Strompreise explodieren auf 109 Cent: Hitzewelle deckt Energiewende-Schwächen auf
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Strompreise explodieren auf 109 Cent: Hitzewelle deckt Energiewende-Schwächen auf

Die extreme Hitze im Juni 2026 trieb die Börsenstrompreise auf Rekordhöhen. Besonders abends explodierten die Kosten für Verbraucher – und offenbarten die fehlende Flexibilität im deutschen Stromnetz.

Verbraucher mit dynamischen Stromtarifen mussten am Abend des 24. Juni 2026 bis zu 109 Cent pro Kilowattstunde zahlen – ein zehnfacher Anstieg gegenüber normalen Preisen. Grund war die extreme Hitzewelle, die Deutschland und Europa fest im Griff hatte, wie T-Online berichtete.

Seit dem 18. Juni warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor extremer Wärmebelastung. Temperaturen von bis zu 38 Grad und ausbleibende nächtliche Abkühlung ließen den Kühlbedarf massiv steigen. Klimaanlagen, Kühlhäuser und temperatursensible Industrieprozesse verursachten einen enormen Stromverbrauch – ausgerechnet dann, als die Stromproduktion durch Hitze und Windflaute ins Stocken geriet.

Abendliche Preisspitzen nach Sonnenuntergang

Am Day-Ahead-Markt schnellten die Preise auf über 70 Cent pro Kilowattstunde, an der Spitze fast 75 Cent. Für Haushalte mit dynamischen Tarifen wurde es noch teurer: Inklusive Steuern und Abgaben kletterte der Preis auf bis zu 109 Cent. Tagsüber drückte der reichlich vorhandene Solarstrom die Börsenpreise oft sogar in den negativen Bereich.

Die Ursache: Nach Sonnenuntergang brach die Solarstromerzeugung weg, während der Kühlbedarf hoch blieb. Die Residuallast – jener Strombedarf, der nicht durch Wind- und Sonnenenergie gedeckt wird – stieg rasant. Patrick Schöwe, Pressesprecher von Scholt Energy, warnte vor dem unterschätzten Kühlbedarf, der weit über Klimaanlagen hinausgehe.

Frankreichs Atomkraft am Limit

Nicht nur Deutschland war betroffen. In Frankreich mussten am 24. Juni sieben Atomreaktoren vom Netz genommen werden, um die Flüsse nicht übermäßig aufzuheizen. Die Atomstromproduktion sank um 9,8 Prozent. Zusätzlich fiel ein Transformator wegen Überhitzung aus, 68.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. In Großbritannien drosselten fünf große Gaskraftwerke ihre Leistung, und selbst Solaranlagen produzierten weniger als erwartet.

Stromspeicher als Hoffnungsträger

Deutschland verfügte zu diesem Zeitpunkt über beachtliche Speicherkapazitäten: 14 Gigawatt an Batteriespeichern und 10 Gigawatt an Pumpspeichern. Ein Teil des tagsüber erzeugten Solarstroms konnte so in die Abendstunden gerettet werden. Doch diese Kapazitäten reichten bei Weitem nicht aus, um die riesige Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Hinzu kam eine ausgeprägte Windflaute, die die Windstromerzeugung einbrechen ließ.

Deutschland verfügt über 14 GW Batteriespeicher und 10 GW Pumpspeicher. Damit ließ sich ein Teil des Solarstroms speichern und nach Sonnenuntergang nutzen.
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Die extremen Preisspitzen offenbarten strukturelle Probleme des Energiesystems. Deutschland hat zwar massiv in erneuerbare Energien investiert, aber zu wenig in Flexibilität und Speicher. Netzbetreiber mussten auf bewährte Vorsorgeprozesse zurückgreifen, um Kaskadeneffekte und großflächige Stromausfälle zu verhindern.

Experten werteten die Preissignale als starken wirtschaftlichen Anreiz für den weiteren Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern, wie pv magazine analysierte. Solange selbst zur Mittagszeit die Börsenpreise über den EEG-Vergütungen liegen, sei dies ein klares Zeichen für die Wirtschaftlichkeit von Investitionen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte für 2026 zwar Entlastungen bei den Netzentgelten und der Stromsteuer vorgesehen, doch die sprunghaften Börsenpreise könnten den Druck auf die Politik erhöhen, die Energiewende durch mehr Speicher und flexible Lasten wetterfest zu machen.

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