Die Inflation im Euroraum ist im Mai 2026 auf 3,2 Prozent gesprungen – der höchste Wert seit September 2023. Energiepreise stiegen um 10,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, getrieben durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus. Für die Europäische Zentralbank wird damit eine Zinserhöhung in der kommenden Woche immer wahrscheinlicher.
Das geht aus den aktuellen Schnellschätzungen von Eurostat hervor, wie CNBC berichtet. Die Teuerung liegt damit deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent. Vor Ausbruch des Iran-Konflikts war die Inflation im Euroraum noch unter die Zwei-Prozent-Marke gefallen.
Energiepreise als Haupttreiber
Die Energiepreise verteuerten sich im Mai um 10,9 Prozent, nach bereits plus 10,8 Prozent im April. Besonders die Blockade der Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des globalen Öltransports läuft, treibt die Kosten. Auch die Dienstleistungspreise zogen weiter an: von 3,0 auf 3,5 Prozent. Die Kerninflation – ohne Energie und Nahrungsmittel – stieg überraschend stark auf 2,5 Prozent.
Eine Woche vor der nächsten EZB-Sitzung ist dies der erwartete Inflationsanstieg, der die Zentralbank zu einer Vorsichts-Zinserhöhung bewegen wird.Carsten Brzeski, Global Head of Macro bei ING
Die Finanzmärkte preisen eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der EZB-Sitzung am 9. Juni mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent ein. Der Euro notierte nach der Datenveröffentlichung unverändert bei rund 1,164 Dollar, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe gab um sechs Basispunkte nach.
Deutschland trotzt dem Trend
Während die Teuerung im Euroraum insgesamt anzieht, zeigt der deutsche Verbraucherpreisindex in die Gegenrichtung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank die Inflationsrate in Deutschland im Mai auf 2,6 Prozent, nach 2,9 Prozent im April. Die Kluft zwischen den Mitgliedstaaten wird größer: Griechenland und Litauen meldeten Raten über 5 Prozent, in Frankreich stieg die Inflation von 2,5 auf 2,8 Prozent.
EZB unter Zugzwang
Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig.Isabel Schnabel, EZB-DirektorinMehr Zitate von Isabel Schnabel →
Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht die Notenbank auf Zinserhöhungen zusteuern. Der Einlagensatz, der für Spar- und Kreditzinsen maßgeblich ist, dürfte von derzeit 2,75 Prozent auf 3,0 Prozent steigen. Ökonomen rechnen zudem mit einer weiteren Erhöhung im September, falls sich die Energiepreise nicht entspannen.
Die EZB steckt im Dilemma: Einerseits erfordert die hartnäckige Inflation ein Gegensteuern, andererseits würden höhere Zinsen die ohnehin schwächelnde Konjunktur weiter belasten. Die OECD senkte ihre Wachstumsprognose für Deutschland bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Für Verbraucher und Unternehmen dürften die kommenden Monate teuer bleiben.






