König Charles steht in Antigua minutenlang ohne Schirm im Regen
Bild: KI-generiert
Karibikreise

König Charles steht in Antigua minutenlang ohne Schirm im Regen

Starkregen beim Einzug zur Unabhängigkeitsparade in Antigua: Camilla bekommt sofort ein Schutzdach, Charles ruft „Where’s the umbrella?“ – und erhält erst Minuten später einen Schirm. Sein Anzug ist da längst durchnässt.

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Der König stand im Regen, sein Schirm kam zu spät. Als Charles III. (77) am Sonntag, 1. November, zum Einzug der Independence Ceremonial Parade auf das rot ausgelegte Podium im Sir Vivian Richards Stadium trat, öffnete sich über North Sound bei St. John’s der Himmel: Starkregen und böiger Wind fegten über das Kricketstadion.

Die Königin war schneller versorgt. Camilla (79) bekam nach kurzer Zeit einen durchsichtigen Dom-Regenschirm gereicht. Begleitet von einer Offizierin verließ sie das Podium und ging zur königlichen Tribüne neben den Ehrengästen, von wo aus sie die Feierlichkeiten weiter verfolgte und gestikulierend über das Wetter sprach.

Charles blieb zurück, ohne Schutz, vor den angetretenen Soldaten und der Stadionkulisse. Der König drehte sich um, riss die Arme in die Höhe, deutete einen Schirm über dem Kopf an und rief seinem Gefolge mehrfach „Where’s the umbrella?“ zu, wie ITV über den König im Wolkenbruch berichtet. Erst danach wurde ein schwarzer Regenschirm herbeigeschafft.

Erst nach Minuten ein schwarzer Schirm

Sein beiger Anzug mit farbiger Krawatte war zu diesem Zeitpunkt bereits völlig durchnässt – die FAZ-Schilderung der Militärparade im Regen beschreibt, wie ungeschützt der Monarch stand. Auf dem roten Teppich lief Charles einige Schritte in Richtung Camilla und kehrte wieder zum Podium zurück.

Der Schauer endete so schnell, wie er begonnen hatte: Nach rund fünf Minuten war es trocken, und das Programm lief weiter. Charles stand auf dem Podium, während die Truppen auf dem zum Paradefeld umfunktionierten Kricketplatz stillstanden.

Dann trat er unter seinem Schirm hervor und schritt die Reihen der Servicekräfte zur Inspektion ab. Bei seiner Rückkehr jubelte ihm das Publikum zu, der König dankte mit einem Wink. Laut Court Circular nahm er zudem eine Feu de Joie ab.

Zum Abschluss des Tages warf Charles beim T5-Schaukampf der Regierungschefs noch die Münze für den ersten Schlag.

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Brunnenkresse auf dem Anzug

Den Verdrossenen gab Charles nicht. Später scherzte er gegenüber dem Premierminister von Antigua und Barbuda, Gaston Browne, über seinen Zustand – der Scherz wurde später über den offiziellen Account der Royal Family verbreitet.

„Ich glaube, mir wächst gleich Brunnenkresse auf dem Anzug.“
Charles III., König von Großbritannien

Über den offiziellen Account der Royal Family fand der Scherz seinen Weg in die internationale Berichterstattung. Seit Montag, 2. November, gehen die Bilder aus dem Stadion durch die Medien.

Auch Camilla zeigte sich amüsiert. Vor einem Treffen mit Kricket-Legenden wandte sie sich lachend an Journalisten, deutete auf ihre zerzauste Frisur und sagte: „I’ve given up“ – „Ich habe es aufgegeben.“ Sie trug ein weißes Chiffonkleid von Anna Valentine mit Goldstickerei, das der Regen durchnässt hatte.

Zuvor waren dem Paar „National Honourees“ vorgestellt worden – Menschen, die sich um das Land in Kultur, Sport, Bildung und Gemeinwesen verdient gemacht haben.

Nach dem Schlusszeremoniell trafen Charles und Camilla vier zu Rittern geschlagene Größen des westindischen Kricket: Sir Viv Richards, Sir Richie Richardson, Sir Andy Roberts und Sir Curtly Ambrose, im Raum mit dem Porträt von Richards.

Der Schatten des Sklavenhandels

Die Bilder vom durchnässten Monarchen fielen mitten in einen politisch aufgeladenen Besuch. Antigua und Barbuda ist die letzte Station einer neuntägigen Reise, die Charles zuvor zu den Bahamas und als Staatsbesuch nach Guyana geführt hatte; Camilla begleitete ihn nur auf dem letzten Abschnitt.

Am Dienstag, 3. November, will der König in St. John’s den Commonwealth-Gipfel der 56 Staaten eröffnen und nach Angaben des Palastes mit „unerschütterlicher Ehrlichkeit“ und „aufrichtiger Trauer“ über das anhaltende Leid des transatlantischen Sklavenhandels sprechen. Eine formelle Entschuldigung ist nicht vorgesehen.

Karibische Staaten fordern seit Jahren Aufarbeitung und Reparationszahlungen. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte sich zuletzt offen für eine Entschuldigung gezeigt, Reparationen aber abgelehnt.

Ob die Bilder vom nassen König am Dienstag die Rede über den Sklavenhandel überlagern, entscheidet sich beim Gipfelauftakt in St. John’s. Bis zum Ende der Reise am 4. November wird jeder Auftritt unter freiem Himmel an diesen fünf Minuten gemessen.