Beisetzung nach Monaten der Kühlung
Ajatollah Ali Khamenei war am 28. Februar 2026, dem ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran, durch einen Luftangriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Auch mehrere Familienmitglieder starben. Die ursprünglich für März geplante Beerdigung wurde verschoben – der Leichnam lag seitdem in Kühlung. Erst nach einem Waffenstillstand im April und laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran setzte das Regime die Trauerfeier für Anfang Juli an, mitten im islamischen Trauermonat Muharram.
Der Sarg, bedeckt mit der iranischen Flagge und Khameneis schwarzem Turban, wurde am Montag auf einem Lastwagen vom Imam-Hossein-Platz zum Azadi-Platz gefahren – jener Strecke, die eine zentrale Rolle in der Revolution von 1979 spielte. Der Trauerzug dauerte etwa zwölf Stunden, der Luftraum über Teheran war gesperrt. Die Behörden rechneten mit bis zu 20 Millionen Teilnehmern; allein die U-Bahn registrierte in einer Nacht sieben Millionen Fahrten. (Quelle: tagesschau.de, Jerusalem Post)
Der abwesende Nachfolger: Mojtaba Chamenei fehlt
Auffälligster Aspekt der Zeremonie war die Abwesenheit des neuen Obersten Führers. Modschtaba Chamenei, bei demselben Angriff schwer verwundet, zeigte sich nicht. Personen aus seinem Umfeld berichteten, sein Gesicht sei entstellt und schwer verbrannt, zudem habe er erhebliche Beinverletzungen. Er halte sich an einem geheimen Ort auf – auch aus Furcht vor einem israelischen Attentat, meldete die New York Times. Sein Fernbleiben schürt Spekulationen über Machtkämpfe und die Stabilität der Führung.
Unterdessen traten andere hochrangige Regimevertreter erstmals seit Kriegsbeginn öffentlich auf: Präsident Massud Peseschkian, Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf und IRGC-Kommandeur Ahmad Wahidi. Chameneis weitere Söhne Massud, Meisam und Mostafa waren ebenfalls anwesend.
Warum ist der größte Bastard der Welt noch am Leben? Die Welt ist für Trump kein guter Ort mehr.Mohammad Rassuli, Dichter und Moderator der Trauerfeier
Rote Fahnen und „Tod Amerika“-Rufe
Von Beginn an begleiteten massive anti-amerikanische und anti-israelische Parolen die Trauerfeierlichkeiten. Bereits am ersten Tag skandierten die Trauernden „Tod Amerika“ und „Tod Israel“. Am dritten Tag schwenkten Hunderte rote Fahnen – im schiitischen Kontext ein Symbol für Rache und Blutvergießen. Auf Plakaten wurde explizit der Tod von US-Präsident Donald Trump und des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu gefordert. Ein Trauernder hielt ein Schild mit Netanjahus Porträt und der Aufschrift „There will be blood“.
Ich bin hergekommen, um zu schreien und Rache zu fordern. Sie haben unseren Imam getötet, wir sollten ihren Anführer Trump töten.Gholamresa Sabuni, 29-jähriger Lebensmittelhändler
Parlamentssprecher ruft zur Rache auf
Parlamentssprecher Ghalibaf rief die Iraner dazu auf, „sich zu erheben“ und „Rache zu fordern“. In einer von Staatsmedien veröffentlichten Botschaft hieß es: „Wir müssen uns erheben und den Schrei nach dem Blut der Nation in die Welt hinaustragen, damit die Welt weiß, dass die ehrenwerte und edle Nation Iran angesichts der Unterdrückung nicht schweigt.“ Das offizielle Motto der Trauerfeier lautete: „Wir müssen rächen“.
Wir müssen uns erheben und den Schrei nach dem Blut der Nation in die Welt hinaustragen, damit die Welt weiß, dass die ehrenwerte und edle Nation Iran angesichts der Unterdrückung nicht schweigt und das Blut ihres Imams nicht preisgeben wird.Mohammad Bagher Ghalibaf, iranischer Parlamentssprecher
Verhandlungen mit den USA ausgesetzt
Die indirekten Gespräche zwischen dem Iran und den USA über ein dauerhaftes Kriegsende in Doha wurden für die Dauer der Trauerwoche unterbrochen. Im Kern geht es um die Kontrolle über die Straße von Hormus, das iranische Atomprogramm und eingefrorene Vermögenswerte. Eine Woche zuvor hatten sich beide Seiten auf eine Deeskalation in der Wasserstraße geeinigt. Der Verkehr bleibt jedoch unter Vorkriegsniveau; die Bedrohungslage wird als „erheblich“ eingestuft. (Quelle: New York Post)
Analysten werten die Trauerfeier als gezielte Machtdemonstration des Regimes. „Das Attentat hat Khamenei im Tod symbolisch weit mächtiger gemacht, als er es im Leben war“, sagte Sina Tussi vom Center of International Policy. Die Beisetzung erfolgt am Donnerstag in Chameneis Heimatstadt Maschhad – während die Region vor einer offenen Frage steht: Wie werden die Racheschwüre von Teherans Straßen in politische Entscheidungen übersetzt?








