Autohaus-König-Chef Steeger fliegt in der Insolvenz nach Marokko
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Autohandel

Autohaus-König-Chef Steeger fliegt in der Insolvenz nach Marokko

Der Chef des insolventen Autohaus König ist mitten in der Pleite zu einem Kurzurlaub nach Marokko geflogen, während 1200 Beschäftigte um ihre Jobs und Tausende Kunden um bezahlte Autos bangen. Dem Unternehmen standen 212 Millionen Euro Schulden und 1,3 Millionen Euro liquide Mittel gegenüber.

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Während rund 1200 Beschäftigte um ihre Jobs bangen und Tausende Kunden auf bezahlte Fahrzeuge warten, ist der Chef des insolventen Autohaus König zu einem Kurzurlaub nach Marokko geflogen. Nach dem Bericht über den Kurzurlaub in Marokko sorgt der Trip intern für viel Ärger.

Hinter dem Unternehmen liegt der Insolvenzantrag vom 26. August 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg. Zum Zeitpunkt des Antrags standen mehr als 212 Millionen Euro fälligen Verbindlichkeiten nur 1,3 Millionen Euro liquide Mittel gegenüber – rund 0,7 Prozent der Schulden wären damals überhaupt zahlbar gewesen.

Dirk Steeger kam 2003 als Gesellschafter in das Unternehmen und hielt zuletzt rund 16 Prozent der Anteile. Im Handelsregister steht er als Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb sowie als Sprecher der Geschäftsführung. Rund zwei Drittel der Anteile liegen bei Dagmar König.

Am 4. November griff die BZ Berlin den Vorgang unter dem Titel „Und der Chef macht Urlaub in Marokko“ auf; vorangestellt war ein Foto des Stammhauses an der Kolonnenstraße in Schöneberg. Die Titelgeschichte über den Urlaub des Chefs stellt Kunden, die auf ihre Autos warten, Mitarbeitern gegenüber, die um ihre Jobs bangen.

Der Absturz nach dem Rekordjahr

Die Autohaus Gotthard König GmbH ist mit rund 82 Standorten und etwa 1200 Beschäftigten einer der größten Mehrmarken-Autohändler Deutschlands und einer der größten Renault-Vertragshändler. Noch im April 2025 meldete das Unternehmen das beste erste Quartal der Firmengeschichte mit 11.612 verkauften Fahrzeugen; im Januar 2026 kamen das Autozentrum Treskow und ein früherer KTM-Betrieb in Hamburg-Lokstedt hinzu.

Im September 2026 berichtete Business Insider über Fahrzeugbriefe, nicht abgeführte Umsatzsteuer und Darlehen an die König Leasing GmbH. Anfang Oktober verpflichtete das Landgericht Berlin das Management per einstweiliger Verfügung, die Gesellschafterliste im Handelsregister zu korrigieren.

Von der Werkstatt in die Insolvenz

  1. 1966
    Gründung in West-Berlin

    Gotthard und Marianne König eröffnen in der Dennewitzstraße eine kleine offene Werkstatt – die Keimzelle des späteren Autohaus König.

  2. 2003
    Steeger wird Gesellschafter

    Dirk Steeger tritt als Gesellschafter in das Unternehmen ein, zuletzt hält er rund 16 Prozent der Anteile.

  3. 26. August 2026
    Insolvenzantrag in Charlottenburg

    Die Autohaus Gotthard König GmbH stellt beim Amtsgericht Charlottenburg den Insolvenzantrag.

  4. 1. September 2026
    Eckert wird vorläufiger Verwalter

    Das vorläufige Insolvenzverfahren wird angeordnet, Rechtsanwalt Rainer Eckert übernimmt als vorläufiger Insolvenzverwalter.

  5. 20. Oktober 2026
    Frist für Übernahmeangebote

    Drei Interessenten geben Angebote ab, auch Steeger soll an einem Teil der Autohäuser interessiert sein.

  6. 3. November 2026
    Bericht über den Marokko-Trip

    WELT meldet um 14:37 Uhr, dass Steeger mitten in der Insolvenz für einen Kurzurlaub nach Marokko geflogen ist.

Drei Bieter – und ein Chef mit eigenem Interesse

Parallel zum Marokko-Trip ringen drei Interessenten um die Übernahme der Gruppe: die AVAG Holding, die Van Mossel Automotive Group und die König Mobility Group. Auch Steeger selbst soll an einem Teil der Autohäuser interessiert sein. Eine Einigung war für den 2. November im Gespräch, der 3. November galt als entscheidender Tag für die Zukunft des Unternehmens.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Rainer Eckert verweist auf gescheiterte Verhandlungen zwischen Management, Gesellschafterfamilie, Kreditgebern und Herstellern – nicht auf einen einzelnen Fehler:

„Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten, Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie, Kreditgeber und Herstellerpartner, ließ sich eine Lösung außerhalb der Insolvenz zuletzt nicht mehr erreichen.“
Rainer Eckert, vorläufiger Insolvenzverwalter

3000 Kunden warten, das Insolvenzgeld läuft aus

Zwischen 3000 und 4000 Kundinnen und Kunden warten auf Fahrzeuge, die sie bereits ganz oder teilweise bezahlt haben. Am 29. Oktober berichtete WELT zudem über eine interne Liste mit mehr als 2200 Fahrzeugen und einen unklaren Verbleib von Kundengeldern in Millionenhöhe.

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Für die Beschäftigten ist das Insolvenzgeld nur noch bis November gesichert. Ob die drei Bieter den Zuschlag bekommen, ob Steeger Teile der Autohäuser übernimmt und wann die Kunden ihre bezahlten Fahrzeuge sehen – offen ist, wer den 1200 Beschäftigten und den wartenden Kunden sagt, wie es weitergeht.