Hackerangriff auf Kühlregale kostet Edeka-Händler 360.000 Euro
Bild: KI-generiert
Cybersicherheit

Hackerangriff auf Kühlregale kostet Edeka-Händler 360.000 Euro

Ein Angriff auf vernetzte Kühlanlagen hat erstmals deutsche Supermärkte getroffen: In Lilienthal bei Bremen verlor ein Edeka-Inhaber Waren für über 360.000 Euro. Die Täter sind unbekannt, die EU-Kommission berief zwei Krisentreffen ein.

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Die Kühlregale im Edeka-Markt im niedersächsischen Lilienthal bei Bremen zeigten 30 Grad. Was Unbekannte in der Nacht zum 2. November aus der Ferne anrichteten, kostet Inhaber Daniel Breiding nach eigenen Angaben mehr als 360.000 Euro, wie er im Gespräch über den Hackerangriff schildert.

Der Fall ist einer von mehreren in Deutschland. Angreifer verschafften sich Zugriff auf vernetzte Kälte- und Klimasteuerungen in Supermärkten mehrerer europäischer Länder und schalteten sie vom Kühl- in den Abtau- oder Heizmodus. In einzelnen Filialen kletterten die Temperaturen auf bis zu 50 Grad.

In Reisbach in Niederbayern maß der Edeka-Markt Ernst 50 Grad. Betroffen waren außerdem der Rewe-Markt Büsken in Raesfeld, zwei CAP-Märkte in Wuppertal und Wetter-Volmarstein sowie ein Geschäft in Diepholz. Rewe bestätigte den Angriff auf den dänischen Systemanbieter Danfoss. Einen Überblick über die betroffenen deutschen Filialen gibt die Tagesschau.

„Wir mussten Waren im Wert von über 360.000 Euro wegwerfen. Es war alles nicht mehr verkaufsfähig.“
Daniel Breiding, Inhaber des Edeka-Markts in Lilienthal

Neun Länder, Dutzende Filialen

Die Angriffsnacht traf Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland, die Niederlande, Italien und Portugal. In Belgien meldeten Delhaize rund 40 betroffene Filialen, Carrefour 15 und Spar 5. Aus Irland sind 13 Märkte bekannt, aus den Niederlanden mindestens 17 Geschäfte.

Betroffene Supermarkt-Filialen nach Land und Kette

Bekannte Fälle aus der Angriffsnacht zum 2. November 2026

Quelle: Belga, TT, Medienberichte, 2./3. November 2026

Für Deutschland sind die Vorfälle in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die ersten dieser Art. Wie viele Filialen bundesweit insgesamt betroffen sind, ist unklar.

Offene Schnittstellen, alte Standard-Passwörter

Einfallstor waren vernetzte Steuerungsmodule, vor allem des dänischen Herstellers Danfoss. Viele davon liefen mit veralteter Software, hatten offene Internetschnittstellen und unveränderte Standard-Passwörter – der Zugriff war damit vergleichsweise einfach.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits Mitte Oktober empfohlen, direkte Internetzugriffe auf Steuerungsanlagen zu kappen und stattdessen VPN zu nutzen. BSI-Präsidentin Claudia Plattner sagt zu den Betreibern: „Derartige Einfallstore laden regelrecht zu Sabotage ein. Wir fordern die Betreiber solcher Anlagen eindringlich auf, ihre Systeme sicher zu betreiben!“

Von Frankreich nach Deutschland: die Angriffsserie

  1. 12. Oktober 2026
    Großangriff in Frankreich

    In hunderten Supermärkten, darunter Intermarché, Leclerc und Carrefour, werden Kühlanlagen auf bis zu 50 Grad gestellt, tonnenweise Lebensmittel vernichtet.

  2. 13. Oktober 2026
    BSI rät zu VPN

    Die Behörde empfiehlt dringend, direkte Internetzugriffe auf Steuerungsanlagen zu kappen.

  3. 1./2. November 2026
    Angriffe in sieben weiteren Ländern

    In der Nacht zum Montag trifft es Märkte in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden.

  4. 2. November 2026
    Erste deutsche Fälle

    Vorfälle in Reisbach, Lilienthal, Raesfeld, Wuppertal und Wetter-Volmarstein werden bekannt, Rewe bestätigt den Angriff auf Danfoss.

  5. 3. November 2026
    Brüssel beruft Krisentreffen ein

    Die EU-Kommission tagt mit Enisa und Europol, ermittelt wird unter anderem in Oldenburg und Landshut.

  6. 4. November 2026
    Kühlung in Lilienthal läuft wieder

    Fleisch und Käse sind seit Dienstag erneut im Angebot; das Ausmaß in Deutschland bleibt unklar.

Krisentreffen in Brüssel, Ermittlungen in Oldenburg

Die EU-Kommission berief zwei Krisentreffen ein, an denen die Agentur Enisa und Europol beteiligt waren. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem bewussten Versuch, die Lebensmittelkette zu unterbrechen. Zugleich betonte er, die Lebensmittelsicherheit in Europa sei nicht gefährdet.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) nahm die Unternehmen in die Pflicht: „Auch alle Unternehmen, das gilt auch für die Verwaltung, müssen mehr Vorsorge tragen.“ Cybersicherheit gewinne häufiger an Bedeutung, sagte er – „leider“.

Stephan Moelants, Vorstandschef des Kühltechnik-Anbieters Sabcobel, dessen Techniker in der Angriffsnacht ab 1 Uhr ausrückten, sucht die Urheber: „Ich verstehe überhaupt nicht, was Sie davon haben. Für mich grenzt das schon an Terrorismus.“ Zu den Taten hat sich niemand bekannt, Lösegeld wurde nicht gefordert.

Sicherheitsexperten diskutieren staatlich gelenkte Akteure ebenso wie Einzeltäter oder kriminelle Hackergruppen. Die Ermittlungen führen die Zentrale Kriminalinspektion Oldenburg, die Kriminalpolizei Landshut und die belgische Staatsanwaltschaft.

Fleisch und Käse wieder im Regal

In Lilienthal läuft die Kühltechnik seit dem 4. November wieder, Fleisch und Käse sind seit Dienstag erneut im Angebot. Wie hoch der Gesamtschaden in Deutschland liegt und wer hinter den Angriffen steckt, ist weiter unklar.

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Das BSI dringt seit Mitte Oktober darauf, Steuerungen nicht offen am Internet zu betreiben. Ob die Betreiber ihre Anlagen tatsächlich abschotten, entscheidet sich in den kommenden Wochen – die Ermittlungen in Niedersachsen, Bayern und Belgien laufen weiter.