Thomas Gottschalks Vater war in der NSDAP und der SA
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Archivfund

Thomas Gottschalks Vater war in der NSDAP und der SA

Die Akte von Thomas Gottschalks Vater liegt offen: Hans Gottschalk war in NSDAP und SA, beschrieb sich aber als Widerstandskämpfer. 1946 stufte ihn eine Spruchkammer als „Mitläufer“ ein, 16 Entlastungserklärungen sprachen für ihn. Zu den jetzt veröffentlichten Funden äußert sich der Sohn nicht.

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Der Vater von Thomas Gottschalk trat 1932 in die NSDAP ein, gehörte zur SA und beschrieb sich später als Widerstandskämpfer. Die Spruchkammer Kulmbach sah in Hans Gottschalk 1946 nur einen „Mitläufer“. Seit dem 25. Oktober liegen die Akten offen. Der Sohn, Thomas Gottschalk (76), sagt nichts dazu.

Was die Auswertung deutscher und polnischer Archive durch BILD ergab: Die NSDAP-Mitgliederkarte verzeichnet Hans Gottschalk seit dem 1. November 1932, Mitgliedsnummer 1.356.311 – ein gutes halbes Jahr vor Hitlers Machtübernahme. Seine SA-Mitgliedschaft räumte er im Entnazifizierungsverfahren selbst ein. Am 26. Oktober griffen auch Blätter in der Schweiz und in Österreich den Fall auf.

Ein Anwalt aus Breslau

Geboren wurde Hans Gottschalk am 20. November 1902 in Kaulwitz im Kreis Namslau als neuntes Kind eines Kleinbauern. Das Abitur holte er 1924 ohne Gymnasium nach, von 1924 bis 1928 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Breslau. 1933 wurde er als Rechtsanwalt beim Amts- und Landgericht Breslau zugelassen und eröffnete eine eigene Kanzlei.

Seine SA-Mitgliedschaft erklärte er später so: 1934 habe er seine Streichung veranlasst, SA-Dienst nie geleistet. Im Juli 1942 wurde Kriegsverwaltungsrat Gottschalk nach einem Aufenthalt im Reserve-Kurlazarett Bad Altheide dienstfähig zur Wehrkreisverwaltung VIII in Breslau entlassen – jene Stelle, mit der er später seinen Widerstand begründete.

Vor der Spruchkammer

Im April 1946 gab er im Meldebogen des Entnazifizierungsverfahrens in Kulmbach NSDAP- und SA-Mitgliedschaft an. In einem zweiseitigen Lebenslauf vom 18. September 1946 datierte er seinen Parteieintritt auf das Frühjahr 1933 und behauptete, seine Stellung bei der Wehrkreisverwaltung genutzt zu haben, um „dem Naziregime in jeder nur möglichen Weise aktiv Widerstand zu leisten“.

Die Akte Hans Gottschalk

  1. 1. November 1932
    Eintritt in die NSDAP

    Die Mitgliederkarte verzeichnet Hans Gottschalk mit der Nummer 1.356.311 – vor Hitlers Machtübernahme.

  2. 1934
    Streichung aus der SA

    Nach eigener Darstellung veranlasst er seine Streichung; SA-Dienst habe er nie geleistet.

  3. 6. Dezember 1946
    Einstufung als „Mitläufer“

    Die Spruchkammer Kulmbach-Stadt verhängt 500 Reichsmark Sühnegeld, 16 Entlastungserklärungen liegen vor.

  4. 1964
    Tod in Kulmbach

    Hans Gottschalk stirbt kurz vor seinem 62. Geburtstag an Krebs, sein Sohn Thomas ist 14 Jahre alt.

  5. 25. Oktober 2026
    Veröffentlichung der Akten

    BILD wertet Dokumente aus deutschen und polnischen Archiven aus.

Die Spruchkammer Kulmbach-Stadt folgte dem nicht: Am 6. Dezember 1946 stufte sie ihn als „Mitläufer“ ein – zweitniedrigste von fünf Kategorien – und verhängte 500 Reichsmark Sühnegeld. 16 Entlastungserklärungen lagen vor, darunter Zeugnisse der als Jüdin verfolgten Breslauerin Elly Rastetter und des Widerstandskämpfers Hans Lukaschek, nach dem 20. Juli 1944 verhaftet und später Bundesvertriebenenminister.

Was die Akten nicht klären

1941 erwarb er ein Grundstück in bester Breslauer Lage – von einem Kaufmann, der es zur NS-Zeit von einer jüdischen Familie gekauft hatte. Im Januar 1945 wurde seine kinderlose Ehe mit Rosalie Rupprecht geschieden, im Juni 1945 heiratete er in Kulmbach Rutila, die Mutter von Thomas und Christoph Gottschalk.

Der Politikwissenschaftler und NSDAP-Experte Jürgen Falter hält die Angaben zu Gottschalks Parteieintritt für widersprüchlich. Seine Einordnung betrifft die Frage, ob der Beitritt 1932 oder erst nach Hitlers Machtübernahme erfolgte.

„Die Aufnahmesperre galt ab 1. Mai 1933, Mitgliedsnummer und Eintrittsdatum sprechen für einen Beitritt 1932, die Berufsangabe als Rechtsanwalt dagegen für eine spätere Eintragung. Auch die geschilderte SA-Aufnahme ohne Wissen des Betroffenen ist obskur.“
Jürgen Falter, Politikwissenschaftler und NSDAP-Experte

Der Sohn schweigt

Hans Gottschalk starb 1964 kurz vor seinem 62. Geburtstag an Krebs. Thomas Gottschalk stellte die Frage nach der Rolle seines Vaters schon früh öffentlich.

„Hat er mitgemacht? War er Opfer eines mörderischen Systems oder war er Täter? … Ich gab mich gern mit den Beschwichtigungen meiner Mutter zufrieden, nach denen mein Vater natürlich kein Nazi war.“
Thomas Gottschalk, Entertainer und Moderator

Zu den jetzt veröffentlichten Funden äußert er sich nicht. Nach eigener Aussage lebt er zurückgezogen und erholt sich von einer Krebserkrankung: „Ich bin raus aus der Öffentlichkeit. Und äußere mich auch nicht mehr.“ Ob er bei dieser Haltung bleibt, wenn die Fragen zu seinem Vater lauter werden, ist offen.