China setzt Mbappé-Werbung und alle LaLiga-Spiele bei CCTV aus
Bild: KI-generiert
Mao-Meme-Eklat

China setzt Mbappé-Werbung und alle LaLiga-Spiele bei CCTV aus

Ein Satz über ein Meme mit Mao-Gesicht kostet Kylian Mbappé mehrere China-Deals – und der spanischen Liga ihre Spiele beim Staatssender CCTV. Die Entschuldigungen von Spieler und Liga reichen der China Media Group bislang nicht.

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Für Kylian Mbappé sind über Nacht mehrere Werbeverträge in China weggefallen, und der Staatssender CCTV zeigt keine Spiele der spanischen LaLiga mehr. Die China Media Group (CMG), Dachorganisation des Senders, setzte die Ausstrahlung aller LaLiga-Partien, aller Spiele mit Mbappé und sämtlicher Werbespots mit ihm aus. Der Beschluss fiel laut CMG am Montag, öffentlich wurde er am Dienstag, 27. Oktober 2026.

Auslöser ist ein Video aus der französischen Online-Talkshow „The Bridge“, die sein Teamkollege Aurélien Tchouaméni mitbegründet hat. Darin sagt der 27 Jahre alte Stürmer von Real Madrid über sein Lieblingsmeme: „When they did a video of a guy — I think it was a Chinese dictator – and they put my…“. Den Namen Mao Zedong nennt er nicht. Der Clip lief seit Monaten; in China verbreitete er sich erst, nachdem das Portal Dongqiudi die Äußerungen am Montagabend als „unangemessen“ und „verletzend“ verurteilt hatte.

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Der Bann trifft nicht nur den Spieler, sondern seinen Klub: Real Madrids Liga-Spiele verschwanden komplett aus dem frei empfangbaren Programm, nach chinesischen Berichten auch Champions-League-Partien. Die Rechte an der LaLiga hatte der Sender erst im August 2026 für diese Saison erworben; die nicht-exklusive Vereinbarung mit CMG bestand seit 2024/25. Die Plattform Migu (China Mobile) hält seit August 2026 einen Vierjahresvertrag über alle 380 Spiele pro Saison.

Von den ersten Diktatoren-Memes bis zum Sendestopp

  1. 2024
    Erste Diktatoren-Memes mit Mbappés Gesicht

    Im Netz kursieren Fotomontagen, die den Fußballer als Diktator zeigen. Die Plattform RedNote (Xiaohongshu) beginnt eine Content-Partnerschaft mit ihm.

  2. April 2026
    Dongpeng macht Mbappé zum Markenbotschafter

    Der Getränkehersteller bewirbt mit ihm sein Elektrolytgetränk Bushuila, Mbappés Gesicht erscheint auf Flaschenetiketten und Werbeflächen in Shanghai.

  3. September 2026
    Zehnjahresvertrag mit On – und Selbstkritik

    Mbappé unterschreibt beim Schweizer Ausrüster On. Im Interview mit „L'Équipe“ räumt er ein, ein Teil der Witze zeige „einen Mangel an politischem und menschlichem Bewusstsein“.

  4. 26. Oktober 2026
    Ballon d'Or, Dongqiudi-Stellungnahme, CMG-Beschluss

    Harry Kane gewinnt die Gala in London vor Mbappé. Am Abend weist Dongqiudi auf die Meme-Aussage hin, Screenshots verbreiten sich. CMG beschließt nach eigener Darstellung Sendestopp und Werbestopp.

  5. 27. Oktober 2026
    Sendestopp öffentlich, erste Marken steigen aus

    CMG gibt die Maßnahme bekannt. Dongpeng, Mengniu und Milkground beenden die Zusammenarbeit, Mbappé entschuldigt sich auf X, der Fußballverband CFA protestiert bei Real Madrid.

  6. 28. Oktober 2026
    „People's Daily“ warnt Prominente

    Die Parteizeitung schreibt, bei einer Beleidigung des Publikums verflüchtige sich aller Glamour schnell. Eine Aufhebung des Sendestopps ist nicht bestätigt.

