoral vor
Mesut Özil nutzt ein Veteranenspiel in Istanbul für einen Appell an die FIFA: Russland und Israel müssten gleich behandelt werden. Der Weltverband hatte russische Teams 2022 ausgeschlossen – Präsident Infantino will sie zurückholen.
Mesut Özil wirft der FIFA Doppelmoral vor – und verlangt, dass russische Mannschaften wieder international spielen dürfen. Auslöser war ein Veteranenspiel: Nach dem 3:2-Sieg von Istanbul Başakşehir gegen Zenit St. Petersburg am 21. Oktober 2026 in Istanbul wandte sich der Weltmeister von 2014 direkt an den Weltverband.
Der Fußball, sagte der 38-Jährige, habe die Menschen zusammengebracht, solange Herkunft und Glaube keine Rolle spielten. Gegen Teams aus Israel habe es kein Embargo gegeben, gegen russische schon. Seine Forderung an die FIFA: Doppelmoral beiseiteschieben, alle gleich behandeln. Nach dem Abpfiff verlangte er die Aufhebung der Fußball-Sanktionen gegen Russland.
„Ich möchte an der Stelle an die FIFA appellieren: Ich hoffe, dass sie Doppelmoral beiseiteschieben und alle gleich behandeln.“
Mesut Özil, ehemaliger Fußball-Weltmeister
Verband schloss Russland 2022 aus
FIFA und UEFA hatten russische Mannschaften und Klubs im Februar 2022 von allen ihren Wettbewerben ausgeschlossen – als Reaktion auf den völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine. Für A-Nationalteam und Klubs gilt der Ausschluss weiter; im Nachwuchs ist Russland bereits wieder dabei.
Israelische Teams dürfen dagegen weiter an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Mehrere Länder, darunter die Türkei, kritisieren Israels Vorgehen im Gazastreifen und im Westjordanland – Folgen für den Fußball hatte das bislang nicht. Genau darauf stützt sich Özils Vergleich zwischen Israel und Russland.
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Infantino will Russland zurückholen
Özils Vorstoß fällt in eine Debatte, die längst läuft. FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht sich seit Monaten dafür aus, eine Rückkehr Russlands zu prüfen. Im Februar sagte er beim britischen Sender Sky: „Das müssen wir.“ Für den Nachwuchs ergänzte er, das Verbot habe „nichts gebracht“ und „nur Frustration und Hass hervorgerufen“.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha nannte Infantino dafür „moralisch degeneriert“. An der U15-WM in Aserbaidschan nimmt Russland bereits wieder teil. Für Özils Forderung heißt das: Der Verband bewegt sich längst – offen ist nur, wie weit.
Zwei Klubs, zwei Präsidenten
Zusätzliche Sprengkraft bekommt der Auftritt durch die politischen Verbindungen beider Vereine. Zenit St. Petersburg soll die Unterstützung von Wladimir Putin genießen; Putin gilt als Fan des Klubs. Başakşehir ist der Verein von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der der Familie Özil nahestehen soll. Berichten zufolge nennen Özils Kinder den türkischen Präsidenten „Opa“.
Başakşehirs Präsident Göksel Gümüşdağ stützte Özil öffentlich. Die Isolation russischer Teams bei fehlenden vergleichbaren Maßnahmen gegen Israel sei klare Doppelmoral, sagte er und forderte FIFA und UEFA zu einer faireren Haltung auf.
Vom Weltmeister zum Erdoğan-Vertrauten
Özil ist seit Jahren politisch aktiv. 2025 wählten ihn die Mitglieder der islamisch-konservativen AKP in den 75-köpfigen Parteivorstand; Erdoğan war 2019 Trauzeuge bei seiner Hochzeit in der Türkei, in der Vergangenheit rief Özil auch zu dessen Wahl auf. Praktische Bedeutung hat der Parteivorstand seit der Verfassungsänderung von 2017 allerdings kaum noch.
Von Erdoğan-Foto bis FIFA-Appell
13. Mai 2018
Foto mit Erdoğan löst Eklat aus
Kurz vor der WM in Russland posiert Özil mit Ilkay Gündoğan und Erdoğan. Danach tritt er aus der Nationalmannschaft zurück.
Februar 2022
Ausschluss russischer Teams
FIFA und UEFA sperren russische Mannschaften und Klubs nach dem Angriff auf die Ukraine.
22. März 2023
Ende der Profikarriere
Özil beendet mit 34 Jahren seine Laufbahn, zuletzt bei Istanbul Başakşehir.
2025
Vorstand der AKP
Die Parteimitglieder wählen Özil in das 75-köpfige Führungsgremium von Erdoğans Partei.
Februar 2026
Infantino öffnet die Tür
Der FIFA-Präsident sagt beim Sender Sky, eine Rückkehr Russlands müsse geprüft werden.
21. Oktober 2026
Appell nach dem Veteranenspiel
Nach dem 3:2 von Başakşehir gegen Zenit fordert Özil gleiche Behandlung durch die FIFA.
Özils Weg vom gefeierten Integrationssymbol zum Erdoğan-Vertrauten zeichnet die ZDF-Dokumentation „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“ nach; darin ist auch von einem Tattoo der rechtsextremen Grauen Wölfe die Rede. Ob die FIFA auf seinen Appell reagiert, ist offen – eine Entscheidung über eine vollständige Rückkehr Russlands steht aus.