Iran setzt Ramstein auf Zielliste und droht mit vernichtendem Schlag
Irans Außenminister Araghtschi droht Deutschland mit einem „vernichtenden Schlag“, eine Teheraner Zeitung markiert Ramstein als mögliches Angriffsziel. Auslöser ist ein Satz von Kanzler Merz über die Kosten des Krieges.
Die US-Luftwaffenbasis Ramstein steht auf einer Zielliste, die eine Teheraner Tageszeitung am 3. November 2026 gedruckt hat. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte Deutschland drei Tage zuvor mit einem „vernichtenden Schlag“ gedroht.
Auslöser war ein Satz aus Seoul. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am 30. Oktober, der Konflikt lasse sich „nicht militärisch lösen“; allein die gestiegenen Energiepreise hätten Europa in acht Monaten mehr als 100 Milliarden Euro gekostet.
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Als die israelisch-US-amerikanischen Bombardierungen des Iran letztes Jahr begannen, pries Herr Merz sie.
"Doing Europe's dirty work"
100bn Euro is nothing compared to the Earth-shattering blow Iran's Powerful Armed Forces will deal against those who dare harm our people.
Red lines are a thing of the past.
X · @araghchi
Teheran rechnete anders. Araghtschi erklärte am 31. Oktober in einem Beitrag auf X, rote Linien gehörten der Vergangenheit an – und setzte die Milliardenzahl ins Verhältnis zum iranischen Drohpotenzial.
„100 Milliarden Euro sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen Streitkräfte des Irans gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen.“
Abbas Araghtschi, Außenminister des Iran
Merz' „Drecksarbeit“-Satz holt Teheran wieder ein
Araghtschi griff in seinem Beitrag auch Merz' umstrittenes ZDF-Interview vom 17. Juni 2025 beim G7-Gipfel in Kanada auf. Damals hatte der Kanzler israelische Angriffe auf den Iran als „Drecksarbeit“ bezeichnet, die Israel „für uns alle“ mache.
Der neue Oberste Führer Modschtaba Chamenei wies die Streitkräfte laut am 31. Oktober veröffentlichten Erklärungen an, auf jede Bedrohung „sofort, wirkungsvoll und geografisch uneingeschränkt“ zu reagieren. Armeesprecher Mohammad Akraminia kündigte eine erweiterte Zieldatenbank an; die Reichweite beschreibt Chameneis Anweisung zu Reaktion ohne geografische Grenzen.
Neun Länder, ein Stützpunkt in Rheinland-Pfalz
Am 3. November druckte „Hamshahri“ unter der Schlagzeile „Wir werden sehen, was passiert“ eine Europakarte mit möglichen Angriffszielen in neun Ländern. Markiert waren unter anderem Ramstein in Deutschland, Sigonella auf Sizilien und der britische Stützpunkt Akrotiri auf Zypern. Das Hardliner-Blatt „Kayhan“ veröffentlichte eine ähnliche Liste – Teil einer ausgeweiteten Drohung gegen Ziele in Europa.
Der frühere Außenminister Manouchehr Mottaki, heute Abgeordneter, nannte Großbritannien, Italien, Portugal und Deutschland als Länder, die den USA Stützpunkte für Kampfjets zur Verfügung stellten. Ein iranischer Angriff würde „nicht mehr regional“ sein, sondern „extraregional“.
Von Merz' G7-Satz zur Zielliste in Teheran
17. Juni 2025
Merz spricht von „Drecksarbeit“
Beim G7-Gipfel in Kananaskis sagt der Kanzler im ZDF-Interview über israelische Angriffe auf den Iran: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht – für uns alle.“
28. Februar 2026
US-israelische Angriffe beginnen
Der Krieg gegen den Iran beginnt; der langjährige Oberste Führer Ali Chamenei wird getötet, sein Sohn Modschtaba tritt die Nachfolge an.
30. Oktober 2026
Merz warnt in Seoul vor militärischer Lösung
Der Kanzler beziffert die Energiekostenfolgen des Kriegs für Europa auf mehr als 100 Milliarden Euro in acht Monaten.
31. Oktober 2026
Araghtschi droht Deutschland
Der Außenminister spricht von einem „vernichtenden Schlag“ und erklärt: „Rote Linien gehören der Vergangenheit an.“ Chamenei ordnet eine geografisch uneingeschränkte Reaktion an.
3. November 2026
US-Luftschlag auf Qeschm, Karte mit Zielen in Europa
Die USA greifen eine Luftabwehr- und Raketenanlage auf der Insel Qeschm an. „Hamshahri“ druckt eine Europakarte mit möglichen Zielen in neun Ländern, darunter Ramstein. Bei den Midterms verlieren Trumps Republikaner beide Kongresskammern.
4. November 2026
Trump: keine unmittelbaren Angriffspläne
Der US-Präsident sagt der „Financial Times“, die USA seien „schussbereit“, es gebe derzeit aber keine Pläne für einen Angriff.
Qeschm, Midterms und Trumps Dementi
Anlass der jüngsten Welle war ein US-Luftschlag in der Nacht zum 3. November auf eine Luftabwehr- und Raketenanlage auf der iranischen Insel Qeschm. US-Präsident Donald Trump bestätigte den Angriff und sprach von einem „kleineren Angriff“.
Politisch fällt die Eskalation mit einem Machtverlust Trumps zusammen: Bei den Zwischenwahlen am 3. November verloren seine Republikaner beide Kongresskammern. Trump sagte der „Financial Times“, es gebe derzeit keine unmittelbaren Angriffspläne, die USA seien „schussbereit“, falls nötig. Der Iran wertet den Wahlausgang als „Nein zum Krieg“.
Deutschland bleibt Adressat. Außenminister Johann Wadephul warnte, ein „neuer Waffengang“ werde das Problem „in keinem Fall lösen können“. SPD-Staatssekretär Nils Schmid verwies auf steigende Ölpreise, Inflation und die Schwächung der Weltwirtschaft.