Grönemeyer mit Nationalpreis geehrt – kurz nach harscher Kritik an EU
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PromisDeutscher Nationalpreis 2026

Grönemeyer mit Nationalpreis geehrt – kurz nach harscher Kritik an EU

Wenige Tage vor der Verleihung des Deutschen Nationalpreises an Herbert Grönemeyer veröffentlichte der Musiker einen offenen Brief, in dem er die neue EU-Rückführungsverordnung als ‚Schandfleck‘ bezeichnet. Jetzt wird er für sein Demokratie-Engagement ausgezeichnet.

Ehrung und Eklat: Grönemeyer bekommt Nationalpreis

Der Deutsche Nationalpreis 2026 geht an Herbert Grönemeyer. Am 23. Juni wird der 69-Jährige in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin ausgezeichnet. Die Jury würdigt damit seine künstlerische Leistung und sein Engagement für demokratische Werte. Doch nur zwei Tage zuvor sorgte Grönemeyer mit einem offenen Brief für Aufsehen, in dem er die EU-Rückführungsverordnung scharf verurteilte.

Die Laudatio halten der frühere Vizekanzler Sigmar Gabriel und der Schauspieler Matthias Brandt. Grönemeyer selbst reagierte auf die Preisankündigung mit den Worten: „Es stecken enorm viel wertvolle Lebensfreuden, Zukünfte und liebevolle Perspektiven in der Demokratie, kein Millimeter nach rechts!“ Der Preis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert; der Förderpreis geht an das Projekt „Rhapsody in School“, das Künstler in Schulen bringt.

Ein Leben für Musik und Demokratie

Herbert Grönemeyer, geboren 1956 in Göttingen, zählt zu den prägendsten deutschen Musikern. Mit Alben wie „4630 Bochum“ (1984) und „Mensch“ (2002) schrieb er Popgeschichte – letzteres verkaufte sich über 3,6 Millionen Mal. Bereits 2015 positionierte er sich während der Flüchtlingskrise klar gegen Fremdenfeindlichkeit und trat auf Demonstrationen gegen die AfD auf. Sein Engagement für eine offene Gesellschaft ist untrennbar mit seiner Musik verbunden.

Mit der Verleihung des Deutschen Nationalpreises 2026 wollen wir Herbert Grönemeyers außerordentliche künstlerische Leistung und zugleich sein überzeugendes Engagement für die Werte unserer Demokratie würdigen.
Thomas Mirow, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung

Den Förderpreis erhält das Projekt „Rhapsody in School“, das Spitzenmusiker in Schulklassen vermittelt und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Beide Preise werden traditionell von der Deutschen Nationalstiftung vergeben, die seit 1997 Menschen und Initiativen für ihren Einsatz für die Demokratie auszeichnet.

Scharfer Protest gegen EU-Abschiebepläne

Nur sechs Tage vor der Preisverleihung, am 17. Juni, beschloss das EU-Parlament mit den Stimmen konservativer und rechter Fraktionen eine Verschärfung der Rückführungsverordnung. Die Neuregelung erlaubt schnellere Abschiebungen und die Einrichtung von Rückführungszentren in Drittstaaten wie Ruanda oder Uganda. Videoaufnahmen zeigen, wie rechte Abgeordnete nach der Abstimmung mit „Send them back“-Rufen jubelten. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk warnte vor Menschenrechtsverletzungen, Pro Asyl sprach von einer „toxischen Abschiebungsverordnung“.

Am 21. Juni veröffentlichte Grönemeyer auf Instagram einen handgeschriebenen offenen Brief. Darin bezeichnet er die Entscheidung als „Schandfleck in der europäischen Geschichte auf ewig“. Die Jubelszenen im Parlament nannte er ein „bizarres, schamlos brutales Triumphgebrüll der weißen Überheblichkeit“ und einen Ausdruck „des unanständigen, zutiefst menschenverachtenden Zynismus, kalter Verhöhnung, größenwahnsinnig und dramatisch inhuman“. Er schloss mit den Worten: „Unvergessbar und unentschuldbar.“

Die Preisverleihung am 23. Juni findet damit in einem aufgeheizten politischen Klima statt. Grönemeyers Deutlichkeit und sein Beharren auf humanitären Werten dürften sowohl bei den Festgästen als auch in der Öffentlichkeit für geteilte Reaktionen sorgen.

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