Pistorius sieht Ukraine stärker als je zuvor – NATO schnürt 140-Milliarden-Hilfspaket
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Pistorius sieht Ukraine stärker als je zuvor – NATO schnürt 140-Milliarden-Hilfspaket

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wagt eine ungewöhnlich optimistische Prognose für den Kriegsverlauf. Beim NATO-Gipfel in Ankara werden parallel Rekordhilfen von 140 Milliarden Euro beschlossen – doch Deutschland muss den Löwenanteil stemmen.

Pistorius: 'Noch nie so gut' – aber keine neuen Waffen

Es ist ein Satz, der aufhorchen lässt: „So gut wie jetzt gerade sah es noch nie aus.“ Ausgerechnet Boris Pistorius, der sonst zur Vorsicht mahnt, spricht der Ukraine plötzlich große Siegchancen im Abwehrkampf gegen Russland zu. Im Interview mit der Bild am Sonntag begründete der Verteidigungsminister seinen Optimismus mit zwei Entwicklungen.

So gut wie jetzt gerade sah es noch nie aus.
Boris Pistorius (Bundesverteidigungsminister, SPD)

Auf dem Schlachtfeld gebe es zwar nur wenig Bewegung – mal ein paar Kilometer in die eine, mal in die andere Richtung –, doch immer mit „unvorstellbaren Verlusten der russischen Streitkräfte“. Zudem gelinge es der Ukraine zunehmend, Ziele in Russland selbst zu treffen und Raffinerien sowie militärische Logistik zu zerstören. Am Samstag hatte Kiew erneut Ölanlagen in St. Petersburg attackiert.

Auf dem Schlachtfeld selbst ist wenig Bewegung. Mal ein paar Kilometer in die eine, mal in die andere Richtung, aber immer mit unvorstellbaren Verlusten der russischen Streitkräfte.
Boris Pistorius (Bundesverteidigungsminister, SPD)

Trotz der positiven Lageeinschätzung muss die Ukraine auf weitere Waffen aus Deutschland verzichten. Pistorius erklärte, Kiew benötige keine Taurus-Marschflugkörper mehr, da es eigene Langstreckenwaffen entwickelt habe. Auch zusätzliche Patriot-Systeme könne Deutschland nicht liefern – die Bundeswehr habe bereits mehr als ein Drittel ihrer eigenen Systeme abgegeben und warte selbst auf Ersatz.

140 Milliarden Euro: Deutschland als größter Geldgeber

Während Pistorius Zuversicht verbreitet, schnürt die NATO in Ankara ein beispielloses Finanzpaket. Dem Entwurf der Gipfelerklärung zufolge, der Reuters und dpa vorliegt, soll die Ukraine für 2026 und 2027 eine Mindestfinanzierung von 70 Milliarden Euro pro Jahr erhalten – insgesamt 140 Milliarden Euro. Rund 60 Milliarden davon stammen aus einem EU-Darlehen; die restlichen 80 Milliarden müssen die NATO-Staaten aus nationalen Haushalten beisteuern.

Weil die USA unter Präsident Trump ihre Ukraine-Hilfen weitgehend gestoppt haben, trägt Deutschland den größten Anteil. Für 2026 hat die Bundesregierung bereits 11,5 Milliarden Euro für Artillerie, Drohnen und gepanzerte Fahrzeuge eingeplant – der höchste Betrag seit Kriegsbeginn. Ein Vorschlag, die Lasten nach der Wirtschaftskraft zu verteilen, scheiterte am Widerstand Frankreichs, auch wegen der sogenannten Purl-Initiative zum Munitionskauf in den USA.

Auf dem Gipfel in der kommenden Woche werden die Bündnispartner zusagen, der Ukraine nachhaltige, verlässliche und langfristige Sicherheitsunterstützung zu leisten.
Mark Rutte (NATO-Generalsekretär)

Europäer müssen mehr stemmen – und die USA kritisieren

Die Gipfelerklärung soll zudem klarstellen, dass die europäischen Alliierten künftig deutlich mehr Verantwortung für Verteidigung und Abschreckung übernehmen. Das Motto: „Ein stärkeres Europa in einer stärkeren NATO.“ Russland wird darin als „langfristige Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit und Stabilität“ beschrieben – eine Formulierung, die sich von Trumps früherem Streben nach „strategischer Stabilität“ mit Moskau abhebt.

Für Spannungen sorgt der Iran-Krieg, den die USA und Israel führen. Trump hatte zuletzt Unmut über die ausgebliebene Unterstützung der Verbündeten geäußert. US-Verteidigungsminister Hegseth und Außenminister Rubio nannten den Kurs der Alliierten „beschämend“ und drohten mit einer Neubewertung der Beziehungen zur NATO.

Der zweitägige Gipfel in Ankara beginnt am 7. Juli, die Veröffentlichung der Gipfelerklärung wird am Folgetag erwartet. Ob die Rekordhilfen und die neue Zuversicht Pistorius' ausreichen, um das Kriegsgeschehen tatsächlich zu wenden, bleibt die offene Frage.

(Keine Umfrage verknüpft)
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