Führungsduo mit klaren Mehrheiten wiedergewählt
Trotz massiver Proteste und Blockaden vor der Messe Erfurt blieb die AfD-Führung auf ihrem Bundesparteitag am 4. und 5. Juli 2026 unbeirrt. Co-Parteichef Tino Chrupalla eröffnete die Versammlung pünktlich um 10 Uhr und betonte die Einigkeit: „Unsere Partei ist einig wie nie zuvor.“ Er selbst wurde mit 70,05 Prozent der Stimmen erneut an die Spitze gewählt – ein deutlicher Dämpfer im Vergleich zu den 82,7 Prozent beim vorherigen Parteitag. Alice Weidel, die ohne Gegenkandidaten antrat, erhielt 81 Prozent und festigte damit ihre Position.
Weidels Abrechnung mit Merz und der Union
In ihrer kämpferischen Rede rechnete Alice Weidel frontal mit den politischen Gegnern ab. Vor allem die CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz gerieten ins Visier. Weidel verhöhnte Merz als „den Vivaldi unter den Regierungschefs – für alle vier Jahreszeiten eine Reformankündigung, aber keine einzige Maßnahme“ und warf der Union vor, sie mache „Politik gegen die Deutschen, gegen Deutschland, gegen die Interessen in unserem Land“. Koalitionsgespräche schloss sie kategorisch aus.
Wir sind die neue VolksparteiAlice Weidel (AfD-Bundesvorsitzende)
Weidel beanspruchte für ihre Partei den Status einer „neuen Volkspartei“ und kündigte eine umfassende Überarbeitung des Parteiprogramms an. Die SPD nannte sie eine „einst so stolze Arbeiterpartei“, die nun „sang- und klanglos aus der deutschen Parteiengeschichte verschwindet“. Zugleich warf sie den etablierten Parteien vor, „mit Hass und Hetze“ gegen die AfD vorzugehen.
20.000 Menschen protestieren vor der Halle
Während drinnen die Parteibasis feierte, versammelten sich nach Polizeiangaben rund 20.000 Demonstranten gegen den AfD-Parteitag. Das Aktionsbündnis „Widersetzen“ hatte zu Blockaden aufgerufen. Einige Demonstranten seilten sich von Autobahnbrücken ab, andere klebten sich auf Tramgleisen fest. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein und meldete knapp 100 Straftaten, überwiegend Sachbeschädigungen durch Graffiti. Ein Reporterteam des Portals „Apollo News“ wurde attackiert, zwei weitere Journalisten erlitten Verletzungen durch Flaschenwürfe.
Die CDU macht Politik gegen die Deutschen, gegen Deutschland, gegen die Interessen in unserem LandAlice Weidel (AfD-Bundesvorsitzende)
AfD als „Taktangeber“ im Bund
Die Partei sieht sich trotz der Straßenproteste auf Erfolgskurs. In Ostdeutschland ist sie in Umfragen stärkste Kraft, und im September stehen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern an. Weidel bezeichnete 2026 als „Schicksalsjahr“ für die AfD und betonte, man sei bereits der „politische Taktangeber im Bund“. Wie die Welt berichtete, blieben kontroverse Debatten auf dem Parteitag weitgehend aus; die Führung bemühte sich um ein Bild von Professionalität und Geschlossenheit.
Mit dieser CDU sehe ich keine KoalitionsmöglichkeitenAlice Weidel (AfD-Bundesvorsitzende)
Ob die AfD ihre Ost-Erfolge in konkrete Regierungsverantwortung ummünzen kann, bleibt vor dem Hintergrund der klaren Absage an die Union und des anhaltenden Widerstands auf den Straßen eine offene Frage. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der innerparteiliche Zusammenhalt und der Druck von außen die Partei in die von Weidel proklamierte Volkspartei-Rolle tragen.





