Minijobs: Rentenkommission will Sonderstatus streichen
7,5 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Minijob – bald könnten ihnen netto rund 130 Euro weniger im Monat bleiben. Am 23. Juni 2026 übergab die Rentenkommission ihren Bericht offiziell an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Die zentrale Empfehlung 26: die Abschaffung des steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs.
Bislang zahlen Minijobber auf ihren Verdienst bis 603 Euro monatlich weder Steuern noch eigene Sozialabgaben. Der Arbeitgeber entrichtet eine Pauschalabgabe von rund 30 Prozent. Künftig sollen sie verpflichtend in die Renten-, Pflege- und Krankenversicherung einbezogen werden, so der Vorschlag. Für einen Minijob mit 603 Euro würden dann monatlich etwa 130,73 Euro an Beiträgen fällig, wie der Stern berechnet hat. Peter Haan vom DIW bringt es auf den Punkt: „Im Grunde bedeutet der Vorschlag: Die Privilegien, die Minijobs derzeit haben, fallen weg. Man würde dann auf das gesamte Einkommen Sozialversicherungsbeiträge zahlen.“
Die Bundesregierung will das gesamte Maßnahmenpaket der Kommission umsetzen. Kanzler Merz betonte bei der Übergabe: „Wir können es uns nicht erlauben, einzelne Maßnahmen herauszunehmen oder abzulehnen.“ Ministerin Bas sprach von einem „Gesamtkunstwerk“. Ein Rosinenpicken werde es nicht geben.
Von der Reform wären 7,51 Millionen Minijobber betroffen, knapp 3,5 Millionen davon üben den Job als Nebenverdienst aus. Die größten Branchen sind der Handel und das Gastgewerbe. Über die Hälfte der gewerblichen Minijobber sind Frauen; in Privathaushalten liegt der Frauenanteil sogar bei 74 Prozent.
Die Pläne stoßen bei Arbeitgebern auf scharfen Widerstand. Der Hotel- und Gaststättenverband Bayern sprach von einer „Katastrophe“ für die Branche. CSU-Chef Markus Söder mahnte, Minijobs seien ein sensibles Thema, man dürfe nicht „voreilig Porzellan zerschlagen“. Auch unter Beschäftigten regt sich Kritik: Ein 31-jähriger Minijobber aus Berlin sagte der taz: „Also ich finde das schlecht.“
Gewerkschaften und Politiker von Mitte-Links begrüßen hingegen das Aus für den Sonderstatus. Grünen-Chef Felix Banaszak bezeichnete Minijobs als „Altersarmutfalle“ und forderte deren Abschaffung, kritisierte jedoch, dass das Gesamtpaket nicht ausreichend gegen Altersarmut wirke.
Wann und wie die Abschaffung der Minijobs konkret umgesetzt wird, ließ das Bundesarbeitsministerium zunächst offen. Klar ist nur: Am Ende muss das Paket komplett verabschiedet werden – oder gar nicht.





