Erzieherinnen übersehen Dreijährige in Hennigsdorfer Kita
Weil das Personal ein dreijähriges Mädchen übersieht, steht dessen Mutter vor der verschlossenen Kita Biberburg – ein Bauarbeiter kümmert sich um das Kind. Die Polizei ermittelt, die Stadt prüft, und die Einrichtung hat eine Vorgeschichte.
Die Kita war längst verschlossen, das Kind noch drin. Als die Mutter eines dreijährigen Mädchens am 22. Oktober gegen 16.45 Uhr vor der städtischen Kita Biberburg in Hennigsdorf-Nieder Neuendorf stand, hätte die Einrichtung noch bis 17 Uhr geöffnet sein müssen.
Die Erzieherinnen gingen nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass alle Kinder abgeholt waren. Die Mutter erstattete Anzeige.
Was die Polizei bislang bestätigt
Am Vormittag des 4. November bestätigte die Polizeidirektion Nord auf Anfrage, dass die Beamten wegen Verstoßes gegen die Fürsorgepflicht ermitteln. Zuerst hatte die Märkische Oderzeitung über den Fall berichtet, am selben Tag verbreiteten ihn rbb24 und dpa bundesweit.
Nach Angaben der Polizei blieb das Mädchen unverletzt. Es war vermutlich weniger als eine halbe Stunde allein.
Die Kita Biberburg ist kein unbeschriebenes Blatt. Zwischen 2019 und Anfang 2023 sperrten Erzieherinnen dort Kinder in Räume und zwangen sie zum Essen und Schlafen – der Kern eines späteren Strafverfahrens.
Im Februar 2025 verurteilte das Amtsgericht Oranienburg eine der damaligen Erzieherinnen zu einer Geldstrafe. Gegen zwei weitere Angeklagte wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt. Die Stadt Hennigsdorf kündigte damals Konsequenzen an.
Von den Missständen bis zum vergessenen Kind
2019 bis Anfang 2023
Kinder werden eingesperrt und zum Essen gezwungen
Erzieherinnen der Kita Biberburg sperren Kinder in Räume und zwingen sie zum Essen und Schlafen – Grundlage des späteren Strafverfahrens.
Februar 2025
Amtsgericht Oranienburg verhängt Geldstrafe
Eine Erzieherin wird zu einer Geldstrafe verurteilt. Zwei weitere Verfahren werden gegen Geldauflage eingestellt. Die Stadt kündigt Konsequenzen an.
22. Oktober 2026
Mutter findet Tochter allein auf dem Klettergerüst
Die Kita ist um 16.45 Uhr verschlossen, obwohl sie bis 17 Uhr geöffnet sein sollte. Ein Bauarbeiter hatte sich um das Kind gekümmert.
4. November 2026
Polizei bestätigt Ermittlungen
Die Polizeidirektion Nord ermittelt wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen die Fürsorgepflicht. Die Stadt prüft den Fall als Trägerin.
Der Träger prüft und steht unter Erklärungsdruck
Trägerin der Kita ist die Stadt Hennigsdorf. Sie prüft den aktuellen Vorfall – und muss zugleich erklären, warum es nach dem Strafverfahren von 2025 erneut möglich war, dass ein Kind am Ende des Tages übersehen wurde.
Nach dem Urteil hatte die Stadt Konsequenzen angekündigt. Welche das waren und ob sie gegriffen haben, lässt sich aus den bisherigen Veröffentlichungen nicht ablesen. Genau daran dürfte sich die Kritik der Eltern entzünden.
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Wie es für Kita und Familie weitergeht
Die Ermittlungen der Polizei laufen. Ob und wann sie abgeschlossen werden, ist offen – ebenso, ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt.
Die Mutter hat Anzeige erstattet. Ob die Stadt nach dem Vorfall die Übergabepraxis in der Kita ändert, ist bislang nicht bekannt.
Offen bleibt vorerst auch die Frage, die Eltern in Nieder Neuendorf am meisten umtreibt: Wie wird künftig kontrolliert, dass am Ende eines Tages kein Kind mehr im Gebäude oder im Garten zurückbleibt?