Marco Schreyl nennt sein Coming-out keine große Befreiung
2023 machte Marco Schreyl seine Homosexualität öffentlich. Im Podcast sagt er nun, das sei keine Befreiung gewesen – und erinnert sich an Bohlen-Sprüche aus DSDS-Zeiten, gegen die er sich nicht wehrte.
Marco Schreyl (52) widerspricht dem Bild, das viele mit einem späten Coming-out verbinden. Sein öffentliches Bekenntnis zur Homosexualität im November 2023 sei keine „große Befreiung“ gewesen, sagt der Moderator. Seine Erklärung: „Es ist einfach passiert.“
Zu hören ist das in Folge 77 von Bettina Böttingers Podcast „Zwischen den Zeilen“, die am 3. November 2026 erschienen ist und den Titel „Marco Schreyl: Das Leben ist zum Leben da“ trägt. Darin blickt der frühere DSDS-Moderator auf die 2000er-Jahre zurück – und auf die Zeit, in der er über sein Privatleben schwieg.
Der 52-Jährige benennt in dem Gespräch die Bemerkungen, die er in seiner DSDS-Zeit als Anspielung auf seine Homosexualität verstand. Es ist der Versuch einer nachgeholten Antwort – Jahre nachdem er als Moderator an der Seite von Jury-Chef Dieter Bohlen (72) stand.
Mit 50 war die Sache für ihn klar
Schreyl beschreibt seine Haltung vor dem Coming-out nicht als Versteckspiel. Er sei 50 gewesen, sagt er, und jeder habe erkennen können, dass er nicht verheiratet, nicht an eine Frau vergeben war und nicht über sein Privatleben redete.
„Ich bin 50 und wer nicht checkt, dass ich nicht verheiratet, nicht an eine Frau vergeben bin, nicht über mein Privatleben intensiv rede ... Wer dann nicht checkt, dass ich dann wohl schwul bin, der hat wohl seine Birne zwischen den Schultern nicht an der richtigen Stelle.“
Marco Schreyl, Moderator
Der Satz richtet sich an alle, die trotzdem nachfragten. Schreyl macht damit deutlich, dass er sein Schweigen nicht als Tarnung verstand, sondern als gesetzte Grenze – wer sie überschritt, hatte aus seiner Sicht nicht aufgepasst.
Was Dieter Bohlen in den 2000ern sagte
Böttinger fragt ihn nach Dieter Bohlen. Schreyl moderierte von 2005 an sieben Staffeln von „Deutschland sucht den Superstar“ an der Seite des Jury-Chefs. Er erinnert sich an dessen Bemerkungen aus dieser Zeit, die er als Anspielung auf seine Homosexualität verstand – und denen er damals nichts entgegensetzen konnte, wie er sich an Sprüche von Dieter Bohlen erinnert.
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Heute weiß er, was er damals hätte sagen sollen: „dass ich mit viel Selbstverständlichkeit gesagt hätte: ‚Was tut das gerade zur Sache? Wo ist dein Problem? Weil ich ein schwuler Mann bin und du nicht?‘“ Es folgt der Satz, der den ganzen Rückblick trägt: „Das finde ich schade, dass mir das nicht gelungen ist.“
Bohlen steht für öffentliche Abrechnungen nicht zum ersten Mal im Zentrum: Auch Mark Medlock rechnet mit Dieter Bohlen ab und beschreibt das einstige Traum-Duo als reine Geschäftsbeziehung.
Mit 15 der erste Schwarm – und Scham
Noch weiter zurück führt ihn die Frage nach dem ersten Verliebtsein. Mit „15 oder 16“ habe er sich in einen Mitschüler verliebt, sagt Schreyl. „Aber dann hat mich das fast verstört, dass ich so einen Klassenkameraden ganz toll finde.“
Rückblickend beschreibt er eine Scham, die er selbst nicht begründen kann: „Ich habe mich für mich geschämt an mancher Stelle – obwohl ich mich nicht schlimm fand.“ Für einen Moderator, der heute über solche Sätze spricht, ist das die eigentliche Nachricht des Gesprächs.
Vom DSDS-Aus zum Morgenradio
Zwischen dem ersten Schwarm und dem späten Coming-out liegen Jahre, in denen berufliche Brüche und private Schicksalsschläge zusammenkamen. 2011 wurde Schreyl nach Darstellung von queer.de Opfer einer „Bild“-Kampagne, die seine Homosexualität mit seinen „schlüpfrigen Sprüchen“ verknüpfte. Ein Jahr später war Schluss bei RTL.
Die Stationen von Marco Schreyl
2005
Start bei DSDS
Schreyl übernimmt die Moderation von „Deutschland sucht den Superstar“ – insgesamt sieben Staffeln an der Seite von Jury-Chef Dieter Bohlen.
2011
Kampagne gegen ihn
Nach Darstellung von queer.de verknüpft eine „Bild“-Kampagne seine Homosexualität mit seinen „schlüpfrigen Sprüchen“.
2012
Aus bei RTL
RTL gibt bekannt, dass Schreyl DSDS und „Das Supertalent“ nicht mehr moderiert. Es folgen Engagements bei MDR und WDR.
2015
Diagnose in der Familie
Bei Schreyls Mutter wird Chorea Huntington diagnostiziert.
2021
Tod der Mutter
Schreyls Mutter stirbt kurz nach ihrem Ehemann.
November 2023
Buch und Coming-out
Seine Biografie „Alles gut? Das meiste schon!“ erscheint, mit 49 Jahren macht er seine Homosexualität öffentlich. RTL verlängert den auslaufenden Vertrag nicht.
Sein Coming-out fiel in dasselbe Jahr, in dem RTL die Zusammenarbeit beendete; die Morgenstrecke übernahm Jan Malte Andresen. Im Buch und in einem Interview über seinen Partner sprach er erstmals offen über sein Privatleben.
Ob Dieter Bohlen auf die Aussagen aus der Podcast-Folge reagiert, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Schreyl selbst hat in dem Gespräch eine Antwort formuliert, die er vor rund 20 Jahren schuldig blieb – ob er sie Bohlen auch persönlich sagen würde, sagt er nicht.