Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen nach Bluttat von Stade
KI-Bild
PolitikBluttat von Stade

Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen nach Bluttat von Stade

Nach den sechs Morden in Stade rückt die Familie eines SPD-Politikers in den Fokus. Die Fahrerin des Fluchtfahrzeugs ist die Schwiegermutter des niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku.

Enge Vertraute der Familie am Steuer

Eine 65-jährige Bremerin fuhr den Fluchtwagen nach dem tödlichen Angriff auf eine Mutter-Kind-Einrichtung in Stade. Sylvia S., die Patentante des drei Monate alten Mädchens, um das ein erbitterter Sorgerechtsstreit tobte, wurde noch am Tattag von der Polizei gestoppt und festgenommen – dann aber wieder freigelassen. Sie arbeitet als Familien- und Migrationsberaterin für eine bundesweite Lobbyorganisation, die Migrantenfamilien etwa zu Familiennachzug, Aufenthaltsrecht und Einbürgerung berät.

Am 2. Juli 2026 machte der niedersächsische Landtagsabgeordnete Deniz Kurku (SPD) öffentlich: Sylvia S. ist seine Schwiegermutter. Der Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe ließ über einen Anwalt mitteilen, er habe die Ermittlungsbehörden sofort nach seinem Bekanntwerden der Betroffenheit seiner Schwiegermutter informiert. Er selbst habe „selbstverständlich keine Erkenntnisse vor der Tat von der möglichen Tat“ gehabt.

Staatsgelder für Lobbyorganisation

Die Beratungsstelle, bei der Sylvia S. beschäftigt ist, versteht sich als Interessenvertretung gegen Rassismus. Aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ flossen 2025 und 2026 jeweils rund 425.000 Euro an die Organisation – insgesamt fast 900.000 Euro.

Die mutmaßliche Tatbeteiligung einer Mitarbeiterin wirft Fragen zur Mittelverwendung auf. Die Organisation äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen.

„Keine dienstrechtlichen Folgen“

Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sprach Deniz Kurku und seiner Familie Unterstützung zu. Die familiäre Verbindung zur Fahrerin des Fluchtwagens habe keine unmittelbaren dienstrechtlichen Folgen für das Ehrenamt des Landesbeauftragten. Die SPD-Fraktion stellte sich ebenfalls hinter Kurku.

Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) wünsche Deniz Kurku und seiner Familie die notwendige Kraft für die Bewältigung dieser äußerst schweren Situation.
Olaf Lies (Ministerpräsident (SPD))

Bluttat erschüttert Niedersachsen

Am 29. Juni 2026 erschoss ein 45-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln in einer Jugendhilfe- und Mutter-Kind-Einrichtung sechs Menschen. Die Opfer waren vier Frauen und zwei Männer, allesamt Mitarbeiter der Einrichtung oder des Jugendamtes. Die Polizei stufte die Tat später als „extended family tragedy“ ein; Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einer „extrem kaltblütigen Gewalttat“. Der Schütze sitzt in Untersuchungshaft.

Nach den Schüssen flüchtete der Mann in einem PS-starken Mercedes-Geländewagen, der nur fünf Wochen zuvor auf Sylvia S. zugelassen worden war. Die Polizei stoppte das Fahrzeug mit gezielten Schüssen auf die Reifen.

Ermittlungen gegen Fahrerin dauern an

Sylvia S. wurde nach ihrer Vernehmung aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie von den Plänen des Schützen wusste oder ihn gar unterstützte. Bislang gilt sie nicht als Beschuldigte. Die Rolle der engen Familienvertrauten bleibt ein zentraler Baustein der laufenden Untersuchungen.

Der Fall sorgt weit über Niedersachsen hinaus für politische Debatten. Im Landtag fordern Oppositionspolitiker Aufklärung, ob die Verbindungen der Fahrerin zu einer staatlich alimentierten Organisation und zu einem SPD-Mandatsträger Einfluss auf das Verfahren hatten.

Mehr aus

Politik