Attestpflicht ab Tag eins: Koalition kippt telefonische Krankschreibung
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Attestpflicht ab Tag eins: Koalition kippt telefonische Krankschreibung

Die schwarz-rote Koalition schafft die telefonische Krankschreibung ab und führt eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag ein. Ärzte warnen vor Praxis-Kollaps, Arbeitgeber jubeln.

Koalition kippt telefonische Krankschreibung

Die Tage der telefonischen Krankschreibung sind gezählt: Die schwarz-rote Koalition hat sich im Koalitionsausschuss am 1. Juli 2026 auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, das die Regelung aus der Corona-Zeit restlos streicht – und die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag der Erkrankung vorschreibt. Bislang musste die „AU“ erst ab dem vierten Kalendertag beim Arbeitgeber sein; die telefonische Krankschreibung war für leichte Erkrankungen und maximal fünf Tage möglich.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach bei der Vorstellung im Kanzleramt von einem „guten Tag für Deutschland“ und einem „ganzen Katalog von bedeutenden Reformen“, mit denen die Bundesregierung das Land „wieder flottkriegen“ wolle. Die neuen Krankschreibungsregeln sind Teil eines 34 Punkte umfassenden Reformpakets mit dem Titel „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“.

Ärzte warnen vor massiver Mehrbelastung

Hausärzteverbände reagierten empört auf die geplante Attestpflicht ab dem ersten Tag. Sie bezeichneten die Maßnahme als „absolut katastrophal“ und warnen vor einer massiven Überlastung der Praxen sowie einer Zunahme unnötiger Arztbesuche, die wertvolle Behandlungszeit binden. Auch die Verbraucherzentralen hatten die telefonische Krankschreibung zuvor als „Erfolgsmodell“ gelobt, das Zeit spare und vor Ansteckungen im Wartezimmer schütze.

Die Bundesärztekammer wies die zusätzlich geplanten härteren Strafen für das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse als „Affront“ gegenüber der Ärzteschaft zurück. Bislang sieht § 278 StGB Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren vor – die Koalition will diesen Strafrahmen erhöhen, um Missbrauch abschreckend zu ahnden.

Arbeitgeber begrüßen die Reform

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) begrüßte die Maßnahmen dagegen ausdrücklich. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter erklärte, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Attestpflicht ab dem ersten Tag könnten einen „erheblichen Kostengewinn und einen Mehrwert für den Standort Deutschland“ bedeuten, da die Lohnersatzkosten für Unternehmen spürbar gesenkt würden.

Opposition: „Nicht der große Wurf“

Im Bundestag stieß das gesamte Reformpaket auf scharfe Kritik. Bündnis 90/Die Grünen nannten es eine „Mogelpackung“, die AfD einen „Offenbarungseid“. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, attestierte dem Paket, es sei „nicht der große Wurf“. Die Beschlüsse gehen nun in das parlamentarische Verfahren – wann die Neuregelungen in Kraft treten, ist noch offen.

Die elektronische Krankschreibung selbst bleibt erhalten; sie wurde im Zuge der Digitalisierung im Gesundheitswesen eingeführt. Der Wegfall der telefonischen Variante soll jedoch nach dem Willen der Koalition mehr Kontrolle und weniger Missbrauch bringen – ein Versprechen, das Ärzte und Verbraucherschützer bezweifeln.

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