Verdi finanziert Bustickets für Gegendemonstranten
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Verdi finanziert Bustickets für Gegendemonstranten

Der Verdi-Landesverband NRW bezahlt seinen Mitgliedern die Busreise zur Großdemonstration gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Das Bündnis „Widersetzen“ kündigt Blockaden an – und wird von Linken-Politikerin Heidi Reichinnek unterstützt.

Kostenlose Busfahrt zur Anti-AfD-Demo

Die Gewerkschaft Verdi NRW organisiert und bezahlt Busreisen für ihre Mitglieder zur Großdemonstration gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Mitglieder können sich ein Busticket kaufen und die Kosten anschließend über ihre Gewerkschaft erstatten lassen, wie der Landesverband auf seiner Website mitteilt.

Der AfD-Parteitag findet am 4. und 5. Juli 2026 in den Messehallen in Erfurt statt – fast genau 100 Jahre nach dem Reichsparteitag der NSDAP im nahen Weimar. Verdi NRW erklärt dazu: „Dieses historische Datum macht deutlich, warum es wichtig ist, rechten und demokratiefeindlichen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten.“

Gewerkschaft sieht Grundwerte angegriffen

Wer Beschäftigte spalten will, wer Solidarität infrage stellt und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielt, trifft auf unseren Widerstand.
Verdi-Landesverband NRW

Die Gewerkschaft betont, dass Demokratie und Solidarität zusammengehören. Der Einsatz für Demokratie ende nicht am Werkstor. „Er gehört genauso zu unserem gewerkschaftlichen Selbstverständnis wie der Einsatz für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und soziale Sicherheit“, heißt es in der Erklärung.

Die Abfahrtorte reichen von Aachen bis Wuppertal – der NRW-Landesverband hat einen eigenen Ticketshop über das Bündnis „Widersetzen“ eingerichtet. Auch aus Dortmund fährt ein Bus. Interessierte Mitglieder können sich unter [email protected] melden.

Bündnis „Widersetzen“ ruft zu Blockaden auf

Verdi kooperiert mit dem Bündnis „Widersetzen“, das in sozialen Netzwerken offen zu Blockadeaktionen gegen den Parteitag aufruft. Die Plattform spricht von einer „faschistischen Zusammenrottung“ und wirbt für „zivilen Ungehorsam gegen Faschismus“.

Unterstützung kommt von prominenten Linken-Politikern: Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow bezeichnete die Proteste in einem Video als „Selbstermächtigung“. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek rief auf Instagram dazu auf, sich den Protesten anzuschließen, und sammelte Spenden für das Bündnis.

50.000 Gegendemonstranten – Streit um Gemeinnützigkeit

Die Organisatoren rechnen mit rund 50.000 Gegendemonstranten. Doch die Busfinanzierung wirft auch juristische Fragen auf: Ein WELT-TV-Beitrag diskutierte, ob Verdi durch die Übernahme der Fahrtkosten seine Gemeinnützigkeit gefährden könnte. Der Tenor: Ein Entzug des Status sei unwahrscheinlich, doch die Debatte zeigt die politische Sprengkraft der Aktion.

Kritiker halten der Gewerkschaft entgegen, dass die AfD gerade bei Arbeitern und Angestellten überdurchschnittlich stark abschneidet. Eine Mobilisierung gegen die eigene potenzielle Klientel sei fragwürdig. Die AfD will auf dem Bundesparteitag einen neuen Vorstand wählen – mehrere Landesverbände der Partei werden vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

Historische Parallelen

Verdi erinnert in seinem Aufruf an die Geschichte der Gewerkschaften im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Gewerkschafter wie Wilhelm Leuschner wurden nach 1933 verfolgt und nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler 1944 hingerichtet. Der Landesverband betont: „Der Einsatz für Demokratie gehört genauso zu unserem gewerkschaftlichen Selbstverständnis wie der Einsatz für gute Arbeitsbedingungen.“

Die Großdemonstrationen in Erfurt beginnen am 4. Juli. Ob die angekündigten Blockadeaktionen friedlich bleiben oder zu Konfrontationen mit der Polizei führen, ist offen.

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