Die Dortmunder Baumarktkette Hellweg hat am 16. Juni 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Essen gab dem Antrag noch am selben Tag statt. Bundesweit bleiben 68 Märkte und der Onlineshop geöffnet, die rund 2.900 Beschäftigten erhalten für drei Monate Insolvenzgeld.
Das Unternehmen steckt seit 2023 in der Krise. Hohe Inflation, steigende Energiepreise und eine ausgeprägte Konsumflaute ließen den Umsatz der gesamten Branche von 22,14 Milliarden Euro (2019) auf 20,92 Milliarden Euro (2024) sinken. Auch Hellweg verzeichnete spürbare Rückgänge und Verluste.
Schleichende Talfahrt seit 2023
Im April 2024 leitete das Management eine Restrukturierung mit Beratern von Roland Berger ein. Ende 2024 kündigte Hellweg die Einkaufskooperation mit Toom (Rewe Group) in der DIY Union. Um Liquidität zu schaffen, folgten Räumungsverkäufe mit Rabatten bis zu 50 Prozent und ein Stellenabbau.
Ab Mai 2025 kommunizierte das Unternehmen "massive Herausforderungen" und das "anhaltend schwierige Konsumklima". Zunächst waren sieben Filialschließungen geplant, doch binnen weniger Wochen weitete sich die Liste aus, wie t-online berichtete.
Zahlreiche Filialschließungen vor der Insolvenz
Bis zum Insolvenzantrag sank die Zahl der Märkte von einst 95 Hellweg- und 51 BayWa Bau & Garten-Standorten auf nur noch 68. Betroffen waren unter anderem Filialen in Berlin-Weißensee, Bonn-Duisdorf, Oberhausen, Duisburg, Halle/Saale, Hagen-Boele und Hanau. Bis Jahresende 2025 kamen Gütersloh, Gelsenkirchen und Menden hinzu; Anfang 2026 folgten Osnabrück und Hennigsdorf.
Ein Unternehmenssprecher hatte die Schließungen gegenüber der WAZ als unvermeidlich bezeichnet. Die Anzahl der Mitarbeiter reduzierte sich von etwa 4.000 auf 2.900 zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags.
Hellweg erklärte, dass die Eigenverwaltung eine Sanierung unter Fortführung des Geschäftsbetriebs ermögliche. Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Stefan Denkhaus zum vorläufigen Sachwalter; zwei Sanierungsexperten rückten in die Geschäftsleitung auf. Sie sollen nun gemeinsam den Restrukturierungsprozess fortsetzen.
Ob die verbliebenen 68 Märkte dauerhaft gerettet werden können, bleibt offen. Klar ist: Höhere Einkaufspreise und inflationsbedingte Kostensteigerungen setzen der Baumarktkette weiter zu.





