10.000 Männer in 24 Stunden – als echte Begegnung ist das nicht zu schaffen. Lily Phillips (25) hält an der Zahl trotzdem fest und hat die Arbeit ausgelagert: An ihrer Stelle soll ein KI-Klon mit ihrem Gesicht und ihrer Stimme die Kontakte übernehmen.
Der Zwilling heißt „Lily AI“ und ist seit dem 28. Oktober 2026 auf der Erotik-KI-Plattform OhChat buchbar; dieses Startdatum nennt Fashion Times. Bekannt wurde der Launch am 29. Oktober durch einen Bericht von Page Six über den Klon, den TMZ und weitere Medien weltweit aufgriffen.
Ein Abo ersetzt den Rekord
Das Angebot ist ein Abo, kein Rekordversuch. 9,99 US-Dollar – rund acht Euro oder 7,44 Pfund – kosten Zugang und Chat mit „Lily AI“. Dazu kommen Sprachmemos, auf Anfrage generierte freizügige Bilder und Videos, simulierte Livecam-Calls und eine Funktion namens „Pornstar Mode“.
Der beworbene Ablauf: Fans laden ein Selfie hoch und bekommen dafür ein personalisiertes, explizites Video mit dem Abbild, so beschreibt es RTL. Geworben wird mit dem Satz „Sei mein Co-Star. Schick ein Selfie und du liegst mit mir im Bett. Und ja, wir werden nicht kuscheln.“ Bei 10.000 Kontakten in 24 Stunden blieben rechnerisch weniger als neun Sekunden pro Mann. Für Phillips ist der Klon vor allem eine Frage der Verfügbarkeit:
„Ein Tag hat nur eine begrenzte Anzahl an Stunden, und ich kann nicht jederzeit persönlich für jeden verfügbar sein.“
Zustimmung als Schutzschild
Der eigentliche Streitpunkt liegt woanders. KI-Pornografie mit fremden Gesichtern ist in der Branche ein massenhaftes Problem; Phillips dreht die Technik um und macht sie zum Argument für Selbstbestimmung. RTL nennt die Entscheidung vor diesem Hintergrund „interessant“, weil sie die Kontrolle über das eigene Abbild behalten will.
„Zustimmung und Transparenz sind mir wesentlich. Eine KI-Version von sich selbst zu erstellen ist etwas ganz anderes, als wenn jemand ohne Erlaubnis dein Gesicht, deinen Körper oder deine Stimme verwendet.“
Belegt ist bislang wenig. Tech Times hält fest, dass die KI-Einführung und die 10.000er-Ankündigung zwei getrennte Vorgänge sind: Ein Termin, ein Ort oder ein Teilnehmerverfahren für reale Begegnungen ist nicht bekannt, und ob virtuelle Interaktionen als Teil der Challenge zählen, ist nicht bestätigt. Wie die Bestandsaufnahme von Tech Times zu Lily AI zeigt, fehlen zudem geprüfte Umsatz- und Abonnentenzahlen sowie Angaben zu Datenschutz, Altersprüfung und Moderation.
Von 101 auf 10.000
Phillips' Karriere folgt einer Steigerungslogik. 2024 ließ sie sich von Filmemacher Josh Pieters bei einer Challenge mit 101 Männern an einem Tag begleiten; der Film zeigt sie überfordert vom Tempo. Im Juni 2025 behauptete sie, in zwölf Stunden mit 1.113 Männern geschlafen zu haben – unabhängig überprüft wurde das nie. Im September 2025 sprach sie erstmals über ein KI-Abbild: „Ich bin nicht so flexibel, aber ein KI-Bot könnte den Spagat.“
Angekündigte Zahlen von Lily Phillips steigen auf 10.000
Eigene Angaben von 2024 und 2025, Zielmarke für 2026
Ein Geschäftsmodell mit Vorbildern
Phillips ist nicht die Erste, die Namen und Aussehen lizenziert. OhChat vermarktet digitale Zwillinge weiterer bekannter Erotik-Creatorin: Katie Price reaktivierte dafür ihre alte Page-3-Persona „Jordan“, auch Carmen Electra und Lisa Ann sind dabei. Das Modell ist überall gleich: Der Creator liefert Gesicht, Stimme und Persönlichkeitsmerkmale, die Plattform die Technik – und kassiert im Abo.
Unabhängig geprüft ist nicht, wie OhChat mit den Daten der Nutzer umgeht, welche Moderations- und Sicherheitsvorkehrungen greifen und ob sich der Klon gegen unautorisierte Nachbauten schützen lässt. Phillips selbst zieht eine Grenze zwischen Abbild und Person: „Wenn jemand es ernst meinen würde, würde ich wollen, dass er versteht, dass sie KI ist und keine echte Beziehung führen oder eine Verpflichtung eingehen kann.“
Die Debatte dreht sich damit nicht mehr um die Moral der Zahl, sondern um die Kontrolle über das digitale Abbild eines Menschen. Belegt ist bislang nur, dass es das Abo gibt. Ob es 10.000 Mal abgeschlossen wurde, ob Nutzer Phillips von „Lily AI“ überhaupt unterscheiden können und was mit ihren hochgeladenen Selfies passiert, beantwortet derzeit niemand.
