Wegner zieht Spitzenkandidatur zurück – Finanzsenator Evers übernimmt
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Wegner zieht Spitzenkandidatur zurück – Finanzsenator Evers übernimmt

Nach Falschaussagen zu seinem Krisenmanagement während des Stromausfalls im Januar tritt Kai Wegner als CDU-Spitzenkandidat ab. Stefan Evers soll die Partei aus dem Umfragetief führen.

Rücktritt nach Blackout-Krise

Es ist ein politischer Paukenschlag in Berlin: Kai Wegner (CDU) zieht seine Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September zurück. Der Regierende Bürgermeister geriet nach einem folgenreichen Brandanschlag auf das Stromnetz Anfang Januar massiv unter Druck, weil er sein Krisenmanagement schönredete und die Öffentlichkeit täuschte.

Am 3. Januar 2026 legte ein Anschlag weite Teile des Berliner Südwestens lahm. Bis zu 100.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom und Wärme. Wegner verschwieg zunächst, dass er am Tag des Blackouts eine Stunde Tennis gespielt hatte, und behauptete, er habe »den ganzen Tag telefoniert«. Später räumte er ein, am Vormittag keine dienstlichen Telefonate geführt zu haben. Die FAZ dokumentierte die Widersprüche.

Der Druck aus der eigenen Partei wuchs. Der Berliner JU-Vorsitzende Harald Burkart forderte Wegners Rücktritt. Mehrere CDU-Mitglieder schlossen sich in einem offenen Brief an. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach machte jede weitere Zusammenarbeit von Wegners Abgang abhängig: »Jemand, der die Berliner nachweislich getäuscht und mehrfach gelogen hat, ist für das Bürgermeister-Amt nicht geeignet.«

In Umfragen stürzte die CDU auf Platz vier ab. Die Linkspartei, Grünen und AfD lagen vor den Christdemokraten. Die SPD konnte von der Schwäche des Koalitionspartners nicht profitieren.

Am 10. Juli 2026 trat Wegner vor die Presse und gab seinen Rückzug bekannt. Er wolle sein Amt bis zur Wahl ausüben, aber räumte kommunikative Fehler ein: »Die Kommunikation war Mist.« In der Sache selbst habe er sich jedoch nichts vorzuwerfen. Einen Senatorenposten nach der Wahl schloss er aus.

»In diesem Amt war mir immer wichtig, dass ich derjenige bleibe, der ich bin, und dass ich authentisch bin.«
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin

Noch am selben Abend einigten sich die CDU-Kreisvorsitzenden auf Finanzsenator Stefan Evers als neuen Spitzenkandidaten. Er übernimmt vorübergehend auch den Landesvorsitz. Evers, Jahrgang 1979, amtiert seit 2023 als Finanzsenator und seit April 2026 auch als Kultursenator.

»Mit seinem selbstgerechten Statement hat Kai Wegner ein weiteres und hoffentlich letztes Mal unter Beweis gestellt, dass er dem Amt als Regierender Bürgermeister charakterlich nicht gewachsen ist.«
Kristin Brinker, AfD-Spitzenkandidatin

Die CDU hofft, mit Evers die Personaldebatte zu beenden und im anstehenden Wahlkampf wieder Boden gutzumachen. Ob der Wechsel an der Spitze die Partei aus dem Umfragetief holt, bleibt offen. Die Wahl im September wird zur ersten großen Bewährungsprobe.

Die Frage, ob Evers das Vertrauen der Berliner zurückgewinnen kann, wird sich spätestens am Wahltag entscheiden.

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