ZDF-Intendant Himmler nennt Böhmermanns Satire „zu fanatisch“
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Fernsehkritik

ZDF-Intendant Himmler nennt Böhmermanns Satire „zu fanatisch“

Sieben Wochen vor der letzten Ausgabe rechnet der ZDF-Chef mit seiner eigenen Satiresendung ab: Norbert Himmler findet das „ZDF Magazin Royale“ „zu fanatisch“ und den Beitrag über einen Bio-Imker „unverhältnismäßig“.

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Norbert Himmler (55) nennt das „ZDF Magazin Royale“ „vielleicht am Ende zu fanatisch“, wie der SPIEGEL Himmlers Böhmermann-Kritik wiedergibt. Sieben Wochen vor der letzten Ausgabe greift der ZDF-Intendant damit ausgerechnet die Sendung an, die sein eigener Sender bis zum 18. Dezember noch ausstrahlt.

Anlass ist das Interview in der Wochenzeitung „Die Zeit“, das an diesem Donnerstag erschien. Darin sagt Himmler über Jan Böhmermann (45): „Er hat grandiose Sendungen geliefert, die mit dem Grimme- und dem Fernsehpreis dekoriert wurden. Das hat sich jetzt abgeschliffen und ist vielleicht am Ende zu fanatisch geworden.“

Der Zeitpunkt ist heikel. Böhmermann hatte das Ende der Sendung im September selbst verkündet. ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke ließ damals erklären, man wolle die Zusammenarbeit mit ihm fortsetzen. Jetzt bewertet der Intendant die Sendung, während sie noch im Programm steht.

Der Imker als Hauptgegenstand

Himmler nennt in dem Gespräch ein konkretes Beispiel: den Beitrag vom 3. November 2023 über den sächsischen Bio-Imker Rico Heinzig, den das „ZDF Magazin Royale“ unter dem Stichwort „Beewashing“ zum Thema machte.

„Sich auf einen Bienenzüchter zu stürzen, ihn quasi zum Hauptgegenstand einer Sendung zu machen – das halte ich für unverhältnismäßig“, sagte Himmler dem Tagesspiegel-Bericht über die Kritik am Imker-Beitrag zufolge.

Der Fall hatte ein juristisches Nachspiel. Heinzig vermarktete unter dem Namen „beewashing Honey“ Honig mit Böhmermanns Namen und Bild, Böhmermann klagte dagegen. Der Rechtsstreit endete zugunsten des Imkers: Das Oberlandesgericht Dresden wies die Berufung des Satirikers zurück.

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Welche Satire Himmler noch gelten lässt

Der Intendant belässt es nicht bei der Kritik an einem Einzelfall. Im Interview legt er offen, welchen Maßstab er an Satire anlegt – und wen er für ein zulässiges Ziel hält.

„Satire sollte sich mit denen beschäftigen, die Verantwortung haben, früher hätte man gesagt: mit den Mächtigen. Oder Missstände aufdecken. Es darf aber nicht unfair sein.“
Norbert Himmler, ZDF-Intendant

Der Satz macht deutlich, worum es Himmler geht: nicht in erster Linie um den Ton, sondern um die Wahl des Gegners. Genau daran misst er den Imker-Beitrag – und kommt zum Schluss „unverhältnismäßig“. Wer Verantwortung trägt, darf nach seiner Lesart attackiert werden, wer keine trägt, nicht.

Für Böhmermann ist das eine Bewertung aus dem eigenen Haus. Seine Sendung läuft seit 2020 als Nachfolger des „Neo Magazin Royale“ im ZDF-Hauptprogramm. Himmler spricht als Intendant über eine Produktion, die der Sender finanziert und ausgestrahlt hat – bis zur letzten Folge.

Der Schlussstrich kam aus Eigeninitiative

Wer die Sendung beendet hat, daran lässt Himmler keinen Zweifel: „Er hat den Schlussstrich aus Eigeninitiative gezogen.“ Böhmermann hatte das im September selbst so dargestellt – seine Erklärung zum Ende am 18. Dezember fiel damals eindeutig aus.

Der Satiriker hatte seinen Schritt Ende September im SPIEGEL mit einem Bild beschrieben: „Manchmal muss ein Sprung nach vorn sein, mit geschlossenen Augen, ohne zu wissen, wo man landet.“ Das klingt nach Aufbruch. Himmler bewertet dasselbe Ende als Abschied von einer Sendung, die sich abgeschliffen habe.

Im Oktober erzählte Böhmermann im Podcast „Fest & Flauschig“, Himmler habe auf die Nachricht vom Ende der Sendung mit Tränen in den Augen reagiert. Der Intendant bestätigt die Anekdote – und legt eine Deutung obendrauf.

„Ja, ich stelle mir heute noch die Frage, ob das Erleichterungs- und Freudentränen waren – oder Tränen der Trauer.“
Norbert Himmler, ZDF-Intendant

Ob Erleichterung, Trauer oder eine Spitze gegen den scheidenden Moderator: Himmler lässt die Antwort offen. Damit steht im Raum, wie tief der Bruch zwischen Senderchef und Satiriker tatsächlich geht – kurz bevor die letzte Folge läuft.

Am 18. Dezember strahlt das ZDF das „ZDF Magazin Royale“ zum letzten Mal aus – das Ende nach 187 Ausgaben. Ob Himmler dann erneut Tränen in den Augen hat, welche auch immer, wird er selbst erklären müssen.