Selenskyjs Ex-Sprecherin Mendel droht lebenslange Haft
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Hochverrat

Selenskyjs Ex-Sprecherin Mendel droht lebenslange Haft

Der ukrainische Geheimdienst SBU und die Generalstaatsanwaltschaft verdächtigen Julia Mendel des Hochverrats. Die frühere Sprecherin von Präsident Selenskyj lebt im Ausland, bei einer Verurteilung droht ihr lebenslange Haft. Mendel nennt den Verdacht den Preis für freie Meinungsäußerung.

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Der Hochverratsverdacht könnte Julia Mendel die Freiheit kosten – für immer. Am 3. November 2026 teilten der ukrainische Geheimdienst SBU und die Generalstaatsanwaltschaft der früheren Sprecherin von Präsident Wolodymyr Selenskyj in Abwesenheit mit, dass sie als Verdächtige geführt wird.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Hochverrat nach Artikel 111 Absatz 2 des ukrainischen Strafgesetzbuchs sowie Rechtfertigung, Legitimierung und Leugnung der russischen Aggression nach Artikel 436-2 Absätze 2 und 3. Weil das Kriegsrecht gilt, droht Mendel bei einer Verurteilung lebenslange Haft, wie die Welt über die drohende Haftstrafe berichtet.

Was die Ermittler ihr vorwerfen

Wie Kyiv Independent über die Anklage gegen Mendel berichtet, wirft der SBU ihr „Informations- und Sabotageaktivitäten gegen die Ukraine“ vor. Die Generalstaatsanwaltschaft argumentiert, Mendel habe „ihr öffentliches Profil und ihre Erfahrung in der Regierungskommunikation“ genutzt, um Narrative zu verbreiten, die dem Aggressorstaat nützten, die Ukraine diskreditierten und ihre internationale Unterstützung schwächten.

Mendel lebt im Ausland, deshalb erging die Mitteilung in Abwesenheit. Sie selbst führt den Verdacht auf ihre öffentlichen Äußerungen zurück – und darauf, dass sie Korruption im Umfeld des Präsidenten benannt hat.

„Grund für diesen Verdacht waren meine öffentlichen Äußerungen in westlichen Medien und meine Beiträge in sozialen Netzwerken – insbesondere jene, die sich auf die Aufdeckung von Korruption im Umfeld von Selenskyj, die fehlende Meinungsfreiheit und politische Verfolgungen bezogen.“
Julia Mendel, ehemalige Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten

Vom Podcast zum Sanktionsbeschluss

Längst ist das Verhältnis zerrüttet. Im Mai 2026 nannte Mendel im Podcast des US-Kommentators Tucker Carlson Selenskyj „das Haupthindernis für den Frieden“ und sagte, die Ukraine stehe „kurz vor dem Verschwinden“. Selenskyj nannte Carlson und Mendel daraufhin „verrückte Leute“.

Im August 2026 sagte sie der französischen Wochenzeitung „Le Journal du Dimanche“, Selenskyj sei „der Hauptprofiteur des Krieges“, und warf ihm Autoritarismus vor. Am 13. September 2026 setzte der Präsident Sanktionen gegen sie in Kraft. Sie folgen dem Muster, das Kiew zuvor gegen seinen ersten Bürochef Andrij Bohdan anwandte.

Von der Sprecherin zur Verdächtigen

  1. Juni 2019
    Mendel wird Sprecherin Selenskyjs

    Der neu gewählte Präsident holt die Journalistin ins Präsidialamt.

  2. Juli 2021
    Ende im Präsidialamt, Buch erscheint

    Mendel verlässt den Posten; ihr Buch lobt Selenskyj noch.

  3. Mai 2026
    Auftritt im Carlson-Podcast

    Sie nennt Selenskyj „das Haupthindernis für den Frieden“, er nennt Carlson und sie „verrückte Leute“.

  4. August 2026
    Interview mit „Le Journal du Dimanche“

    Mendel nennt Selenskyj „den Hauptprofiteur des Krieges“ und wirft ihm Autoritarismus vor.

  5. 13. September 2026
    Sanktionen treten in Kraft

    Auszeichnungen aberkannt, Vermögen zehn Jahre eingefroren, Social-Media-Seiten gesperrt.

  6. 3. November 2026
    Verdacht in Abwesenheit mitgeteilt

    SBU und Generalstaatsanwaltschaft führen sie als Verdächtige wegen Hochverrats.

Aberkannte Auszeichnungen, gesperrte Seiten

Die Sanktionen umfassen die Aberkennung aller staatlichen Auszeichnungen, das Einfrieren ihrer ukrainischen Vermögenswerte für zehn Jahre und die Sperrung ihrer Seiten in sozialen Netzwerken in der Ukraine. Im September 2026 trat Mendel zudem bei einer Veranstaltung der AfD im Ausland auf.

Mendel, Jahrgang 1986, arbeitete lange als Journalistin, unter anderem für die „New York Times“, und war von Juni 2019 bis Juli 2021 Sprecherin des ukrainischen Präsidenten. Ihr 2021 erschienenes Buch lobte Selenskyj noch. Heute wirft sie ihm Korruption, Autoritarismus und die mutwillige Verlängerung des Krieges vor. Auf die Mitteilung vom 3. November reagierte sie am selben Tag.

„Das ist der Preis für freie Meinungsäußerung und das Streben nach der Rettung der Ukraine zu Selenskyj-Zeiten.“
Julia Mendel, ehemalige Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten

Ein Verfahren mit offenem Ausgang

Die Mitteilung fiel auf einen Tag mit dichtem Programm für Selenskyj: Am 3. November war er zu Gesprächen in Berlin, mit Empfang bei Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Auftritt bei der Berliner Sicherheitskonferenz sowie Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Am 4. November griffen deutsche und internationale Medien den Verdacht breit auf. Ob es einen Antrag auf Aufhebung einer Immunität oder eine Anklageerhebung gibt, ist bislang nicht bekannt. Bis ein Gericht die Vorwürfe bestätigt, gilt Mendel als verdächtig, nicht als schuldig. Offen ist, ob die Behörden Anklage erheben – und ob sie sich dem Verfahren stellt.

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