Entschuldigung in drei Sprachen

Mbappé reagierte am Dienstag mit einer Erklärung auf X, in französischer, chinesischer und englischer Sprache. Er nennt seinen Kommentar „ill-judged“, also schlecht überlegt, und bittet um Verzeihung.

„Ich entschuldige mich bei allen, die meine Worte verletzt haben. Das war absolut nicht meine Absicht. Ich habe großen Respekt vor dem chinesischen Volk und seiner Geschichte, und es tut mir aufrichtig leid.“
Kylian Mbappé, Stürmer von Real Madrid

CMG verlangte eine förmliche, schriftliche Entschuldigung von LaLiga, Real Madrid und dem Spieler – vorher werde nichts besprochen. LaLiga-Präsident Javier Tebas hatte am Dienstagnachmittag geantwortet: „This is unacceptable behavior and does not represent the values of our games or Spanish football.“ Er traf sich zudem mit dem chinesischen Botschafter in Spanien, Yao Jing. Der chinesische Fußballverband CFA protestierte nach eigenen Angaben scharf bei Real Madrid; der Klub lehnte einen Kommentar ab.

Marken kappen die Verträge

Am selben Tag beendeten chinesische Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit Mbappé – nahezu wortgleich begründet mit „Null-Toleranz“ gegenüber allem, was nationale Gefühle verletzt. Betroffen sind der Getränkehersteller Dongpeng, der ihn im April 2026 als Markenbotschafter für Bushuila vorgestellt hatte, der Molkereikonzern Mengniu und der Käsehersteller Milkground. In chinesischen Berichten tauchten zudem Eastroc Beverage und Budweiser China auf.

Auch internationale Partner gerieten unter Druck: Die Plattform Xiaohongshu (RedNote) entfernte Materialien, der Ausrüster On löschte Beiträge mit Mbappé von seinem chinesischen Account, Dior soll Inhalte gelöscht haben. Auf Weibo kam der Hashtag zur Dongpeng-Kündigung laut AFP auf 430 Millionen Aufrufe, vier Mbappé-Themen lagen unter den zehn meistgesuchten Begriffen. Die „Global Times“ schrieb: „Respekt ist nicht optional; man kann nicht von China profitieren und es gleichzeitig respektlos behandeln.“

Das Ausmaß in Zahlen: Laut „Forbes“ verdient der 27-Jährige rund 100 Millionen Dollar im Jahr, davon etwa 30 Millionen außerhalb des Platzes; sein früherer Nike-Vertrag brachte über 20 Millionen Dollar pro Jahr. Chinesische Anwälte verweisen auf Klauseln zum Schutz des Markenimages, Unternehmen können Schadenersatz, Rückzahlungen und Vertragsstrafen fordern. China ist für LaLiga ein Kernmarkt: Mehr als 200 Millionen Zuschauer sahen bis zum Ende der WM-Gruppenphase 2026 über die Streamingplattformen von CCTV.

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Peking schaltet sich ein

Das chinesische Außenministerium meldete sich am Dienstag in Peking zu Wort. Zuvor hatte die Staatspresse Mbappés Äußerungen nicht wörtlich wiederholt; das Portal Dongqiudi erklärte, man könne die Sätze nicht übersetzen, weil sie China und das chinesische Volk verletzten. Sein Sprecher sagte:

„Worte und Taten, die die Gefühle des chinesischen Volkes verletzen, stoßen natürlich auf einhellige Ablehnung in allen Teilen der chinesischen Gesellschaft.“
Guo Jiakun, Sprecher des chinesischen Außenministeriums

In der Nacht auf den 28. Oktober schrieb die Parteizeitung „People's Daily“, sobald eine Grenze überschritten und die Öffentlichkeit beleidigt sei, „verflüchtigt sich aller Glamour schnell“. Auf Weibo nennen Nutzer Mbappés Entschuldigung „Schadensbegrenzung, nicht echte Reue“. Der Sportökonom Simon Chadwick warnt, die Folgen könnten „breit, tief und lang andauern“. Eine Aufhebung des Sendestopps ist bislang nicht bestätigt – ob CCTV wieder sendet, entscheidet sich für CMG zuerst an einem schriftlichen Text aus Madrid.