Mindestens 50 Menschen sind am Mittwochmorgen gestorben, als bei Urda in der Provinz Toledo zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammenstießen. Der AVE 2080 der staatlichen Renfe war auf dem Weg von Madrid nach Sevilla, als er um 08.54 Uhr auf den stehenden Iryo-Zug 6076 auffuhr.
An Bord waren 544 Menschen: 397 Fahrgäste im Renfe-Zug sowie 147 Fahrgäste und ein Baby im Zug des privaten Anbieters Iryo. Mindestens 179 von ihnen wurden verletzt. Zwei Waggons des Iryo-Zuges entgleisten und stürzten eine Böschung hinunter.
Luftaufnahmen der Guardia Civil zeigen einen weitgehend zerstörten, teils ausgebrannten Waggon. Der Bahnnetzbetreiber Adif sperrte die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusien in beide Richtungen, Iryo strich alle Verbindungen ab Madrid-Atocha Richtung Südkorridor.
Ein stehender Zug, ein Aufprall ohne Vorwarnung
Der Aufprall ereignete sich bei Streckenkilometer 118 zwischen Urda und Los Yébenes. Der Iryo-Zug stand dort auf der Strecke; warum, blieb am Mittwoch offen. Für die Menschen im AVE kam der Zusammenstoß ohne Vorwarnung.
Der Überlebende Jesús Jerónimo beschrieb im AVE nach Sevilla, wie er den Aufprall erlebte. Seine Schilderung gehört zu den ersten Berichten aus dem Inneren des Renfe-Zuges.
„Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft.“
Von zehn auf fünfzig Tote
Die offiziellen Zahlen aus Toledo änderten sich im Stundentakt. Die Regionalregierung Kastilien-La Mancha bestätigte zunächst zehn Tote, gegen 10.30 Uhr dann mindestens 30 Tote nach dem Zugunglück in Spanien. Regionalpräsident García-Page sprach von 80 Verletzten, 50 davon schwer.
Am Mittag nannte der Zivilschutz mindestens 46 Tote, erst später fiel die Marke von 50. Die Bericht zum Zugunglück bei Toledo wurde im Minutentakt fortgeschrieben.
Gemeldete Tote am Unfalltag
Opferzahlen der Regionalregierung Kastilien-La Mancha und des Zivilschutzes am 28. Oktober 2026
Neun Monate nach Adamuz
Es ist der zweite schwere Unfall auf der Strecke Madrid – Andalusien binnen neun Monaten. Am 18. Januar 2026 entgleiste bei Adamuz in der Provinz Córdoba ein Iryo-Zug und kollidierte mit einem Renfe-Alvia-Zug; 46 Menschen starben, mehr als 150 wurden verletzt.
Drei Tage vor dem Unglück, am 25. Oktober, hatte es auf demselben Abschnitt bei Los Yébenes bereits eine Störung gegeben, die den Zugverkehr mindestens 20 Minuten aufhielt. Ob ein Zusammenhang mit dem Zusammenstoß besteht, ist offen.
Binnen neun Monaten kommen damit auf derselben Hochgeschwindigkeitsstrecke mindestens 96 Menschen ums Leben. Offen ist auch, wie es zu der Störung am 25. Oktober kam und warum der Iryo-Zug am Mittwochmorgen auf der Strecke stand.
Sitzungen abgesagt, Wahlkampf ausgesetzt
Die Politik reagierte mit Absagen. Das andalusische Parlament und der spanische Senat sagten ihre Sitzungen ab, der Madrider Ärzte-Streikausschuss suspendierte die Streiktage vom 29. und 30. Oktober. Der Gemeindeverband FEMP rief für 20 Uhr zu einer Schweigeminute vor allen Rathäusern Spaniens auf.
Verkehrsminister Óscar Puente trat um 13 Uhr vor die Presse; Adif meldete zu diesem Zeitpunkt, die Abschnitte Madrid – Toledo und Málaga – Sevilla liefen wieder normal. Zuvor hatte der Netzbetreiber die Verbindung in beide Richtungen gesperrt, Iryo alle Fahrten ab Atocha in den Süden gestrichen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (68) erklärte, heute trauere Europa mit den Familien der Opfer. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) zeigte sich „bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo“. Andalusiens Regionalpräsident Juanma Moreno nannte es „einen Albtraum“ und sagte Unterstützung bei der Versorgung der Opfer zu.
Was nach dem 28. Oktober offen bleibt
Die vorgezogene Parlamentswahl in Spanien ist für den 29. November angesetzt, der Wahlkampf ist nach dem Unglück weitgehend ausgesetzt. Vor den Rathäusern des Landes ist für den Abend eine Schweigeminute angesetzt.
Offen bleibt die Ursache der Kollision, offen der Zusammenhang mit der Störung vom 25. Oktober, offen auch, wann die Strecke Madrid – Andalusien wieder durchgehend befahren wird. Ob Adif und die Betreiber bis zur Wahl am 29. November eine Erklärung zur Störung vom 25. Oktober liefern, ist bislang nicht geklärt.
