Paapa Essiedu nennt Snape-Rolle ein Privileg trotz Morddrohungen
Bild: KI-generiert
Harry Potter

Paapa Essiedu nennt Snape-Rolle ein Privileg trotz Morddrohungen

Der britische Schauspieler Paapa Essiedu wird seit April 2025 rassistisch angefeindet, zeitweise mit Morddrohungen. Bei der TIME100-Next-Gala in New York spricht er erstmals wieder ausführlich darüber – und nennt die Rolle des Severus Snape ein Privileg und eine Ehre.

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Seit April 2025 wird Paapa Essiedu (36) rassistisch angefeindet; im März 2026 berichtete er erstmals von Morddrohungen wegen seiner Rolle in der HBO-Serie „Harry Potter“. Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, trat der britische Schauspieler in New York erstmals seit Monaten wieder ausführlich vor Journalisten. Seine Antwort auf den Hass ist keine Gegenattacke, sondern ein Satz über Handwerk.

Anlass war die Gala zur Liste TIME100 Next im „Current at Chelsea Piers“. Das Magazin TIME versammelt dort aufstrebende Persönlichkeiten aus Unterhaltung, Wirtschaft, Sport und Politik. Essiedu wurde für seine noch unveröffentlichte Rolle als Severus Snape geehrt: Severus Snape, den Zaubertrankmeister von Hogwarts. Alan Rickman hatte die Figur in allen acht Kinofilmen gespielt und starb 2016.

Der Streit um diese Besetzung ist keine Debatte über Schauspielkunst. Seit die Personalie im April 2025 bekannt wurde, zielt eine Kampagne im Netz auf Essiedus Hautfarbe: Ein schwarzer Darsteller dürfe eine Figur nicht spielen, die in den Romanen als blass und kränklich beschrieben ist. Aus Beschimpfungen wurden Gewaltdrohungen. HBO stellte ein eigenes Sicherheitsteam auf.

Konzentration auf die Aufgabe

Essiedu dezentrierte die Debatte bewusst. „Ich bin zu dieser Geschichte zuerst über die Bücher gekommen“, sagte er. „Die Menschen haben viele Gefühle dabei. Natürlich hat jeder das Recht auf seine eigene Meinung – zu was auch immer.“ Wer eine Kampfansage erwartet hatte, bekam eine Arbeitsbeschreibung.

Der Figur wolle er „so viel Demut, so viel Tiefe, Dimensionen, Schichten und Komplexität“ geben, wie sie hat. Was das für ihn bedeutet, formulierte er in einem Satz, der die Anfeindungen gegen ihn zu einer Auszeichnung umdeutet:

„Das ist mein Job, und es ist ein Privileg, und es ist eine Ehre, ihn zu tun. Ich freue mich darauf, das noch eine ganze Weile tun zu dürfen.“
Paapa Essiedu, Schauspieler, spielt Severus Snape

Gegenüber Variety betonte er den Rückhalt im Team: Wie Variety über Essiedus Umgang berichtet, hätte er den Job nicht angenommen, wenn er nicht damit umgehen könnte. Er gehe aber „mit offenen Augen“ hinein. Von der Unterstützung, den guten Wünschen und der Begeisterung sei er „überwältigt“.

Morddrohungen seit April 2025

Die Ankündigung im April 2025 war der Auslöser. Ein Jahr später zeigte HBO ein erstes Bild: Essiedu mit schulterlangen Dreadlocks, in einer Reißverschluss-Lederjacke und einem wallenden schwarzen Umhang – ein Bruch mit Rickmans knöpfrigem Roben-Look.

Im März 2026 ging er mit den Drohungen an die Öffentlichkeit. Der britischen „Sunday Times“ sagte er, eine Nachricht habe gelautet: „Steig aus, oder ich bringe dich um.“ Eine andere: „Ich komme zu deinem Haus und bringe dich um.“

Von der Besetzung bis zum Serienstart

  1. April 2025
    HBO besetzt Snape mit Paapa Essiedu

    Die Ankündigung löst eine Kampagne aus, die auf die Hautfarbe des Schauspielers zielt statt auf seine Qualifikation.

  2. März 2026
    Erstes Bild und erste Morddrohungen

    HBO zeigt Essiedu mit Dreadlocks und Lederjacke. Der Schauspieler berichtet der „Sunday Times“ von Todesdrohungen, der Sender bestätigt ein Sicherheitsteam.

  3. September 2026
    Aufnahme in die Liste TIME100 Next

    Das Porträt für das Magazin TIME schreibt Bryan Cranston, sein Bühnenpartner in „All My Sons“.

