Abrechnung mit dem eigenen Männerbild
Die Grünen verlieren zunehmend männliche Wähler – und ziehen nun Konsequenzen. Ein internes Manifest von 13 führenden Parteimitgliedern rechnet mit dem bisherigen Männerbild der Ökopartei ab. Wie der SPIEGEL berichtet, kritisieren die Unterzeichnenden, dass die Grünen jahrelang nur definiert hätten, was Männer nicht sein sollen – nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend. Ein positives Leitbild fehle völlig.
Zu den Verfassenden gehören die Bundesvorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak, ihre Vorgängerin Ricarda Lang sowie Außenpolitiker Anton Hofreiter. Sie mahnen: Das entstandene Vakuum werde von alten Rollenbildern und rechten Kräften besetzt. „Wir haben ein Vakuum geschaffen, und in dieses Vakuum strömen jetzt die alten Bilder zurück“, heißt es in dem Papier.
Wir haben ein Vakuum geschaffen, und in dieses Vakuum strömen jetzt die alten Bilder zurück.Aus dem Manifest 'Für ein neues, positives Männerbild'
PS-starke Autos und Fitnessstudio nicht länger verpönt
Das Manifest plädiert für einen differenzierten Umgang mit Männlichkeit. Aktivitäten und Vorlieben, die als klassisch männlich gelten – etwa Krafttraining oder das Interesse an leistungsstarken Autos – dürften im progressiven Milieu nicht länger pauschal abgewertet werden. Stattdessen brauche es ein „positives Bild, was gute Männlichkeit sein kann“.
Wir brauchen ein positives Bild, was gute Männlichkeit sein kann.Aus dem Manifest 'Für ein neues, positives Männerbild'
Co-Parteichef Felix Banaszak betonte, dass das Verständnis vieler Frauen gegenüber Männern zwar nach jahrhundertelanger Dominanz aufgebraucht sei. Doch warnte er: Linke dürften nicht pauschal das Signal senden, Männer seien das Problem. Anton Hofreiter ergänzte, im linken Spektrum werde Männlichkeit allzu oft automatisch mit dem Begriff „toxisch“ verbunden.
Kampf um junge Männer als Prävention gegen Rechtsruck
Hinter dem Vorstoß steht die Sorge, die Partei habe den Zugang zu jungen Männern verloren. Das Papier soll eine Einladung sein, moderne Männlichkeit jenseits von toxischen Klischees und reaktionärer Verklärung zu entwickeln – und so Wählergruppen zurückzugewinnen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu anderen Parteien abgewandert sind.
Das Manifest versteht sich als Beitrag zur innerparteilichen Debatte. Ob die grüne Basis den Schwenk zu einem positiveren Männerbild mitträgt, wird sich auf dem nächsten Parteitag zeigen. Erste Reaktionen aus der Frauen- und Genderpolitischen Sprecherin stehen noch aus.





