Gorch Fock bringt Five-Sisters-Trophäe erstmals seit 1976 zurück
Bild: KI-generiert
Deutsche Marine

Gorch Fock bringt Five-Sisters-Trophäe erstmals seit 1976 zurück

Nach 165 Tagen und mehr als 14.000 Seemeilen ist die „Gorch Fock“ zurück in Kiel – mit der Five-Sisters-Trophäe, die zuletzt 1976 nach Deutschland ging. Kommandant Bornkessel sagt, die Ausbildung stehe über der Diplomatie.

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Die „Gorch Fock“ war 165 Tage unterwegs, hat in New York für Deutschland geworben – und ihr Kommandant sagt, das sei nicht der eigentliche Zweck des Schiffes gewesen. Am 31. Oktober veröffentlichte die WELT AM SONNTAG das Bordgespräch mit Kommandant Bornkessel auf dem Marinestützpunkt Kiel-Wik.

Die 189. Auslandsausbildungsreise begann am 7. April in Kiel. Wie viele Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter mitfuhren, dazu machten Marine und Kommandant unterschiedliche Angaben: Die Marine nannte 240 in drei Abschnitten, Bornkessel 217 in drei Lehrgängen. Hinzu kamen 50 Soldatinnen und Soldaten des freiwilligen Wehrdienstes im Work-&-Travel-Programm sowie rund 100 Stammbesatzungsmitglieder.

Die 189. Auslandsausbildungsreise der „Gorch Fock“

  1. 7. April 2026
    Auslaufen in Kiel

    Um 12 Uhr beginnt die Fahrt über den Atlantik.

  2. 4. Juli 2026
    Vorbeifahrt an der Freiheitsstatue

    Unter vollen Segeln gratuliert das Schiff den USA zum 250. Unabhängigkeitsjubiläum.

  3. 9. Juli 2026
    Sieg bei der Five Sisters Trophy

    Von New York nach Boston gewinnt die „Gorch Fock“ in 7:30 Stunden vor „Eagle“, „Sagres“ und „Mircea“.

  4. 12. Juli 2026
    Tiffany-Trophäe in Boston

    An Bord wird die 1976 gestiftete Trophäe übergeben.

  5. 17. September 2026
    Überraschungsfahrt durch die Kieler Förde

    Zwei Tage vor der offiziellen Rückkehr fährt das Schiff unter vollen Segeln am Landtag von Schleswig-Holstein vorbei.

  6. 19. September 2026
    Offizielles Einlaufen in Kiel

    Um 10 Uhr endet die Reise nach 165 Tagen und mehr als 14.000 Seemeilen.

Die Ausbildung zählt, nicht der Auftritt

Bornkessel zieht in dem Gespräch eine klare Rangfolge. Repräsentative und diplomatische Aufgaben seien „stets die zweite Priorität“, sagt er; im Mittelpunkt stehe die Ausbildung der Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter. Sie sei „die Existenzberechtigung dieses Schiffes“. Damit rückt er die Ausbildung gegenüber der repräsentativen Rolle des weißen Dreimasters in den Vordergrund.

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Bornkessel kennt das Schiff aus eigener Ausbildung: 1995 kam er als Offizieranwärter an Bord, seit 2024 führt er die „Gorch Fock“ – kein anderes Marineschiff steht unter dem Kommando eines Kapitäns zur See, der den Rang eines Obersts hat. Das Schiff selbst ist das älteste im Dienst befindliche der Deutschen Marine, 1958 von Blohm+Voss abgeliefert und zwischen 2015 und 2021 weitgehend neu gebaut, „zu 95 Prozent ein neues Schiff“.

Gratulant vor der Freiheitsstatue

Ein besonderer Termin der Reise lag am 4. Juli 2026. Die „Gorch Fock“ fuhr unter vollen Segeln an der Freiheitsstatue vorbei, während die Vereinigten Staaten 250 Jahre Unabhängigkeit feierten – als maritimer Gratulant der Bundesrepublik Deutschland. Wie Bornkessel diesen Auftritt einordnet, sagt er in dem Gespräch selbst.

„In New York haben wir für die Bundesrepublik Deutschland an den Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten von Amerika teilgenommen – in einer Zeit, in der das deutsch-amerikanische Verhältnis nicht ganz einfach ist. Dort vor Ort zu sein, das war schon eine große Ehre für uns. Wir wurden in den USA als die guten Freunde aus Deutschland wahrgenommen.“
Elmar Bornkessel, Kommandant der „Gorch Fock“

Nach fünf Jahrzehnten wieder ganz oben

Am 9. Juli 2026 gewann die „Gorch Fock“ die Five Sisters Trophy von New York nach Boston in 7:30 Stunden – vor der „Eagle“, der „Sagres“ und der „Mircea“. Drei Tage später wurde ihr in Boston die 1976 gestiftete Tiffany-Trophäe übergeben. Für das Schiff ist es der erste Sieg in diesem Wettbewerb seit der Premiere 1976.

„Der Sieg der „Gorch Fock“ bei der Five Sister Trophy ist ein beeindruckender Erfolg und ein starkes Zeichen für die Leistungsfähigkeit unserer Marine. Er zeigt, dass hervorragende Seemannschaft, eine exzellente Ausbildung und ein eingespieltes Team auch unter anspruchsvollen Bedingungen den Unterschied machen.“
Kai-Uwe Tetzlaff, Vorsitzender Marine im Deutschen BundeswehrVerband

Bornkessel verbindet den Erfolg direkt mit dem Ausbildungsauftrag: Die Reise habe die klassische Ausbildung „mit der diplomatischen Rolle unseres Segelschulschiffes auf besondere Weise verbunden“. Die Trophy sei „mehr als ein sportlicher Wettbewerb“ – der Gewinn stehe für die Qualität der Ausbildung, gelebten Teamgeist und die Leistungsfähigkeit von Schiff und Besatzung. Nach fünf Jahrzehnten habe die „Gorch Fock“ die Trophäe wieder nach Deutschland geholt.

Überraschungsfahrt vor dem Empfang

Die „Gorch Fock“ lief am 19. September um 10 Uhr offiziell wieder in Kiel ein, laut dem Bericht zur Rückkehr nach 165 Tagen. Begrüßt wurde sie von Elke Büdenbender. Zwei Tage zuvor war das Schiff überraschend unter vollen Segeln durch die Kieler Innenförde und am Landtag von Schleswig-Holstein vorbeigefahren.

Bornkessel selbst spricht von „einer der größten Reisen der vergangenen Jahrzehnte“ – auch wegen der Aufgabe, Deutschland dabei zu repräsentieren. Offen bleibt, warum die Marine 240 Offizieranwärter nennt und der Kommandant 217: Eine Erklärung für die Differenz von 23 findet sich in den Angaben bislang nicht.