Beim Altersvorsorgedepot liegen 176.000 Euro zwischen Anbietern
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Private Rente

Beim Altersvorsorgedepot liegen 176.000 Euro zwischen Anbietern

15 Angebote für das ab Januar 2027 geförderte Altersvorsorgedepot sind durchgerechnet – zwischen günstigstem und teuerstem Anbieter liegen bis zu 176.000 Euro. Ein Wechsel kostet zusätzlich bis zu 300 Euro.

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176.000 Euro. So viel Unterschied im Endvermögen steckt zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot für das neue Altersvorsorgedepot – gerechnet über ein ganzes Sparerleben. Wer im Januar den erstbesten Vertrag unterschreibt, kann diese Differenz kaum noch aufholen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von WELTplus, für die die durchgerechneten Angebote von 15 Anbietern verglichen wurden. Redakteur Holger Zschäpitz veröffentlichte sie am 2. November, keine zwei Monate vor dem Start am 1. Januar 2027.

Auf diesen Markt drängen mehr als 70 Unternehmen: Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital, Sparkassen mit ihrer Fondsgesellschaft Deka, dazu Union Investment und weitere Fondsanbieter. Sie alle wollen an die Kundengelder – und streiten darüber, wer die niedrigsten Kosten ausweist.

Mehr als 70 Anbieter drängen in den Markt

Die Konditionen liegen weit auseinander. Scalable Capital nennt seit dem 27. August als erster großer Anbieter Zahlen: Standarddepot gebührenfrei, 2027 zusätzlich ohne Fondskosten. flatexDEGIRO verspricht fünf Jahre ohne Fondskosten, danach höchstens 0,07 Prozent pro Jahr. Die Deka kündigte Mitte September 0,1 Prozent Effektivkosten an.

Scalable-Chef Erik Podzuweit spricht offen aus, worauf das Geschäft baut: „Es ist sticky money“, sagte er über die Kundengelder. Wer erst einmal eingezahlt hat, bleibt – auch wenn der Anbieter teurer ist als die Konkurrenz.

Hecker wirbt mit dem Produkt selbst, nicht mit dem Preis. Der Vergleich lohnt trotzdem: Das Reformgesetz zur Ablösung der Riester-Rente im Neugeschäft beschloss der Bundestag bereits im März.

Der Umzug kostet bis zu 300 Euro

Teuer wird auch die Korrektur. In den ersten fünf Jahren kostet ein Anbieterwechsel bis zu 150 Euro beim abgebenden und noch einmal bis zu 150 Euro beim aufnehmenden Anbieter. Gratis ist der Umzug erst danach – wer früh danebenliegt, zahlt also doppelt: hohe Kosten und hohe Hürden.

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Alberto del Pozo, Vorsorgechef von Union Investment, nimmt die Nullkosten-Versprechen auseinander: „Es gibt keine Nullkostenprodukte.“ Irgendwo fallen Kosten an – im Fondsprodukt oder über die Vermittlung eines anderen Angebots statt des günstigen Standarddepots.

Genau dort sieht Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein das Problem. Das billigste Produkt werde kaum den Weg zum Kunden finden, weil daran nichts zu verdienen ist. Wer sich beraten lässt, landet deshalb häufig beim teureren Angebot.

„Vermittler werden das Standarddepot kaum verkaufen“
Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker

Warten statt im Januar unterschreiben

Stiftung Warentest bremst die Kauflaune zusätzlich. Die Tester veröffentlichten am 27. Oktober ihren Konditionencheck zum Preiskampf ums Altersvorsorgedepot und rieten ausdrücklich dazu, sich Zeit zu lassen statt zum Start zuzuschlagen.

Verträge für das Altersvorsorgedepot können erst ab dem 1. Januar 2027 abgeschlossen werden.

Vom Gesetz bis zum Marktstart

  1. 27. März 2026
    Bundestag beschließt das Altersvorsorgereformgesetz

    Das Altersvorsorgedepot wird im Neugeschäft Nachfolger der Riester-Rente.

  2. 8. Mai 2026
    Bundesrat stimmt zu

    Die Rechtsgrundlagen treten Ende Mai in Kraft.

  3. 27. August 2026
    Scalable Capital nennt als erster großer Anbieter Konditionen

    Standarddepot gebührenfrei, 2027 zusätzlich ohne Fondskosten.

  4. 24. September 2026
    flatexDEGIRO kontert

    Fünf Jahre ohne Fondskosten, danach maximal 0,07 Prozent pro Jahr.

  5. 27. Oktober 2026
    Stiftung Warentest rät zur Eile-Losigkeit

    Der Konditionencheck zum Preiskampf warnt vor dem schnellen Abschluss.

  6. 1. Januar 2027
    Geplanter Start des geförderten Depots

    Erst dann sind Vertragsabschlüsse möglich.

Bis dahin bleibt offen, wie viele der mehr als 70 Anbieter ihre Ankündigungen tatsächlich durchhalten, wenn im Januar die ersten Verträge unterschrieben werden. Und ob der Gesetzgeber die Wechselkosten von bis zu 300 Euro noch einmal senkt, ist bislang nicht beschlossen.