Tandem-Bürgermeister für Berlin: Verein fordert eigenen Vertreter für eine Million Ausländer ohne
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Tandem-Bürgermeister für Berlin: Verein fordert eigenen Vertreter für eine Million Ausländer ohne

In Berlin sind rund eine Million Menschen von der Abgeordnetenhauswahl ausgeschlossen. Der Verein "WahlheYmat" schlägt ein Tandem-Modell an der Stadtspitze vor – ein Bürgermeister soll den internationalen Teil der Bevölkerung repräsentieren.

Ein Drittel der Berliner Bevölkerung darf im September 2026 nicht das Abgeordnetenhaus wählen. Für Ivan Gabor, Gründer des Vereins "WahlheYmat", ist das ein Legitimationsproblem: "Gewählte repräsentieren nur einen Teil der Stadt." Sein Vorschlag: ein Tandem aus zwei Regierenden Bürgermeistern, von denen einer den internationalen Teil vertritt.

Gabor stellte die Idee im Juli 2026 vor, wenige Monate vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl. In einem RBB-Interview sagte er: "Sinnvoll wäre auch ein Tandem aus zwei Regierenden Bürgermeistern. Einer wäre wie jetzt auch normal gewählt. Ein zweiter käme als Repräsentant des internationalen Teils der Bevölkerung hinzu, der ein Drittel der Stadt ausmacht." Beide sollten gleichberechtigt agieren.

Außenseiter ohne Stimme

Nach Angaben des RBB sind etwa 37 Prozent der hauptstädtischen Bevölkerung von der Wahl zum Abgeordnetenhaus ausgeschlossen. Von den rund 3,9 Millionen Einwohnern besitzen etwa eine Million keinen deutschen Pass. EU-Bürger dürfen immerhin kommunal wählen, Drittstaatsangehörige – laut Statistikamt Berlin-Brandenburg im Dezember 2023 exakt 944.000 Personen – sind bei keiner einzigen Wahl stimmberechtigt, auch nicht nach jahrzehntelangem Aufenthalt.

Wahlkreisreform als zweite Säule

Neben dem Tandem-Modell fordert Gabor eine Neugliederung der Wahlkreise. Statt der bisherigen Einteilung schlägt er demografisch und geografisch gemischte Kreise vor. In einem solchen Wahlkreis würden Menschen aus Neukölln, Steglitz, Spandau oder Reinickendorf gemeinsam abstimmen, was "Begegnung unterschiedlicher Lebensrealitäten" erzwinge und eine diversere Repräsentation ermögliche.

Ergänzend setzt sich der Verein für niedrigschwellige Teilhabe ein: Stärkung politischer Mitwirkung auf Kiez-Ebene, Abbau bürokratischer Hürden und die Einführung von Englisch als zweiter Arbeitssprache in der Verwaltung. Die Nachfrage nach bürgerschaftlichem Engagement ohne deutsche Staatsangehörigkeit sei hoch, wie die Beteiligung an der Kampagne "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" gezeigt habe.

Sinnvoll wäre auch ein Tandem aus zwei Regierenden Bürgermeistern. Einer wäre wie jetzt auch normal gewählt. Ein zweiter käme als Repräsentant des internationalen Teils der Bevölkerung hinzu, der ein Drittel der Stadt ausmacht.
Ivan Gabor, Gründer von "WahlheYmat"

Gabor, ein ungarischer Kommunikationsexperte, zog 2016 nach Berlin und gründete Ende 2023 gemeinsam mit Barbara Vid die Initiative. Der als gemeinnütziger Verein eingetragene Verein versteht sich als digitale Wochenzeitung und Organisation für mehr politische Integration. In Zusammenarbeit mit der Berliner Morgenpost erscheint ein wöchentlicher englischsprachiger Newsletter.

Zeitdruck vor der Wahl 2026

Gabor drängt auf Entscheidungen vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026. In einem Meinungsbeitrag schrieb er: "Es ist Zeit zu entscheiden, was für eine Gesellschaft Berlin und Deutschland sein wollen. Zögern ist auch eine Entscheidung." Ob die Politik den Vorstoß aufgreift, ist offen – verfassungsrechtliche Hürden für ein kommunales Ausländerwahlrecht bestehen fort.

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