Wahl-Dämpfer für Chrupalla
Die AfD-Spitze um Tino Chrupalla und Alice Weidel ist beim Bundesparteitag in Erfurt wiedergewählt worden – doch mit einem klaren Abstand. Chrupalla erhielt am Samstag laut Tagesschau nur noch 70,05 Prozent der Delegiertenstimmen, ein Minus von mehr als zwölf Punkten im Vergleich zu 2024. Seine Co-Vorsitzende Weidel hingegen verbesserte sich auf 81,3 Prozent. Der 51-jährige sächsische Malermeister zeigte sich dennoch zufrieden.
Ich bin wirklich mit diesem Wahlergebnis sehr zufrieden. Über zwei Drittel der Delegiertenstimmen habe ich bekommen.Tino Chrupalla
Massive Proteste und Blockaden
Vor der Messehalle protestierten zehntausende Menschen gegen die in Teilen als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei. Nach Polizeiangaben beteiligten sich mehr als 25.000 Demonstranten an den Kundgebungen. Es kam zu Blockaden von Zufahrtsstraßen und Zusammenstößen mit der Polizei. Die Bundespolizei nahm vier Deutsche fest, die mit Schlagstöcken und Pyrotechnik ausgestattet waren. Mindestens drei Journalisten wurden von Vermummten verfolgt und zusammengeschlagen.
Co-Chef Chrupalla verurteilte die Aktionen scharf: „Es gibt keine friedlichen Sitzblockaden. Es gibt keine demokratischen Straßensperren. Genauso wenig gibt es Schlägertrupps, die die harmlose Bezeichnung Zivilgesellschaft verdienen. Die Störer sind das letzte Aufgebot unserer politischen Konkurrenten.“
Weidel attackiert Kanzler Merz
Alice Weidel nutzte ihre Bewerbungsrede für eine scharfe Attacke auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Sie nannte ihn den „Vivaldi unter den Regierungschefs – für alle vier Jahreszeiten eine Reformankündigung. Jedes Mal haut er kräftig auf die Pauke und danach folgt ein Streichkonzert.“ Unter dem Jubel der Delegierten forderte sie: „Wir werden rigoros abschieben!“
Störaktion mit Blockflöten
Für Irritationen sorgte eine heimliche Störaktion: Plötzlich erklang der „Imperial March“ aus Star Wars in einer Blockflöten-Version. Mitarbeiter suchten fieberhaft nach versteckten Bluetooth-Lautsprechern und fanden mindestens einen hinter einem Vorhang unter dem Hallendach.
Chrupalla gab sich kämpferisch: „Wir wollen regieren. Und wir werden regieren, zuerst in einem Land, dann im Bund.“ Die Partei peilt bei den nächsten Landtagswahlen erstmals Regierungsbeteiligungen an und hofft, die „Brandmauer“ der anderen Parteien zu durchbrechen.