  4. 29. Oktober 2026
    Essiedu spricht auf der Gala in New York

    Er nennt die Rolle ein Privileg und eine Ehre und sagt, er gehe mit offenen Augen in die Aufgabe.

  5. 25. Dezember 2026
    Start der ersten Staffel

    „Harry Potter und der Stein der Weisen“ läuft bei HBO Max, in Deutschland unter demselben Titel.

Emotional treffe ihn das, sagte er damals – und beschrieb, woraus er die Kraft nimmt: „Viele Menschen setzen in ihrer Arbeit ihr Leben aufs Spiel. Ich spiele einen Zauberer in Harry Potter. Und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass es mich emotional nicht trifft.“ Es mache ihn leidenschaftlicher, die Figur zu seiner zu machen: Er habe sich als Kind selbst auf einem Besen in Hogwarts gesehen.

HBO richtet ein Sicherheitsteam ein

Der Sender reagierte auf die Drohungen mit einem eigenen Sicherheitsteam und Schulungen für den Umgang mit sozialen Medien. Der damalige HBO-Chef Casey Bloys sagte, man habe mit solchen Reaktionen gerechnet – und beschreibt damit, wie sehr die Produktion mit Widerstand kalkulierte:

„Für jede solche Serie haben wir das erwartet und versucht, Schulungen zu haben, Best Practices im Umgang mit sozialen Medien. Und wir haben offensichtlich ein ernsthaftes Sicherheitsteam.“
Casey Bloys, damaliger HBO-Chef, heute Chief Content Officer bei Skydance DTC

Rückendeckung kam auch aus dem alten Ensemble. Jason Isaacs, in den Filmen Lucius Malfoy, nannte Essiedu auf einem FanExpo-Panel in Denver „einen der besten Schauspieler, die ich in meinem Leben gesehen habe“ und kritisierte den Rassismus hinter der Kritik. Seine neuen Kollegen John Lithgow und Bel Powley stellten sich öffentlich gegen J. K. Rowlings Positionen zu Transrechten.

Die zweite Front: ein offener Brief

Die Ablehnung speist sich aus zwei Quellen. Nach dem Urteil des britischen Supreme Court, das Transfrauen die rechtliche Anerkennung als Frauen verwehrt und das Rowling feierte, unterzeichnete Essiedu einen offenen Brief an BAFTA, BBC, BFI und Channel 4. Mehr als 400 Menschen forderten darin, die Institutionen sollten sich zum Schutz von Transmenschen bekennen.

Rowling reagierte auf X und nahm Wind aus der Debatte: Sie habe nicht die Macht, einen Schauspieler aus der Serie zu entfernen, schrieb sie, und würde diese Macht auch nicht nutzen. Ein Rauswurf Essiedus war damit vom Tisch.

Ein Serienstart unter Höchstdruck

Die Serie ist als Jahrzehntprojekt angelegt: Jede der sieben Rowling-Staffeln soll eine eigene Staffel erhalten. Die erste, „Harry Potter und der Stein der Weisen“, startet am 25. Dezember 2026 bei HBO Max, in Deutschland unter demselben Titel. Warner Bros. bewirbt das Projekt intern als „Streaming-Ereignis des Jahrzehnts“.

Anders als die Filme orientiert sich die Serie am Alter der Romanfiguren: Snape ist zu Beginn 31 Jahre alt, auch die Dursleys sind jünger. Dominic McLaughlin spielt Harry, Alastair Stout Ron, Arabella Stanton Hermine, John Lithgow Dumbledore, Janet McTeer McGonagall, Nick Frost Hagrid und Lox Pratt Draco Malfoy.

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Essiedus Karriere begann 2016: Als erster schwarzer Schauspieler spielte er für die Royal Shakespeare Company den Hamlet und gewann den Ian Charleson Award; später kamen zwei BAFTA-Nominierungen für „I May Destroy You“ und „The Lazarus Project“ dazu.

Bei der Gala würdigte ihn Bryan Cranston, sein Bühnenpartner in „All My Sons“. In Cranstons Porträt über Essiedu für TIME100 Next schreibt er, Essiedu habe „dieses angeborene Gespür für Empathie, ein Mitgefühl für Menschen, die er kennt und die er nicht kennt“.

Am 25. Dezember wird sich zeigen, ob das Publikum die Figur annimmt. Bis dahin bleibt offen, ob die Sicherheitsvorkehrungen reichen – und ob der Streit um die Hautfarbe eines Schauspielers den Start der Serie überschattet.