Meissener Sauciere entpuppt sich bei „Bares für Rares“ als Urinal
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ZDF-Trödel-Show

Meissener Sauciere entpuppt sich bei „Bares für Rares“ als Urinal

Eine Sauciere ist keine Sauciere: Bei „Bares für Rares“ entpuppt sich ein Meissener Gefäß als tragbares Urinal für Frauen. Die Verkäufer wünschten sich 500 Euro, der Zuschlag lag bei 200.

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Ein Meissener Porzellangefäß wechselt bei „Bares für Rares“ für 200 Euro den Besitzer – dabei ist es kein Geschirr für die Küche, sondern ein Urinal für Frauen. Die Folge lief am 3. November 2026 aus dem Walzwerk in Pulheim bei Köln.

Eingeliefert hatten es die Eheleute Wehner als Sauciere. Kunsthistorikerin Dr. Friederike Werner erkannte darin einen Bourdalou: ein tragbares Urinal, das im 18. Jahrhundert aufkam und bis Mitte des 19. Jahrhunderts gebraucht wurde. Der Name wird auf den Jesuitenpater Louis Bourdaloue zurückgeführt.

Die Schwerter datieren das Stück auf 1860

An den Meissener Knaufschwertern lässt sich das Gefäß auf die Zeit um 1860 bis 1870 datieren. Es ist „erste Wahl“ und in hervorragendem Zustand – ein Bourdalou aus einer Zeit, in der tragbare Urinale allmählich außer Gebrauch kamen.

Verdrängt wurden sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch öffentliche Bedürfnisanstalten und Wasserklosetts. Den technischen Weg dorthin hatte 1775 Alexander Cumming geebnet, der sich ein Wasserklosett mit Siphon patentieren ließ.

Vom Nachttopf zum Sammlerstück

  1. 18. Jahrhundert
    Der Bourdalou kommt auf

    Tragbare Urinale für Frauen werden gebräuchlich; der Name wird auf den Jesuitenpater Louis Bourdaloue zurückgeführt.

  2. 1775
    Das Wasserklosett wird patentiert

    Alexander Cumming lässt ein Wasserklosett mit Siphon patentieren – der technische Wegbereiter für das Ende der Bourdalous.

  3. 2. Hälfte 19. Jahrhundert
    Öffentliche Toiletten verdrängen das Urinal

    Bedürfnisanstalten und Wasserklosetts machen tragbare Urinale überflüssig.

  4. um 1860 – 1870
    Das Gefäß aus Pulheim entsteht

    Die Meissener Knaufschwerter datieren das gezeigte Stück in diese Zeit; es ist „erste Wahl“ und gut erhalten.

  5. 3. November 2026
    Verkauf für 200 Euro

    In der ZDF-Folge aus dem Walzwerk Pulheim enttarnt Friederike Werner das Stück, Händler Daniel Meyer bekommt den Zuschlag.

Lichter will es nicht aussprechen

Moderator Horst Lichter (64) ahnte früh, dass mit dem Stück etwas nicht stimmt – wie die Schilderung des peinlichen Moments bei Horst Lichter zeigt. Aussprechen wollte er seinen Verdacht zunächst nicht.

„Ich vermute zu wissen, was es sein könnte, ich will es nicht aussprechen. Ich warte ab, was rauskommt.“
Horst Lichter, Moderator von „Bares für Rares“

Der Moderator, der wie der Verkäufer aus der Gastronomie kommt, lieferte dann den entscheidenden Hinweis: „Mir fällt natürlich auf, es fehlt vorne der Ausguss.“ Eine Sauciere brauche vorne eine Tülle. Peinlich berührt sei er nicht, sagte Lichter, „aber es ist nicht für Soßen gedacht“.

Im Händlerraum sorgte die Auflösung für Heiterkeit. Markus Wildhagen sagte: „Also wenn du das in der Hand hast, denke ich direkt an Sauce Hollandaise.“ Sarah Schreiber rief: „Oh mein Gott, lasst die Leute bitte reinkommen! Es wird furchtbar!“

500 Euro erhofft, 200 Euro gezahlt

Der Wunschpreis der Verkäufer lag bei 500 Euro. Werner hielt diese Summe für realistisch – im Händlerraum staunte man über die Schätzung von bis zu 500 Euro für ein Gefäß, das auf dem Tisch zunächst wie eine Sauciere aussah.

Händler Daniel Meyer, der angibt, alles von Meissen zu sammeln, startete mit 50 Euro. Am Ende bekam er den Bourdalou für 200 Euro zugeschlagen – 40 Prozent des Wunschpreises und deutlich unter der Schätzung.

„Ich sammele alles von Meissen, aber das habe ich noch nicht“, sagte Meyer. Werner hatte das Gefäß zuvor trocken kommentiert: „Ein Gefäß, in das ordentlich was reinpasst.“

Lichter stichelte, die Bratensoße schmecke daraus „genauso“. Meyer nahm den Spott mit Humor:

„Manche Dinge probiert man ja gerne zu Hause aus, das werde ich in diesem Fall nicht tun.“
Daniel Meyer, Kunst- und Antiquitätenhändler

Eine Lücke in der Sammlung

Für Meyer ist der Bourdalou vor allem eine Lücke in seiner Sammlung: Er sammelt nach eigener Aussage alles von Meissen, ein solches Gefäß fehlte ihm noch. Ob es dort bleibt oder weiterverkauft wird, ist offen.

Mehrere Redaktionen haben über die Szene und den Verkauf berichtet, darunter der Bericht über das Urinal aus Meissener Porzellan. Offen bleibt, ob Meissen-Sammler für ein Bourdalou künftig mehr als 200 Euro zahlen – Vergleichspreise für das unscheinbare Gefäß liefert die Sendung nicht.

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