Tesla Grünheide baut Rekord, VW verliert 5,82 Milliarden Euro
Bild: KI-generiert
Autobau

Tesla Grünheide baut Rekord, VW verliert 5,82 Milliarden Euro

In Grünheide baut Tesla erstmals 7.000 Model Y in einer Woche und will die Menge verdoppeln. Volkswagen meldet für das dritte Quartal einen Verlust von 5,82 Milliarden Euro. Im Werk Grünheide baut Tesla derweil so viele Model Y wie nie zuvor.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Tesla baut in Grünheide 7.000 Model Y in einer Woche, so viele wie nie zuvor. Volkswagen meldet für das dritte Quartal 5,82 Milliarden Euro Verlust nach Steuern, nach 1,07 Milliarden im Vorjahr. Zwei Werke, zwei Richtungen – und ein Streit darüber, wie viel Arbeit der deutsche Autobau noch verträgt.

Auslöser der Debatte ist ein Werksbesuch: Gabor Steingart besichtigte die Gigafactory mit Werksleiter André Thierig, sein Bericht erschien am 2. November bei The Pioneer. Zwei Tage später war Gabor Steingarts Reportage über das Tesla-Werk auch bei FOCUS online zu lesen, unter dem Titel „VW in Wolfsburg stürzt ab, Tesla in Grünheide boomt“.

X · @gigafactories

Thierig rechnet gegen die Konkurrenz. Wer bei Ford in Köln beschäftigt sei, komme auf deutlich mehr Abwesenheitstage als bei Tesla, sagt er – und macht daraus den Kern des Problems der deutschen Autoindustrie:

„Wer bei Ford in Köln arbeitet, hat 30 Tage Urlaub und eine 35-Stunden-Woche. Dazu kommen 15 Freischichten, dann ist er schon bei 45 Tagen. […] Dann bin ich bei 80 Tagen Abwesenheit pro Jahr.“
André Thierig, Werksleiter Tesla Grünheide

38 Stunden statt 35 – Prämie für Gesundheit

Im Werk arbeiten rund 12.000 Menschen aus 130 Nationen, das Durchschnittsalter liegt bei 33 Jahren. Es gilt die 38-Stunden-Woche, nicht die 35 der Wettbewerber. Den Krankenstand hat Thierig nach eigenen Angaben von 14 auf vier Prozent gesenkt; wer darunter bleibt, erhält eine Prämie.

Beim Anwerben setzt der Werksleiter auf ein simples Verfahren: „Du sprichst Deutsch oder Englisch und hast Lust, bei Tesla zu arbeiten. Dann fängst du bei uns an.“ Die IG Metall bleibt im Werk in der Minderheit – bei der Betriebsratswahl Anfang März kam ihre Liste auf 2.898 Stimmen und 13 von 37 Sitzen, „Giga United“ um Michaela Schmitz auf 3.765 Stimmen und 16 Sitze, bei rund 90 Prozent Wahlbeteiligung.

Eine Million Fahrzeuge: Antrag im Dezember

Der Ausbau hat Tempo: Am 23. Oktober meldete der Gigafactory-Account erstmals 7.000 gebaute Model Y in einer Woche, Zielmarke sind 7.500. Genehmigt sind im Hauptgebäude 500.000 Fahrzeuge pro Jahr, installiert ist Technik für 375.000. Thierig will die Produktion verdoppeln und langfristig eine Million Fahrzeuge pro Jahr in Grünheide bauen.

Wie viel Grünheide heute baut – und bauen will

Fahrzeuge pro Jahr: installierte Technik, genehmigte Menge und Zielmarke des Werksleiters

Quelle: Tesla-Quartalszahlen und Genehmigungsunterlagen, Oktober/November 2026

Dafür braucht er Fläche: Eine zweite Produktionshalle mit rund 536.000 Quadratmetern ist in Vorbereitung, ein Antrag wird für Dezember 2026 erwartet, Baustart frühestens 2027. Ob der Konzern mitzieht, ist offen – Elon Musk hatte sich zum Ausbau skeptisch geäußert: „Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern.“

VW kündigt zehn Tarifverträge

In Wolfsburg ist die Richtung umgekehrt. Der Quartalsverlust geht vor allem auf eine Abschreibung von 6,4 Milliarden Euro auf Porsche zurück. Der Aufsichtsrat beschloss im September den Wegfall von rund 50.000 weiteren Stellen weltweit, zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000. Bei der Kernmarke sollen bis 2030 weitere 12.000 Stellen wegfallen, dort sind schon mehr als 35.000 Jobs abgebaut.

Der Ton wird rauer: VW kündigte zehn der 13 Haustarifverträge zum 31. Dezember 2026. IG Metall und Gesamtbetriebsrat nannten das einen „Riesenaffront“ und einen Vertrauensbruch. Am 24. November beginnen in Emden die Tarifverhandlungen, fortgesetzt wird am 15. Dezember in Zwickau. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger erwartet einen Konflikt historischen Ausmaßes:

„Alles deutet auf eine Auseinandersetzung hin, die grösser werden könnte als alles das, was dieser Konzern jemals erlebt hat.“
Thorsten Gröger, IG-Metall-Bezirksleiter

Tesla legt 290 Prozent zu, BYD bleibt vorn

Tesla wächst auch auf dem Markt: Im Oktober kamen 2.932 Neuzulassungen in Deutschland zusammen, 290,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Von Januar bis Oktober waren es 47.742 Fahrzeuge, ein Plus von 206,1 Prozent – laut Teslas Zulassungsplus im Oktober und dem BYD-Vergleich bleibt BYD mit 47.961 Einheiten knapp vorn. Ob Tesla in Grünheide wirklich eine Million Fahrzeuge baut, entscheidet der Antrag im Dezember; ob VW seine Tarifverträge durchsetzt, zeigt sich ab dem 24. November in Emden.

Umfrage
Lädt