Linke in Sachsen-Anhalt fordert Ersatzfeiertage für Wochenenden
Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt will jeden Feiertag, der auf ein Wochenende fällt, unter der Woche nachholen – 2026 sind das drei. Die Mittelstandsunion nennt den Vorstoß abstrus und rechnet mit 8,6 Milliarden Euro Produktionsausfall.
Der Reformationstag fällt in diesem Jahr auf einen Samstag – und bleibt für Beschäftigte in Sachsen-Anhalt ohne zusätzlichen freien Tag. Die Linke im Landtag will das nicht länger hinnehmen: Ihre Fraktionsvorsitzende Eva von Angern fordert für jeden gesetzlichen Feiertag am Wochenende einen Ersatztermin unter der Woche. Dagegen steht die Union.
Am 30. Oktober veröffentlichte die Fraktion ihren Vorstoß, die Deutsche Presse-Agentur verbreitete ihn – wie WELT über die Forderung der Linken berichtet. Auch Süddeutsche Zeitung und TAG24 griffen das Thema auf.
Die Pressemitteilung der Fraktion zu Ersatzfeiertagen trägt den Titel „Feiertage, die auf das Wochenende fallen, müssen nachgeholt werden“. Adressat ist die Landespolitik: Über Feiertage entscheiden die Länderparlamente, nicht der Bund.
Drei Feiertage fallen 2026 auf einen Samstag
In Sachsen-Anhalt trifft es in diesem Jahr drei gesetzliche Feiertage. Für Beschäftigte in Fünftagewoche heißt das: Von diesen drei Tagen bleibt kein einziger zusätzlicher freier Tag.
Der Reformationstag ist in neun Bundesländern gesetzlicher Feiertag und fällt in diesem Jahr überall auf einen Samstag. In Sachsen-Anhalt ist er der mittlere von drei Wochenend-Feiertagen.
Von Angern zählt die Termine selbst auf – als Beleg dafür, wie viel Freizeit in diesem Jahr verloren geht:
„Allein in diesem Jahr fallen drei Feiertage in Sachsen-Anhalt auf das Wochenende. Das sind der Tag der Deutschen Einheit (Samstag, 03.10.), der Reformationstag (31.10.) sowie der 2. Weihnachtstag (26.12.).“
Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende Die Linke Sachsen-Anhalt
27 Stunden mehr Arbeit als der Bundesdurchschnitt
Ihr zweites Argument ist die Arbeitszeit. Beschäftigte in Sachsen-Anhalt arbeiten laut von Angern rund 27 Stunden pro Jahr mehr als der Bundesdurchschnitt – über drei volle Arbeitstage, die sie zusätzlich leisten.
Sie sagt: „Die Menschen in diesem Land werden um ihre verdiente Freizeit gebracht.“ Der Vorwurf zielt auf Tage, die im Kalender als Feiertag stehen und für viele trotzdem Arbeitstage sind.
Als Vorbilder nennt sie Australien, Belgien und Spanien. Dort sei ein Ersatztermin für Feiertage am Wochenende längst Standard – „keine Revolution“, sondern geübte Praxis, sagt von Angern.
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Die Union nennt den Vorstoß abstrus
Aus der Union kommt Widerspruch. Gitta Connemann, Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, nennt den Vorstoß „abstrus“ und beziffert einen zusätzlichen Feiertag mit einem Produktionsausfall von 8,6 Milliarden Euro.
„Jetzt über das Nachholen von Feiertagen zu sinnieren, ist abstrus. Die Zeche würden der Mittelstand und der Standort Deutschland zahlen.“
Gitta Connemann, Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion
Connemann warnt zudem, weniger Produktion senke das ohnehin zu niedrige Wirtschaftswachstum: „Deutschland kann sich keine Feiertags-Mentalität leisten.“ In der Union ist der Kurs klar – CSU-Chef Markus Söder verlangt parallel eine Stunde Mehrarbeit pro Woche, Söders Vorstoß für längere Arbeitszeiten stieß bei der Opposition auf Empörung.
Die Debatte läuft seit Dezember 2025
Neu ist die Forderung nicht. Schon am 18. Dezember 2025 verlangten Linke und Grüne Ersatzfeiertage für 2026, als absehbar war, dass mehrere Feiertage auf Wochenenden fallen. Der damalige Linken-Vorsitzende Jan van Aken sagte, die Menschen würden „um ihre verdiente Freizeit betrogen“.
Ende Dezember 2025 nannte DIW-Präsident Marcel Fratzscher die Debatte im ARD-„Morgenmagazin“ eine „Phantomdebatte“ und verwies auf einen Wachstumseffekt von nur rund 0,3 Prozent. Anfang Januar 2026 listete der MDR Nachholregelungen in Großbritannien, Spanien, Polen und Italien auf – und den Widerstand der Wirtschaftsforscher.
Von der Forderung im Dezember bis zum nächsten Wochenend-Feiertag
18. Dezember 2025
Linke und Grüne fordern Ersatzfeiertage für 2026
Angesichts mehrerer auf Wochenenden fallender Feiertage verlangen beide Parteien Nachholtermine. Die Mittelstandsunion widerspricht.
29. Dezember 2025
DIW-Präsident spricht von einer Phantomdebatte
Marcel Fratzscher verweist im ARD-„Morgenmagazin“ auf einen Wachstumseffekt von nur rund 0,3 Prozent.
2. Januar 2026
Der MDR bilanziert die Debatte
Der Sender listet Nachholregelungen in Großbritannien, Spanien, Polen und Italien sowie den Widerstand von Wirtschaftsforschern.
3. Oktober 2026
Erster Wochenend-Feiertag des Jahres
Der Tag der Deutschen Einheit fällt auf einen Samstag.
30. Oktober 2026
Die Linksfraktion legt nach
Eva von Angern fordert in einer Pressemitteilung Ersatztermine unter der Woche für alle Beschäftigten.
31. Oktober 2026
Reformationstag am Samstag
In neun Bundesländern bleibt der 31. Oktober für Beschäftigte in Fünftagewoche ohne zusätzlichen freien Tag.
26. Dezember 2026
Der nächste Anlass steht schon im Kalender
Der zweite Weihnachtsfeiertag fällt erneut auf einen Samstag.
Kein Rechtsanspruch auf einen Ersatzfreitag
Ein Automatismus, der einen Feiertag am Wochenende auf einen Werktag verschiebt, existiert nicht. Eine solche Regelung wäre Sache der Länderparlamente – in Sachsen-Anhalt müsste der Landtag entscheiden.
Der nächste Anlass steht mit dem 26. Dezember bereits im Kalender: Dann fällt der zweite Weihnachtstag erneut auf einen Samstag. Ob die Linke für ihren Vorstoß eine Mehrheit findet, entscheidet sich dort – nicht in der Debatte über Australien und Belgien.