Demokraten erobern bei US-Wahl Senat und Repräsentantenhaus
Mindestens 54 Senatssitze und mindestens 228 Mandate im Repräsentantenhaus: Die Demokraten fügen Trump eine schwere Niederlage zu. Der Präsident gratuliert – und kündigt an, Gesetze per Veto zu blockieren.
Mindestens 54 der 100 Senatssitze und mindestens 228 der 435 Mandate im Repräsentantenhaus: Die Demokraten haben Donald Trump und den Republikanern bei den US-Midterms eine schwere Niederlage zugefügt. Die Mehrheit im Repräsentantenhaus liegt bei 218 Sitzen. Nach den Hochrechnungen vom Mittwoch bleiben den Republikanern im Senat nur 44 Sitze.
Damit kontrollieren die Demokraten vom 3. Januar an beide Kammern des Kongresses. Gewählt wurden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Senatssitze; mehr als 59 Millionen Amerikaner hatten vor dem Wahltag bereits gewählt.
Historische Siege von Texas bis Kansas
In Texas gewann James Talarico den Senatssitz – der erste demokratische Sieg dort seit 1988. In Kansas setzte sich Adam Hamilton durch, erstmals seit 1932 geht der Senatssitz an einen Demokraten. Mit Abdul El-Sayed zieht der erste muslimische Senator der USA in die Kammer ein.
Auch die Gouverneurswahlen gingen an die Demokraten: In Texas schlug Gina Hinojosa den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott. Keisha Lance Bottoms wird erste afroamerikanische Gouverneurin von Georgia, Haaland die erste indigene Gouverneurin von New Mexico.
Trumps Koalition bricht auseinander
Der Sieg hat eine klare Demografie. Bei den 18- bis 29-Jährigen holen die Demokraten über 70 Prozent, bei schwarzen Wählern fast 90 Prozent, bei Latinos über 60 Prozent – die Koalition, die Trump 2024 ins Weiße Haus trug, ist an diesen Gruppen zerbrochen, wie die Analyse der Tagesschau zum Erdrutschsieg zeigt.
65 Prozent der Wähler sehen durch Trumps Politik eine Verschlechterung der Wirtschaftslage. 62 Prozent sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Für 39 Prozent ist die Wirtschaft das wichtigste Thema der Wahl.
Wie die Wähler Trump und die Wirtschaftslage bewerten
Anteile der Wähler in Prozent
Quelle: Tagesschau-Analyse zu den Midterms, 4. November 2026
Trump gratuliert und kündigt Vetos an
Bei Fox News kam Trumps Glückwunsch an die Demokraten: Sie hätten „gute Arbeit geleistet“, sagte er. Zum Verlierer der Wahl erklärte er sich nicht – und kündigte an, Gesetze der neuen Mehrheit per Veto zu blockieren. In der Wahlnacht postete er eine rote Kappe mit der Aufschrift VETO.
„Ich stand nicht auf dem Wahlzettel, und wenn ich es getan hätte, hätten wir MIT EINEM ERDRUTSCHSIEG gewonnen!“
Donald Trump, US-Präsident
Mit dem Satz weist Trump jede Verantwortung für die Niederlage von sich. Bei Fox News räumte er zugleich eine Rolle des Iran-Kriegs ein. An der Ankündigung, Gesetze per Veto zu stoppen, hält er fest – der Kongress kann beschließen, der Präsident kann blockieren.
Jeffries vor dem Speaker-Posten
Hakeem Jeffries hat die besten Aussichten, der erste afroamerikanische Speaker of the House zu werden. Über das Amt entscheidet die Konstituierung des Kongresses am 3. Januar 2027. In der Wahlnacht deutete der Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus den Sieg als Regierungsauftrag.
„Amerika ist zurück! (...) Und die Amerikaner haben klargemacht, dass sie genug von Extremismus und Korruption haben.“
Hakeem Jeffries, Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus
Der Anspruch trifft auf einen Präsidenten, der mit dem Veto droht. Mit der Mehrheit in beiden Kammern können die Demokraten eigene Gesetze verabschieden; in Kraft treten sie nur, wenn Trump sie nicht blockiert. Für Jeffries ist der 3. Januar der erste Machttest.
Berlin reagiert verhalten optimistisch
In Berlin fiel die Reaktion verhalten aus. Verteidigungsminister Boris Pistorius und SPD-Chef Lars Klingbeil gratulierten den Demokraten. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte, das Ausmaß der Niederlage und die großen Mehrheiten der Demokraten in beiden Häusern „könnten einen mäßigenden Einfluss auch auf die Außenpolitik Trumps haben“.
Ein Ende des Trumpismus erwartet Röttgen aber nicht. Siemtje Möller, Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, sagte, es bleibe zu hoffen, dass Trump keine „angry duck“ werde, „sodass wir unter den Folgen auch in Europa zu leiden haben“.
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Am 3. Januar tritt der neue Kongress zusammen. Dann entscheidet sich, ob Jeffries Speaker wird und wie schnell die Demokraten Gesetze auf den Weg bringen. Trump hat bereits angekündigt, was er dagegen halten will: sein Veto.