Dieter Nuhr verharmlost Femizide: ARD hält an Kabarettist fest
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PromisNach ARD-Auftritt

Dieter Nuhr verharmlost Femizide: ARD hält an Kabarettist fest

Mit einem Auftritt in der ARD löste Kabarettist Dieter Nuhr eine Welle der Empörung aus. Seine Bagatellisierung von Frauenmorden und der Ratschlag an Frauen, ihre Partner besser kennenzulernen, stoßen auf scharfe Kritik. Der Sender stellt sich hinter ihn.

Eklat in der Primetime

Es war eine Sendung, die für gewöhnlich mit politischer Satire und spitzer Zunge unterhält. Doch am 18. Juni 2026 kippte die Stimmung in „Nuhr im Ersten XXL“ jäh. Dieter Nuhr, 65, sorgte mit Äußerungen über Femizide für einen landesweiten Shitstorm. Der Vorwurf: Er verharmlose Gewalt gegen Frauen und mache den Opfern implizit eine Mitschuld.

Nuhr hatte zunächst pauschale Verurteilungen von Männern kritisiert und gegen den Begriff „strukturelle Gewalt“ gewettert. Dann rechnete er vor: „Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage. Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer, die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null.“

Unmittelbar daran schloss er den Ratschlag an: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“ Es folgte der sarkastische Tipp, Frauen könnten ja fragen, „ob er nebenberuflich als Frauenmörder tätig ist“.

Diese Sätze verbreiteten sich rasend schnell in den sozialen Medien. Auf TikTok und Instagram empörten sich Nutzerinnen und Nutzer. Besonders deutlich wurde die feministische Influencerin Josephine Schreiber: „Es widert mich an, wie absolut privilegierte Menschen, die wahrscheinlich niemals in ihrem beschissenen Leben Gewalt erlebt haben, dort sitzen und sich darüber totlachen, dass mehrmals die Woche in Deutschland Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet werden.“

ARD verteidigt Kunstfreiheit

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), zuständig für die Ausstrahlung, stellte sich hinter seinen Künstler. Gegenüber dem Portal „Watson“ erklärte der Sender, Nuhr dürfe als Künstler „vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren“. Man könne den Unmut nachvollziehen, müsse aber die künstlerische Freiheit achten. Satire lebe von Polarisierung.

Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren.
Rundfunk Berlin-Brandenburg

Nuhr selbst wies alle Vorwürfe zurück. Auf Facebook schrieb er: „Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun.“ Er sprach von einer lächerlichen „Interneterregung“. Seine Intention sei gewesen, pauschale Schuldzuweisungen an Männer zu kritisieren, nicht Gewaltopfer zu verspotten.

Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun.
Dieter Nuhr (Kabarettist)

Das sehen viele anders. Die Journalistin Yasmin Oshin betonte, Femizide seien fast nie von Fremden verübt, sondern von Partnern oder Ex-Partnern. Sie seien die „tödliche Spitze einer gesellschaftlichen Gewaltpyramide“, an deren Basis sexistische Witze stünden. Nuhrs Ratschlag, Männer vorab besser kennenzulernen, gehe an der Realität vorbei – Gewalt in Beziehungen zeige sich oft erst nach einer Phase der Harmonie.

Auch in den Feuilletons wuchs die Kritik. Die „taz“ kommentierte, Nuhr füttere „ein misogynes Weltbild“. Die „FAZ“ befand, er habe die Souveränität verloren und sei vom Komiker zum „Politikaster“ geworden. Zudem wurde auf statistische Schieflagen hingewiesen: Laut Bundesinnenministerium gab es 2024 in Deutschland 328 vollendete Tötungsdelikte an Mädchen und Frauen, über 50.000 weibliche Opfer von Sexualdelikten – und einen neuen Höchststand bei häuslicher Gewalt von mehr als einer Viertelmillion Fällen.

Ob Dieter Nuhr mit seiner provokativen Bühnenfigur künftig noch ungestört in der ARD auftreten kann oder ob die öffentliche Empörung den Sender zum Umdenken zwingt, ist offen. Eines hat die Kontroverse bereits bewirkt: Sie hat die Debatte über den Umgang mit Femiziden und den Grenzen künstlerischer Freiheit neu entfacht.

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