Struktureller Notfall im 21. Stock
Am Morgen des 7. Juli 2026 knickten im 21. Stock des ehemaligen Pfizer-Hauptquartiers in der 235 East 42nd Street zwei tragende Stützpfeiler ein. Die Böden zwischen der 21. und 26. Etage sackten daraufhin ab, während herabfallende Ziegelsteine die Feuerwehr alarmierten. Die New Yorker Feuerwehr (FDNY) richtete umgehend eine weiträumige Einsturzzone ein, die sich von der 40. bis zur 45. Straße und von der 1st bis zur 3rd Avenue erstreckte. Straßen und Bürgersteige wurden gesperrt, mindestens neun Nachbargebäude evakuiert.
Unter den Evakuierungsmaßnahmen befand sich auch das nahe gelegene israelische Konsulat an der Second Avenue. Israels Generalkonsul Ofir Akunis bestätigte, dass alle Mitarbeiter unverletzt ins Freie gebracht worden seien. Cliff Johnsen, Gewerkschaftsvertreter der Steamfitters Local 638, zeichnete ein drastisches Bild der Lage: „Die Nordseite dieses Gebäudes bröckelt. Die I-Träger verbiegen sich dort drin wie Zigaretten." Aufnahmen aus dem Inneren bestätigten stark deformierte Stahlträger.
Bewegung im Bauwerk hält an
Bürgermeister Zohran Mamdani sprach Stunden nach dem Vorfall von einer weiterhin akuten Einsturzgefahr. „Das Gebäude bleibt instabil", erklärte er auf einer Pressekonferenz. Noch immer seien Bewegungen im Bauwerk festzustellen. Ingenieure prüften, ob und wann eine Betretung des betroffenen Stockwerks möglich sei, um mit der Abstützung zu beginnen. Eine interdisziplinäre Besprechung aller beteiligten Behörden wurde einberufen.
Am 8. Juli galt das Bauwerk als stabilisiert, dennoch blieben die Evakuierungsanordnungen und Straßensperrungen im Kernbereich bestehen. Die Ursache des Säulenversagens ist Gegenstand laufender Ermittlungen des Department of Buildings (DOB) und des NYPD.
Ambitioniertes Megaprojekt liegt auf Eis
Das betroffene Hochhaus ist Teil eines spektakulären Umbauprojekts: Auf dem Areal 219 – 235 East 42nd Street sollte die größte Büro-zu-Wohnraum-Umwandlung der US-Geschichte entstehen. Die Entwickler Metro Loft unter Leitung von Nathan Berman und David Werner Real Estate Investments planten rund 1.600 luxuriöse Mietapartments, darunter ein Pool auf dem Dach und ein Fitnesscenter. Die architektonische Planung stammte von Gensler. Ursprünglich sollte der Komplex bereits 2026 erste Mieter empfangen, die endgültige Fertigstellung war für 2027 vorgesehen.
„Die Sicherheit unserer Arbeiter und der Öffentlichkeit hatte immer und bleibt unsere oberste Priorität."Sprecher von Metro Loft
Das ambitionierte Vorhaben war jedoch bereits vor dem strukturellen Notfall ins Visier der Baubehörde geraten. Wie The Real Deal berichtet, hatte das DOB im Jahr 2025 mehrfach Sicherheitsverstöße auf der Baustelle festgestellt – darunter einen nicht gemeldeten Bauzwischenfall. Durch die eingeknickten Pfeiler verschiebt sich der Zeitplan nun erheblich.
Ursachenforschung und offene Fragen
Die genaue Ursache für das Versagen der Stützpfeiler ist weiterhin unklar. Gemeinsam mit dem DOB arbeiten Statiker daran, das Schadensbild zu rekonstruieren. Das 37-stöckige Gebäude aus dem Jahr 1959 und sein neunstöckiger Nachbar von 1905, auf den mehr als 19 Stockwerke aus gegossenem Beton aufgesetzt werden sollen, stellen besondere technische Herausforderungen dar. Die Umwandlung von Büro- in Wohnraum gilt als komplex, da andere Lastannahmen und Nutzungsprofile zu bewältigen sind.
Ob und wann der Bau des bislang größten Konversionsprojekts in der Geschichte New Yorks fortgesetzt werden kann, ist offen. Für die zahlreichen beteiligten Gewerke und die Bauherren dürfte der Vorfall weitreichende Konsequenzen haben – nicht zuletzt eine verschobene Eröffnung und die Frage nach Haftungsansprüchen. Die Ermittlungen des DOB und des NYPD werden zeigen, wie es zu dem beinahe katastrophalen Einsturz kommen konnte.





